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Deutschland / Welt Die „Generation Mitte“ ist tief verunsichert
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Die „Generation Mitte“ ist tief verunsichert
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15:31 19.09.2018
Die meisten Befragten empfinden ihr Leben als fordernder und anstrengender als das ihrer Eltern. Quelle: epd
Berlin

Obwohl es den meisten 30- bis 59-Jährigen derzeit wirtschaftlich so gut geht wie nie, sind sie tief verunsichert. Laut einer Allensbach-Studie haben nur noch 27 Prozent Vertrauen in die politische Stabilität des Landes. Im Jahr 2015 waren es noch 49 Prozent. Zwei Drittel beurteilten außerdem den gesellschaftlichen Zusammenhalt als zu schwach, sagte die Geschäftsführerin des Institutes für Demoskopie Allensbach, Renate Köcher, am Mittwoch in Berlin.

Die Studie wird seit 2013 jährlich im Auftrag des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) durchgeführt. Gefragt wurden im Juli diesen Jahres 1000 Personen aus der sogenannten Generation Mitte, also bei den "Leistungsträgern der Gesellschaft", wie es heißt. Sie stellen bundesweit etwa 35 Millionen Menschen, auf sie entfallen 70 Prozent der Erwerbstätigen und mehr als 80 Prozent der steuerpflichtigen Einkünfte.

„Die Stimmung ist trotz der brummenden Wirtschaft nicht gut“, sagt Verbandspräsident Wolfgang Weiler. Damit sei eine Jahrzehnte alte Regel außer Kraft gesetzt. So finden 67 Prozent, dass die Gesellschaft materialistischer, egoistischer und intoleranter geworden ist. Im Jahre 2016 lag dieser Wert noch bei 56  Prozent. Nur ein Drittel der Befragten sei überzeugt, heute in einer glücklichen Zeit zu leben. 42 Prozent hielten die Zeiten sogar für ausgesprochen schwierig.

Nur 11 Prozent sehen Gefahr des sozialen Abstiegs

Im Kontrast dazu steht die Einschätzung der „Generation Mitte" bezüglich ihrer persönlichen Situation: 42 Prozent der Befragten empfinden sich über die vergangenen Jahre hinweg betrachtet als Wohlstandsgewinner, nur 18 Prozent beklagen eine Verschlechterung. Letztere gehören zumeist zu den unteren sozialen Schichten.

Nur noch 11 Prozent sehen die Gefahr eines sozialen Abstiegs (2016: 15 Prozent), 83 Prozent dagegen gar keine oder eine weniger große Gefahr. Nur 12 Prozent der Befragten machen sich noch Sorgen um die Sicherheit ihres Arbeitsplatzes. Das ist der niedrigste Wert seit der ersten Erhebung der Studie im Jahr 2013. Allerdings fürchten bei den Einkommensschwachen immerhin 25 Prozent um ihre Arbeit.

61 Prozent finden, dass ihre Eltern damals weniger Stress hatten

Im Vergleich zu ihren Eltern im gleichen Alter sehen die 30- bis 59-Jährigen für sich die größeren finanziellen Möglichkeiten und persönlichen Entfaltungsspielräume. Sie können sich mehr leisten, leichter in den Urlaub fahren und sind räumlich flexibler. Allerdings empfinden sie ihr Leben auch als fordernder und anstrengender als das ihrer Eltern. So finden 61 Prozent, dass ihre Eltern damals weniger Stress und Hektik hatten, 45 Prozent, dass es damals mehr Planungssicherheit gab.

Die mittlere Generation hat laut der Umfrage auch ein anderes Verhältnis zu Geld als ihre Eltern. „Sparsam leben ist kein Lebensziel mehr“, sagte Köcher. Obwohl sich die meisten wünschten, finanziell unabhängig und abgesichert zu sein, halte nur jeder Siebte Sparsamkeit für wichtig – aus Sicht der Versicherer ein „alarmierendes“ Ergebnis, denn sie leben von der privaten Vorsorge.

Von epd/dpa/RND/ang