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Deutschland / Welt Gewalt gegen Kinder ist noch immer Alltag
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Gewalt gegen Kinder ist noch immer Alltag
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08:24 14.07.2017
133 Kinder in Deutschland starben 2016 an Missbrauch. Quelle: dpa
Berlin

Obwohl Gewalt in der Kindererziehung gesellschaftlich immer weniger akzeptiert ist, sind Schläge und emotionale Übergriffe weiterhin ein Alltagsphänomen. 2016 ist die Zahl der Todesopfer unter 14 Jahren sogar gestiegen. Meist kommen die Täter aus der Familie. Die Deutsche Kinderhilfe stellte am Donnerstag in Berlin gemeinsam mit Experten Zahlen zu Gewalt an Kindern vor.

Wie viele Deutsche haben in ihrer Kindheit Gewalt erfahren?

Knapp ein Drittel (30,8 Prozent) der Bundesbürger gibt an, in der Kindheit körperliche oder emotionale Gewalt erfahren zu haben, fast jeder siebte (13,9 Prozent) Deutsche ist demnach Opfer sexuellen Missbrauchs geworden. Das ergab eine repräsentative Umfrage unter etwa 2500 Bundesbürgern zwischen 14 und 94 Jahren, die Forscher der Universität Ulm im vergangenen März vorstellten. Die Zahl der Todesopfer unter Kindern sei im vergangenen Jahr um 2,3 Prozent gestiegen, auf 133, teilte die Deutsche Kinderhilfe am Donnerstag mit.

Wie akzeptiert sind Schläge in der Kindererziehung heutzutage noch?

In der Nachkriegszeit waren Schläge in der Kindererziehung oft noch die Regel, seitdem wächst die Zahl derer, die körperliche Strafen ablehnen. Für die Mehrheit sind „ein Klaps auf den Po“ oder eine Ohrfeige mittlerweile Tabu, sagte der Ulmer Experte für Kindeswohlgefährdung Jörg M. Fegert im vergangenen Jahr. In einer seiner Studien (2016) bewerteten 44,6 Prozent einen „Klaps auf den Po“ als akzeptabel (2005: 76,2 Prozent); eine leichte Ohrfeige bewerteten 17 Prozent als in Ordnung (2005: 53,7 Prozent). Eine Tracht Prügel mit Blutergüssen oder das Schlagen mit einem Stock sahen im vergangenen Jahr nur noch 0,1 beziehungsweise 0,4 Prozent als vertretbar an (2005: jeweils 1,9 Prozent).

Wer ist am häufigsten betroffen?

Da gibt es unterschiedliche Meinungen: Eine Studie der Universität Bielefeld im Auftrag der Bepanthen-Kinderförderung aus dem Jahr 2013 zeigt: Heranwachsende aus armen Familien seien am stärksten von körperlicher Gewalt betroffen. Sozial besser und durchschnittlich gestellte Kinder erfuhren demnach deutlich seltener Gewalt. Dem widerspricht die Professorin für Pädagogik an der Hochschule Koblenz, Kathinka Beckmann: Gewalt gegen Kinder gebe es entgegen der gängigen Vorurteile in Familien, die Hartz IV beziehen, genauso, wie in Akademikerfamilien. Rund ein Viertel der Todesfälle unter Kindern gibt es im Zusammenhang mit Trennungen und Streit um Sorgerecht. Sinnvollste Gegenmaßnahme sei eine breit aufgestellte Kinderhilfe, meint Beckmann.

Wer sind die Täter?

Die Gewalttäter kommen zum großen Teil aus dem häuslichen Umfeld: Väter, Mütter, Onkel und Tanten, Freunde der Familie, sagte Beckmann am Donnerstag. Julia Weiler, Psychologin und Expertin für Cyber Crime und sexuelle Gewalt, meint: Ein Kind muss im Schnitt acht Erwachsene ansprechen, bevor ihm geglaubt wird. Ein Grund sei die noch immer vorherrschende Tabuisierung. Dass jemand aus dem eigenen Umfeld Täter sein könnte, sei ein „schwerer Gedanke“, sagte sie. Deshalb sei das Dunkelfeld der Betroffenen sehr groß.

Welche Rolle spielt das Internet?

Eine immer größere. Soziale Netzwerke haben Gewalt gegen Kinder fundamental verändert, sagt von Weiler, insbesondere über das Smartphone seien Kinder und Jugendliche für Gewalttäter immer erreichbar. Sie forderte, schon den Versuch des sogenannten Cybergrooming - also das Ansprechen Minderjähriger im Netz mit dem Ziel sexueller Kontakte - unter Strafe zu stellen.

Welche Spätfolgen bewirken Gewalterfahrungen in der Kindheit?

Menschen, die Missbrauch oder Vernachlässigung erlitten, haben ein höheres Risiko für psychische Erkrankungen wie Depressionen sowie ein höheres Suizidrisiko. Deutlich häufiger als Menschen ohne Gewalterfahrungen leiden sie an Übergewicht, Diabetes, Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und chronischen Schmerzen, sagte Markus Huber-Lang, Chirurg am Zentrum für Traumaforschung der Uni Ulm im März 2017.

Von RND/dpa

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