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Deutschland / Welt Brennpunkt Bildung: Was aus Pisa folgen muss
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18:34 23.10.2018
„In der deutschen Bildungspolitik geht es allzu oft nur um den schönen Schein“, kommentiert Tobias Peter. Quelle: Peter Steffen/dpa
Berlin

Man stelle sich einen Autobesitzer vor, der seinen Wagen zur Werkstatt in die Inspektion bringt. Der Kfz-Mechatroniker sagt das Offensichtliche: Es gibt Probleme mit dem Motor, die Hintertür klemmt und das Rücklicht funktioniert nicht. Der Kunde erwidert nur: „Polieren Sie den Wagen bitte recht ordentlich.“

Auch in der deutschen Bildungspolitik geht es allzu oft nur um den schönen Schein. Seit Jahrzehnten wird die Chancengleichheit feierlich als Ziel beschrieben. Doch geändert hat sich in Wirklichkeit wenig. Allzu oft ist Bildung de facto an die soziale Herkunft gekoppelt, allzu oft bleiben die Möglichkeiten, die Vater und Mutter nicht hatten, auch ihren Kindern verstellt.

Die neue Pisa-Auswertung zeigt: Nur knapp 15 Prozent der Schulabgänger mit Eltern ohne Abitur erreichen in Deutschland ein abgeschlossenes Hochschulstudium – diese Quote liegt weit unter dem OECD-Durchschnitt. Verletzt wird damit ein grundlegendes Versprechen, das eigentlich zur DNA unserer Gesellschaft gehört: Wer sich anstrengt, wird belohnt. Genau das gilt noch lange nicht für alle. Das ist ein Jammer.

Reparaturen im Bildungssystem werden nicht konsequent umgesetzt

Jungen Menschen – ob arm oder reich, ob mit oder ohne Migrationshintergrund – Bildungschancen vorzuenthalten, ist nicht nur fahrlässig. Es ist dumm. Vielen Branchen droht in Zeiten des demografischen Wandels Fachkräftemangel.

Auch einige Verbesserungen – etwa bei den Pisa-Werten im Lesen – können nicht darüber hinwegtäuschen, dass Reparaturen am Bildungssystem nicht konsequent genug umgesetzt werden. Ein Beispiel ist die frühkindliche Bildung. Immer mehr Kinder besuchen Kita oder Kindergarten. Doch die Qualitätsoffensive bleibt aus. Wann endlich wird aus den deutschen Kitas ein Platz des spielerischen, aber auch wirklich weiter führenden Lernens?

Bildungschancen sind schon eine städtebauliche Aufgabe

Wo Schüler aus unterschiedlichen sozialen Verhältnissen zusammen lernen, schneiden am Ende auch die mit den schlechteren Startchancen besser ab. Doch an vielen Schulen gelingt diese Mischung nicht. Faire Bildungschancen sind eigentlich schon eine städtebauliche Aufgabe – da es in jedem Viertel für Menschen unterschiedlicher Einkommen Wohnraum geben müsste. Kurzfristig gilt: Brennpunktschulen müssen so viele Lehrer und eine so gute Ausstattung erhalten, dass sie ihre Aufgaben wirklich bewältigen können. Im besten Fall müssen sie attraktiv für alle werden.

Lesen Sie auch: Lehrer wollen „Kita-Pflicht“ für Kinder aus bildungsfernen Familien

Dort, wo sich Integrationsschwierigkeiten und soziale Probleme mischen, ist die Aufgabe für die Lehrer riesengroß. Den üblichen Personalschlüssel anwenden und wegschauen – das reicht nicht. Eines ist aber klar: Die Probleme liegen im System selbst. Sie können nicht von außen wegpoliert werden.

Von Tobias Peter/RND

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