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Deutschland / Welt Experte: Hackerangriff war „eindeutig Fleißarbeit“
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Experte: Hackerangriff war „eindeutig Fleißarbeit“
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14:29 04.01.2019
Der deutsche Bundestag ist einem Hackerangriff zum Opfer gefallen. Quelle: Wolfgang Kumm/dpa
Berlin

Der Hackerangriff auf die deutsche Politik- und Künstlerszene zieht weite Kreise. Das gesamte Ausmaß wird erst nach und nach bekannt, fest steht aber: Die Persönlichkeitsrechte vieler Betroffener wurden massiv verletzt. Dementsprechend empört reagieren Politiker und Experten auf den Fall.

Während ein Sicherheitsexperte vor der Gefahr von Rechts warnt und die Bundesregierung den Vorfall verurteilt, setzt sich CDU-Politiker Armin Schuster für die Löschung der noch immer kursierenden Daten ein. Die ersten Reaktionen im Überblick:

„Ändert alle Passwörter

Die SPD-Bundestagsfraktion empfiehlt ihren Abgeordneten nach der massenhaften Veröffentlichung von Daten im Internet schnelle Sicherheitsmaßnahmen. „Ändert alle Passwörter“, heißt es in einem am Freitag an die Fraktionsmitglieder verschickten Brief.

Dies gelte für private Rechner sowie den Zugriff auf Cloud-Dienste und soziale Netzwerke. Nach einer ersten Einschätzung seien keine Server des Bundestages oder der SPD-Fraktion betroffen. Es würden rechtliche Schritte geprüft, „damit die im Internet befindlichen Daten nicht weiter öffentlich zur Verfügung stehen“.

„Verantwortlicher will Politiker einschüchtern. Das wird nicht gelingen“

SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil sagte im Gespräch mit der „Bild“-Zeitung: „Eine mögliche politische Motivation dieses Angriffs muss geklärt werden. Wer auch immer dafür verantwortlich ist, will Politikerinnen und Politiker einschüchtern. Das wird nicht gelingen.“

„Mit viel Fleißarbeit Mail-Accounts geöffnet“

Die persönlichen und vertraulichen Daten von Politikern und Prominenten im Netz stammen nach Experteneinschätzung nicht aus einer einzigen Quelle. Bei den Daten handele es sich um ein Potpourri an Material aus verschiedenen Hacks auf Mail-Accounts, sagte der renommierte Karlsruher IT-Sicherheitsexperte Christoph Fischer.

„Da hat jemand offenbar mit viel Fleißarbeit versucht, Mail-Accounts zu öffnen“, sagte Fischer. Die erste Vermutung, dass ein zentraler Mail-Server des Bundestags geknackt wurde, habe sich nicht bestätigt. „Im Netz findet man immer mal wieder etwas. Da steckt eindeutig Fleißarbeit hinter.“

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Reaktionen: Experte: Hackerangriff war „eindeutig Fleißarbeit

Und er geht noch einen Schritt weiter: Es liege nahe, dass das Daten-Leak „aus der rechten Ecke“ komme, sagte Fischer. Möglich sei es aber, dass der Hack „aus Spaß an der Freude“ erfolgte - „die Datenlage sieht danach aus“.

Ein Problem sieht Fischer darin, dass auch Mitarbeiter in Unternehmen und Organisationen die Absicherungen der Technikabteilung oftmals aus Bequemlichkeit umgingen. „Je restriktiver die IT gehandhabt wird, umso häufiger werden die Sicherheitseinstellungen umgangen“, sagte Fischer.

Das Reservoire an Passwörtern sei bei den meisten Mitarbeitern begrenzt. „Dass Passwörter dümmstens verwendet werden, ist ein Problem.“ Im aktuellen Fall geht Fischer davon aus, dass die Betroffenen schlechte Passwörter sowie Webmail-Accounts statt der offiziellen Mailadresse für die Kommunikation genutzt haben.

„Schwerer Anschlag auf die Demokratie“

Linke-Fraktionschef Dietmar Bartsch hat den Hackerangriff als „Anschlag auf die Demokratie“ verurteilt. Er sei „schwer geschockt“, sagte der Chef der Linken im Bundestag. „Das ist ein schwerer Anschlag auf die Demokratie in unserem Land. Es ist ein Anschlag auf den sozialen Zusammenhalt in unserem Land.“ Es solle offensichtlich ein Klima der Angst und Unsicherheit geschaffen werden. Die zuständigen Behörden müssten „in aller Konsequenz“ handeln.

