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Deutschland / Welt Erdogan-Gegner nach 425 Kilometern in Istanbul
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19:17 09.07.2017
CHP-Chef Kemal Kilicdaroglu gefolgt von Hunderttausenden Erdogan-Gegnern. Quelle: imago/Depo Photos
Istanbul

Die letzten drei Kilometer wollte er alleine gehen: Kemal Kilicdaroglu, Chef der wichtigsten Oppositionspartei der Türkei. Aber das gelang ihm nur schwer. Hunderttausende hatten sich dem CHP-Chef auf seinem „Marsch der Gerechtigkeit angeschlossen. Und so wirkte Kilicdaroglu ein bisschen wie der türkische Forrest Gump: Die letzten Kilometer bis zum Ort der Abschlusskundgebung lief er nur wenige Meter vor einer nicht enden wollenden Schaar von Anhängern.

425 Kilometer sind Kilicdaroglu und seine Mitstreiter unterwegs gewesen. Es ist die Strecke von der Hauptstadt Ankara nach Istanbul. Am Sonntag erreichten die Gegner von Präsident Recep Tayyip Erdogan die Küstenstadt. 25 Tage hat ihr Marsch gedauert.

Die Demonstranten skandierten „Recht, Justiz, Gerechtigkeit“ und schwenkten türkische Fahnen. Nach Angaben regierungskritischer Medien nahmen an der Abschlusskundgebung mehr als hunderttausend Menschen teil. Der CHP-Abgeordnete Özgür Özel bezifferte die Teilnehmerzahl nach Angaben des Senders CNN Türk auf 1,6 Millionen.

Kilicdaroglu will mit dem „Adalet Mitingi“, wie der Marsch auf Türksch heißt, gegen die Unterdrückung der Opposition im Land demonstrieren. Im Juni war ein Abgeordneter seiner sozialdemokratischen Partei CHP wegen Enthüllung von Staatsgeheimnissen zu 25 Jahren Haft verurteilt worden. Auch Kilicdaroglu war beschuldigt worden, mit dem Marsch Terrorgruppen zu unterstützen. Präsident Erdogan erklärte, Kilicdaroglu verstoße gegen das Gesetz, indem er versuche, die Justiz zu beeinflussen

Zehntausende Menschen hatten sich daraufhin Kilicdaroglu angeschlossen, darunter die Schriftstellerin Asli Erdogan und der führende kurdische Politiker Ahmet Türk. Beide waren inhaftiert, wurden aber bis zum Beginn ihrer Prozesse wegen Terrorvorwürfen freigelassen.

Von RND/aks/dpa