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Deutschland / Welt „Grundversorgung ist absolut hervorragend“
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14:02 03.03.2018
„Populistische Forderung“: Bundesärztekammerpräsident Ulrich Montgomery. Quelle: Foto: dpa
Berlin

Der künftige Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) stößt mit seinen Plänen für eine gleich schnelle Vergabe von Arztterminen an Kassen- und Privatpatienten auf Skepsis in der Ärzteschaft, sagte Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer im Interview.

Herr Montgomery, geht es in Deutschlands Arztpraxen ungerecht zu?

Nein, nicht im Geringsten. Ich bezweifle, dass wir in Deutschland echte Zwei-Klassen-Medizin haben. Das ist eine populistische Scheindebatte. Die Grundversorgung in Deutschland ist absolut hervorragend. Aber es wird immer Menschen geben, die das Geld haben, sich zusätzlich Leistungen zu kaufen – sei es direkt oder über Zusatzversicherungen.

Der künftige Gesundheitsminister Jens Spahn hat versprochen, dass gesetzlich und privat Versicherte künftig gleich schnell Arzttermine bekommen sollen. Ist das ein realistisches Ziel?

Es ist ein hehres Ziel, hier Verbesserungen zu erreichen. Zu 100 Prozent wird man es sicher nicht gewährleisten können. Jens Spahn hat den richtigen Weg aufgezeigt: Er hat für eine bessere Bezahlung in der gesetzlichen Versorgung plädiert.

Was spricht dagegen, die Honorarordnungen für die Behandlung gesetzlich und privat Versicherter anzugleichen?

Beide Honorarordnungen werden dauernd überarbeitet. Dazu bekennen sich Union und SPD im Koalitionsvertrag. Hier darf man nichts übers Knie brechen. Eine Kommission soll Vorschläge für ein modernes Vergütungssystem vorlegen. Eine Angleichung der Honorarsysteme ist damit aber nicht gemeint. Das wäre ja die Bürgerversicherung durch die Hintertür.

Ist das Versprechen, dass privat und gesetzlich Versicherte gleich schnell Termine erhalten sollen, ohne eine Angleichung der Honorare überhaupt zu erreichen?

Nochmal, es geht darum, dass die Versorgung der gesetzlichen Versicherten bisher unterfinanziert ist. Wenn wir Verbesserungen in den Strukturen haben wollen, muss das auch finanziert werden. Wie die bessere Vergütung genau umgesetzt wird und ob zusätzlich über vertragliche Regelungen Verbesserungen erreicht werden können, wird sich zeigen.

Die GroKo will, dass Arztpraxen für gesetzlich Versicherte künftig länger geöffnet sind – statt 20 wie bisher mindestens 25 Stunden pro Woche. Sind Sie damit einverstanden?

Das ist eine populistische Forderung. Inhaltlich ist sie weitgehend gegenstandslos. Niedergelassene Ärzte arbeiten heute im Schnitt mehr als 50 Stunden in der Woche. Für 10 bis 20 Prozent ihrer Leistungen erhalten sie aufgrund der Budgetierung kein Honorar.

Viel wird über Ärztemangel im ländlichen Raum debattiert. Wie dramatisch ist die Lage dort?

Es gibt einen erheblichen Mangel. Wir müssen alles tun, um die Niederlassung im ländlichen Raum attraktiver zu machen. Dafür bietet der GroKo-Vertrag gute Ansätze – etwa mit Aufschlägen bei den Honoraren. Ein weiteres Instrument, um die Versorgung auf dem Land sicherzustellen, sind eigene Einrichtungen der Kassenärztlichen Vereinigungen mit angestellten Ärzten oder medizinische Versorgungszentren. Man darf sich aber auch nicht in die Tasche lügen. Die Wahrheit lautet: Wir werden bei den Fachärzten auf dem Land nicht die gleiche Versorgungsdichte erreichen können wie in der Stadt.

Was halten Sie von einer Landarztquote bei der Zulassung zum Medizinstudium?

Die Landarztquote ist sehr problematisch. Sie verlangt jungen Menschen vor Beginn ihres Studiums ab, eine Lebensentscheidung für die nächsten 10 oder 20 Jahre zu treffen. Wir haben erhebliche Zweifel, dass sich das juristisch sauber regeln lässt.

Die Lage in den Notfallambulanzen, die auch von Versicherten mit normalen Beschwerden und Krankheiten gerne außerhalb der regulären Praxisöffnungszeiten genutzt werden, spitzt sich weiter zu. Für welche Lösung plädieren Sie?

Das Thema sollte für alle Beteiligten Top-Priorität haben. Wir haben es mit einer erheblichen Fehlsteuerung zu tun. Es darf keine Fortsetzung des Schwarzer-Peter-Spiels zwischen niedergelassenen Ärzten und Krankenhäusern geben. Wir brauchen hier schnell eine Lösung, strukturell und finanziell. Vor allem aber brauchen wir eine bessere Information der Bürger. Die Menschen sollten wissen können, wann sie bei welchen Beschwerden wen aufsuchen müssen. Die Nummer des ärztlichen Bereitschaftsdienstes 116 117 muss bekannter werden.

Was erwarten Sie beim Thema Digitalisierung vom künftigen Bundesgesundheitsminister?

Jens Spahn ist auf diesem Gebiet sehr kenntnisreich. Er denkt nach vorn. Das Tempo bei der Digitalisierung des Gesundheitssystems muss endlich erhöht werden. Das geht nicht ohne – auch finanzielle – Anreize. Ein intelligentes und sicheres System für den Austausch von Patientendaten ist unbedingt notwendig. Ich halte eine flächendeckende Umsetzung innerhalb der nächsten vier Jahren für realistisch.

Von Rasmus Buchsteiner

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