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Deutschland / Welt Erstes Schiff des „Aquarius“-Konvois in Spanien eingetroffen
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Erstes Schiff des „Aquarius“-Konvois in Spanien eingetroffen
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10:56 17.06.2018
Asylsuchende verlassen in Valencia eines der ersten Boote des „Aquarius“-Konvois. Quelle: AP
Valencia

Das erste Schiff des Konvois um die „Aquarius“ und ihre knapp 630 aufgenommenen Flüchtlinge und Migranten ist in Spanien eingetroffen. Es legte am Sonntagmorgen im Hafen von Valencia an. Dabei handelte es sich nicht um das Rettungsschiff „Aquarius“ selbst, sondern um das italienische Schiff „Dattilo“, das es auf dem Weg nach Spanien begleitet hatte und einen Teil der Zuwanderer an Bord genommen hatte.

Nachdem die „Dattilo“ um kurz vor 7 Uhr in Valenica angekommen war, gingen Mediziner und Psychologen an Bord, um die Migranten zu untersuchen. In den nächsten Stunden sollten auch die „Aquarius“ und ein weiteres italienisches Schiff, die „Orione“, in der ostspanischen Hafenstadt eintreffen.

Nach einer Irrfahrt durchs Mittelmeer sind die Flüchtlinge der „Aquarius“ am Sonntag in Spanien angekommen.

Die von den Hilfsorganisationen SOS Mediterranée und Ärzte ohne Grenze betriebene „Aquarius“ hatte vor gut einer Woche rund 630 Flüchtlinge und Migranten im Mittelmeer aufgelesen. Weil die neue Regierung Italiens dem Schiff aber die Einfahrt in ihre Häfen untersagte, saß es vor der Küste Siziliens fest. Auch Malta verweigerte die Hafeneinfahrt. Schließlich sprang Spanien ein. Der Schiffskonvoi musste dafür allerdings rund 1500 Kilometer weit über das teils stürmische Mittelmeer fahren.

123 unbegleitete Minderjährige, elf Kinder und sieben schwangere Frauen

Das Schicksal des Schiffes hatte zu einem Streit zwischen Italien und Frankreich geführt. Der französische Präsident Emmanuel Macron hatte der neuen italienischen Regierung Zynismus vorgeworfen, was diese mit der Forderung gekontert hatte, Frankreich müsse zunächst einmal seine Verpflichtung aus einer EU-Vereinbarung erfüllen und knapp 10.000 Flüchtlinge aufnehmen.

Die spanischen Behörden hatten angekündigt, den Fall jedes Flüchtlings und Migranten darauf zu überprüfen, ob sie für Asyl gemäß den Statuten des Landes in Frage kommen. Spaniens Minister für Öffentliche Arbeit, José Luis Ábalos, hatte am Samstag gesagt, den Zuwanderern werde aber zunächst eine Sondererlaubnis ausgestellt, um einen Monat lang im Land bleiben zu dürfen. Die spanische Regierung werde mit Feingefühl, aber auch im Rahmen seiner Gesetze handeln.

Unter den Menschen an Bord des Konvois sind 123 unbegleitete Minderjährige, elf Kinder und sieben schwangere Frauen. Spanien hat das Angebot Frankreichs akzeptiert, diejenigen der Zuwanderer aufzunehmen, die nach ihrer Registrierung nach Frankreich gehen wollen.

2018 mindestens 792 Mittelmeer-Tote

Laut den EU-Asylrichtlinien, über die derzeit immens gestritten wird, müssen Flüchtlinge und Migranten in dem Land Asyl beantragen, in dem sie in der EU ankommen. Dadurch haben Italien und Griechenland eine schwere Bürde zu tragen, weil an ihren Küsten in den vergangenen Jahren Hunderttausende Asylsuchende eingetroffen sind.

Der spanische Seenotrettungsdienst hatte am Freitag und Samstag insgesamt 986 Menschen von 69 kleinen Flüchtlingsbooten gerettet. Auch vier Leichen seien geborgen worden, teilten die Seenotretter am Samstag mit.

Die Menschen auf den Booten versuchen, gewalttätigen Konflikten und extremer Armut in ihrer Heimat zu entfliehen. Dafür nehmen sie auch in Kauf, die gefährliche Überfahrt über das Mittelmeer in oft seeuntüchtigen Booten von Schmugglern in Angriff zu nehmen.

Nach UN-Angaben sind in diesem Jahr bislang mindestens 792 Flüchtlinge und Migranten bei dem Versuch gestorben, das Mittelmeer von der nordafrikanischen Küste aus in Richtung Europa zu überqueren. In den ersten fünf Monaten 2018 haben 35.455 Flüchtlinge und Migranten die europäischen Küsten erreicht, 11.792 davon in Spanien.

Von RND/dpa