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Deutschland / Welt Erklären Sie uns ihr NRW, Herr Breuckmann!
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17:52 14.05.2017
Jeder Fußballfan in Deutschland kennt die Stimme von Manfred „Manni“ Breuckmann (65). Quelle: dpa
Berlin

Und verrät, auf wessen Ratschläge die Menschen in NRW gerne verzichten..

Herr Breuckmann, was macht einen typischen Einwohner Nordrhein-Westfalens aus?

Den gibt es gar nicht. Das merkt man schon an Ihrer Frage: Sie haben nicht nach dem typischen Nordrhein-Westfalen gefragt, sondern Hilfsweise nach dem typischen Einwohner dieses Bundeslandes. Das sagt eigentlich schon alles. Niemand in NRW bezeichnet sich als Nordrhein-Westfale.

Warum nicht?

Aus den gleichen Gründen wie bei den meisten Bindestrich-Bundesländern. NRW wurde ja nach dem Zweiten Weltkrieg von den Alliierten gegründet. 1946 schlossen die britischen Besatzer die ehemalige Rheinprovinz und die preußische Provinz Westfalen zusammen, 1947 kam das ehemalige Fürstentum Lippe rund um Detmold hinzu. Den Briten ging es weniger um kulturelle Identitäten als um die Schaffung eines funktionierenden Verwaltungsgebietes.

Die Menschen fühlen sich also immer noch als Westfalen oder Rheinländer?

Vorsicht! Auch innerhalb Westfalens und des Rheinlandes gibt es große Unterschiede. Jemand vom Niederrhein nahe der holländischen Grenze hat mit einem Kölner wenig gemein. Und den Westfalen aus dem nördlichen Münsterland unterscheidet einiges vom Sauerländer. NRW ist extrem vielfältig. Die Menschen fühlen sich als Rheinländer, Münsterländer, Sauerländer, Siegerländer, Niederrheiner, Ostwestfalen, Eifler, Lipper oder auch als Ruhrgebietler – wie ich.

Leben Sie nicht in Düsseldorf?

Ja, schon seit 1975. Aber ich wurde in der damaligen Bergbaugemeinde Datteln im nördlichen Ruhrgebiet geboren, und deswegen bleibe ich ein Ruhri. Die Herkunft prägt die Mentalität auf ewig. Der Rheinländer ist hyperaktiv, scheinbar ständig gut gelaunt –bis auf seine ordinären Wutausbrüche- und spätestens nach dem dritten Bier dein bester Freund. Der Ruhri mag dieses Gehabe überhaupt nicht. Er hat zwar den Schalk im Nacken, der springt dich aber nicht gleich an. Umgekehrt wäre ein Düsseldorfer tödlich beleidigt, wenn er ins Ruhrgebiet eingemeindet würde.

Hätte die Politik versuchen müssen, so etwas wie ein Wir-Gefühl zu entwickeln?

Es gab ja Versuche. Am weitesten ist Johannes Rau gekommen, übrigens ein Mann aus Wuppertal im Bergischen Land, das hatte ich bei meiner Aufzählung noch vergessen. Als Rau Ministerpräsident war, gab es eine Kampagne: „Wir in NRW“. Damals gab es Anflüge eines Landesbewusstseins. Die Menschen haben sich hinter Rau versammelt – und ihn drei Mal mit absoluter Mehrheit zum Ministerpräsidenten gewählt. Seit dem Ende der Ära Rau fehlte diese gemeinsame Klammer wieder. Ich finde das aber nicht weiter tragisch. Ist doch in Ordnung, wenn die Menschen stolz auf ihre jeweilige Region sind. Ein NRW-Gefühl brauchen wir nicht.

Weil das Land am Ende nicht mehr als eine Verwaltungseinheit ist?

Verwaltungseinheit ist mir zu technokratisch. Etwas mehr ist es schon. Bei allen Unterschieden gibt es ja auch Gemeinsamkeiten. Die Menschen in NRW neigen weniger als in anderen Bundesländern zu Extremen. Maß und Mitte sind wichtig – und der Ausgleich, ohne den das Zusammenleben im bevölkerungsreichsten Bundesland gar nicht funktionieren würde. Das sieht man auch an den Wahlergebnissen. Radikale Parteien schneiden in NRW traditionell schlechter ab als anderswo.

NRW wird oft als „Stammland“ der SPD bezeichnet.

Was vermutlich mit den Erfolgen der SPD unter Rau zusammenhängt, aber inzwischen ziemlicher Unsinn ist. Es gibt Regionen wie das Münsterland oder die Gegend um Paderborn, die traditionell pechschwarz sind. Da konnte die CDU früher einen Zaunpfahl aufstellen - und trotzdem wurde der gewählt. Das gleiche galt im Ruhrgebiet für die SPD. Es gab ein beinahe göttliches Gesetz, dass ein Oberbürgermeister im Pott ein Sozi zu sein hat. Beides gilt inzwischen nicht mehr.

Im Wahlkampf war viel von den Problemen die Rede. Warum hinkt NRW den anderen Bundesländern hinterher?

Ich weiß gar nicht, ob das immer so stimmt. Speziell CDU und FDP haben im Wahlkampf ein teuflisches Gebräu aus Wahrheiten, Halbwahrheiten und falschen Schuldzuweisungen angerührt. Außerdem gibt es auch große regionale Unterschiede. Gehen Sie mal nach Ostwestfalen oder ins westliche Münsterland: Da haben sie eine bärenstarke Wirtschaft und nahezu Vollbeschäftigung. Der Strukturwandel im Ruhrgebiet, das Ende von Kohle und Stahl, hat zu unzähligen Problemen geführt, klar. Viele wurden gelöst, manche sind noch da. Die Menschen in der Region sind stolz auf das, was schon geschafft wurde. Deshalb mögen sie die Dauerkritik an ihrem Land auch nicht besonders. Schon gar nicht die aus Bayern.

Von RND/Andreas Niesmann

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