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Deutschland / Welt „Die islamistische Szene steht massiv unter Druck“
Nachrichten Politik Deutschland / Welt „Die islamistische Szene steht massiv unter Druck“
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05:00 24.10.2018
Ein Polizist mit Maschinenpistole sichert im Juli 2016 nach einem Bombenanschlag den Tatort in Ansbach (Bayern). Seit jenem Jahr hat sich die islamistische Szene etwas beruhigt. Quelle: Sdmg/Friebe/dpa
Berlin

Die Zahl der Angehörigen von Islamisten, die sich Hilfe suchend an die Beratungsstelle Radikalisierung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf) wenden, ist zuletzt spürbar zurückgegangen. Das teilte eine Bamf-Sprecherin dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) mit. Seit Beginn der Tätigkeit der Beratungsstelle vor sechs Jahren seien bei der Hotline knapp 4300 Anrufe eingegangen.

Von 2012 bis 2015 hätten sich die Zahlen vervierfacht und seien 2016 und 2017 dann auf einem ähnlich hohen Niveau konstant geblieben. Im Jahr 2018 seien die Anrufer-Zahlen allerdings geschwunden, so die Sprecherin, und hätten sich „auf einem Niveau wie vor den Terroranschlägen in Ansbach und Würzburg eingependelt“. Von Jahresbeginn bis jetzt habe die Beratungsstelle über 300 Anrufe gezählt.

Die Beratungsstelle beobachte zugleich, dass die geschilderten Sachverhalte hinsichtlich der islamistischen Radikalisierung und die Gespräche bereits an der Hotline teilweise komplexer würden. Auch seien teilweise mehr Akteure beteiligt. „Dies zieht dann ebenfalls eine gesteigerte Betreuungsintensität im gesamten Netzwerk nach sich.“

„Die Szene ist wesentlich vorsichtiger geworden“

Der Freiburger Politikwissenschaftler Heiner Vogel, der auf Islamismus spezialisiert ist und den einschlägigen Blog „Erasmus Monitor“ betreibt, sieht ebenfalls eine gewisse Entspannung. „Die Szene ist wesentlich vorsichtiger geworden“, sagte er dem RND. „Denn sie steht massiv unter Druck und verliert an Zugkraft.“ Schließlich sei der so genannte Islamische Staat (IS) auf dem Rückzug und habe dadurch an Attraktivität verloren.

Die Leiterin der Berliner Beratungsstelle Hayat, Claudia Dantschke, die für die Hauptstadt und die fünf Ostländer zuständig ist, betonte hingegen: „Die Zahl der Anfragen an uns von Angehörigen, deren Kinder sich islamistisch radikalisieren, steigt nach wie vor, wenn auch nicht mehr in der Größenordnung wie noch vor einem Jahr.“ Es könne nicht gesagt werden, dass sich die Lage insgesamt beruhige.

Dantschke, die als ausgewiesene Expertin gilt, fügte hinzu, zugenommen hätten Fälle, in denen es darum gehe, dass die nach Syrien oder den Irak zum IS ausgereisten Söhne oder Töchter zurückkehren wollten. Sie verwies auf die Kämpfe um das letzte Restgebiet am Euphrat im Südosten Syriens, das vom IS gehalten werde. „Viele wollen von dort weg, andere befinden sich seit fast einem Jahr in den Lagern der nordsyrischen Kurden und hoffen darauf, nach Deutschland kommen zu können.“ Hier sei „ein sehr komplexer Ansatz erforderlich, da diese Rückkehrfälle intensiv betreut werden müssen“.

Rund 1000 Islamisten nach Syrien und den Irak ausgereist

Nach Angaben des Bundesamtes für Verfassungsschutz sind von 2011 bis 2018 rund 1000 Islamisten – überwiegend junge Männer – aus Deutschland gen Syrien und Irak ausgereist. 190 von ihnen sind umgekommen. Von mehreren Hundert fehlt jede Spur.

Die Anrufer in der Beratungsstelle Radikalisierung werden in der Regel an insgesamt neun zivilgesellschaftliche Träger verwiesen, die über das gesamte Bundesgebiet verstreut sind. Diese übernehmen die eigentliche Beratung. Ziel ist, das weitere Abrutschen eines gefährdeten Jugendlichen oder jungen Erwachsenen ins salafistisch-islamistische Milieu zu verhindern. Da, wo es dafür schon zu spät ist, lautet das Ziel, diese irgendwie aus der Radikalisierung zurück zu holen. Geht es um strafrechtlich relevante Sachverhalte, werden die Sicherheitsbehörden eingeschaltet.

Die Beratungsstelle Radikalisierung gibt es seit 2012. Zuvor war eine ähnliche Hotline beim Bundesamt für Verfassungsschutz auf wenig Resonanz gestoßen.

Von Markus Decker/RND

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