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Deutschland / Welt Guttenberg meldet sich zurück
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08:26 31.08.2017
Der ehemalige Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg spricht in der Stadthalle in Kulmbach (Bayern) bei einem Wahlkampftermin der CSU. Quelle: dpa
Kulmbach

Was ist das jetzt unter der glitzernden Discokugel der Kulmbacher Stadthalle? Ein kurzer Bußakt, um das politische Comeback zu starten? Oder persönliche Worte, um lediglich das Publikum für sich einzunehmen? Aber die rund 1200 Gäste in der vollbesetzten Halle sind am Mittwochabend sowieso schon begeistert. Karl-Theodor zu Guttenberg, einst Bundesverteidigungsminister und gestürzt über eine in Teilen abgeschriebene Doktorarbeit, ist wieder da.

Der 45-Jährige ist aus den USA angereist, um Wahlkampf für die CSU zu machen. Erste Station: seine Heimat Kulmbach in Oberfranken. Der Stammsitz seiner Adelsfamilie ist nur ein paar Kilometer entfernt.

„Jetzt ist auch mal irgendwann gut“

Sechs Jahre nach seiner Plagiatsaffäre zeigt er sich zunächst reumütig: „Ich habe alle Konsequenzen ertragen“, sagt Guttenberg. „Aber ich darf auch nach so langer Zeit für mich sagen, jetzt ist auch mal irgendwann gut.“ Applaus brandet auf.

Auf die abgekupferte Dissertation, die seine steile Karriere in der Politik 2011 abrupt unterbrach, geht Guttenberg nicht direkt ein. Er spricht aber von einem „absolut selbst verursachten“ Fehler und von „Spott und Häme“, die er abbekommen habe. Doch genug der Buße. Er kokettiert nun mit dem Thema: Er stehe bewusst vor und nicht hinter dem Rednerpult, sagt Guttenberg betont lässig. Er wolle nicht Gefahr laufen, eine „abgeschriebene Rede“ vorzutragen. Wieder Jubel. Hier scheint ein aberkannter Doktortitel kein Problem mehr zu sein.

Eine Stunde und 20 Minuten redet Guttenberg überwiegend über Außen- und Sicherheitspolitik. Über US-Präsident Donald Trump zum Beispiel. Er wirbt um weiterhin gute Beziehungen zu den USA: „Nicht ganz Amerika besteht aus blonden Wüterichen.“ Deutschland dürfe nicht mit „Klugscheißerei und Besserwisserei“ über den Atlantik blicken.

Guttenberg gibt den Wahlkämpfer für die Union

Türkei, Nordkorea, Flüchtlingskrise, Europa – Guttenberg spricht mal ernsthaft, mal witzelt er. Das geschäftliche Engagement von SPD-Altkanzler Gerhard Schröder in Russland kritisiert er, Schröder ist für ihn „Gazprom-Gerd“. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) lobt er – und ist ganz der Wahlkämpfer für die Union: „Das Land ist bei ihr in den besten Händen.“

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz ist für Guttenberg lediglich „der Mann aus Würselen“. Seine Sprüche haben teils Bierzelt-Niveau, etwa wenn er zum Thema Leitkultur sagt, dass der Sankt-Martins-Umzug kein Lichterfest sei und der Christkindlesmarkt kein Winterfest. Klar, das wollen viele Menschen aus dem ländlich geprägten Oberfranken genau so hören. Ernst wird er, wenn er Leidenschaft für Europa einfordert und sagt, trotz des Flüchtlings-Abkommens mit der Türkei dürfe man nicht erpressbar werden.

Im lässigen Sakko und offenem weißen Hemdkragen weiß Guttenberg mit gewohntem Grinsen genau, was die Menschen hier erwarten: „Meine Heimat war, ist und wird immer dieses Oberfranken sein.“ Und für die vielen Kameras gibt es am Ende eine Umarmung mit Ehefrau Stephanie. Es ist fast so wie früher, als die beiden als Glamour-Paar der deutschen Politik galten.

In den USA ein neues Leben aufgebaut

Aber wie steht es jetzt nun um die Comeback-Chancen für den einstigen Polit-Star? CSU-Chef Horst Seehofer macht keinen Hehl daraus, dass er sich eine Rückkehr von Guttenberg wünscht - und zwar nicht nur als Wahlkämpfer, wie nun in den kommenden Wochen auf einer Reihe von Terminen im Freistaat. Doch an welcher Stelle er „KT“ sieht, darüber schweigt sich Seehofer aus. Nicht wenige in der Partei sehen in Guttenberg eine wichtige strategische Figur, mit der Seehofer die Machtambitionen von Finanzminister Markus Söder im Land wie in der Partei ausbremsen könnte.

Er sei als „engagierter Bürger“ hier, lässt Guttenberg lediglich wissen. Am Wahltermin am 24. September werde er schon wieder in den USA sein. Dort habe er sich ein neues Leben aufgebaut. Zum Abschied ruft er noch: „Gottes Segen und auf Wiedersehen.“

Von Kathrin Zeilmann

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