Bartsch ist nach eigenen Worten auch „einigermaßen entsetzt“ darüber, „dass ich die Informationen heute aus den Medien erfahren habe und dass auch bei den Kollegen in der Parteizentrale und an der Fraktionsspitze keine Informationen vorgelegen haben“, sagte er.

„Besonders verwerflich“ nannte Bartsch, dass auch Familienangehörige und Kinder betroffen seien, etwa über die Veröffentlichung von Chatverläufen. „Das geht überhaupt nicht, widerspricht Gesetzen, die wir in unserem Land haben.“ Die Sicherheitsbehörden hätten offensichtlich versagt. „Hier wird sich zeigen, wieweit unsere Gesellschaft es wirklich gemeinsam schafft, derartigen Idioten die Stirn zu bieten.“

Auch Grünen-Fraktionsmanagerin Britta Haßelmann sprach von einem „sehr ernstzunehmenden Versuch, unsere Demokratie zu destabilisieren.“

„Gefährdung der Betroffenen billigend in Kauf genommen“

Der Parlamentarische Geschäftsführer der Linken im Bundestag, Jan Korte, sagte: „Wer private Angaben von Personen veröffentlicht, nimmt deren Gefährdung billigend in Kauf, und dagegen müssen wir uns gemeinsam wehren.“

Derzeit prüfe seine Fraktion, inwieweit die veröffentlichten privaten Angaben authentisch seien und ob ihnen daraus persönlicher Schaden entstehen könne. „Hierzu sind wir mit der Bundestagsverwaltung und den Sicherheitsbehörden in engem Kontakt.“

„Urheber wollen Demokratie beschädigen“

Nach Einschätzung von Justizministerin Katarina Barley (SPD) ist der Datenklau ein „schwerwiegender Angriff“.

„Die Urheber wollen Vertrauen in unsere Demokratie und ihre Institutionen beschädigen“, erklärte Barley. Die Täter müssten rasch ermittelt und ihre möglicherweise politischen Motive aufgeklärt werden. „Kriminelle und ihre Hintermänner dürfen keine Debatten in unserem Land bestimmen“, mahnte Barley.

„Das kann auch eine sehr intensive Recherche sein“

Der Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums des Bundestages, Armin Schuster (CDU), hat gefordert, dass die geleakten Daten möglichst schnell aus dem Netz genommen werden. „Die Daten müssen aus dem Netz“, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

„Die Bundesregierung arbeitet mit den Providern daran, dass das möglichst schnell geschieht. Denn das sind ja kapitale Daten.“ Im Übrigen seien alle Sicherheitsbehörden des Bundes damit befasst, den Fall aufzuklären.

Schuster stellte zugleich infrage, ob die Daten tatsächlich einem Hackerangriff entstammen. „Das kann ein Hackerangriff sein, das kann aber auch eine sehr intensive Recherche sein“, sagte er dem RND.

„Daten von Ministerpräsidenten und anderen Prominenten findet man jedenfalls nicht im Bundestagssystem.“ Im Übrigen gehe er davon aus, dass das Regierungsnetz so einen Angriff nicht hatte. Der CDU-Politiker betonte: „Wir müssen schleunigst rauskriegen, was das für ein Szenario ist.“

„Es sind auch gefälschte Dateien dabei“

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Florian Post ist - wie Hunderte andere - von dem Hacker-Angriff auf Politiker und Prominente in Deutschland betroffen. Seinen Worten nach sind aber nicht alle ihn betreffenden Daten echt.

„Es ist mindestens eine gefälschte Datei dabei. Die gehört mir nicht, sie wurde mir nie geschickt, und ich hab sie nicht gespeichert“, sagte Post der Deutschen Presse-Agentur am Freitag. Diese werde aber in den Listen als seine Datei ausgewiesen.

Andere Informationen seien aber echt, so seien beispielsweise Kontoauszüge von ihm veröffentlicht worden. „Man fühlt sich ausgeliefert, ich bin ziemlich geschockt“, sagte Post. Er wolle sich nun von einem Anwalt über mögliche rechtliche Schritte beraten lassen.

Von RND/dpa/lf/ngo

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