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Deutschland / Welt Dann kommen die Kinder eben mit ihren Eltern ins Gefängnis
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13:40 21.06.2018
US-Präsident Donald Trump Quelle: AP
Washington

Es ist eine Schadensbegrenzung ohne ein Abrücken vom politischen Kern: US-Präsident Donald Trump hat verfügt, dass die von seiner Regierung selbst begonnene Trennung illegaler Einwanderer von ihren Kindern ein Ende haben soll. „Wir müssen die Familien zusammenhalten“, sagte Trump im Weißen Haus.

Kinder- oder Familienfreundlichkeit dürften allerdings nicht das Leitmotiv sein, werden mit Trumps am Mittwoch unterzeichneten Dekret Kinder doch nun gemeinsam mit ihren Eltern eingesperrt und nicht mehr getrennt von ihnen. Laut Dekret soll von einer Inhaftierung der Kinder nur abgesehen werden, wenn Haft schädlich für ihr Wohl sein könnte.

In den vergangenen Wochen hatten die US-Behörden an der Südgrenze zu Mexiko die Familien von illegal eingewanderten Menschen aus Süd- und Mittelamerika konsequent getrennt. Die Praxis der Trennung von Eltern und Kindern hatte in den USA und international zu einem Aufschrei geführt. Selbst die First Lady, Melania Trump, kritisierte ihren Mann für sein Vorgehen. Sie soll es gewesen sein, die den US-Präsidenten zur Kehrtwende bewegen konnte. Wie der US-Sender CNN am Mittwoch aus dem Weißen Hauses erfuhr, hatte sie US-Präsident Donald Trump in mehreren privaten Gesprächen dazu gedrängt, die gängige Praxis der Einwanderungsbehörden zu ändern.

In den USA wurden Kinder von Asylsuchenden von ihren Familien getrennt. Die Eltern kamen ins Gefängnis. Jetzt hat US-Präsident Trump die Trennung der Kinder von ihren Eltern per Dekret zurückgenommen. Jetzt sollen sie mit ihren Eltern zusammen ins Gefängnis kommen.

2300 Kinder werden nicht schnell zu ihren Eltern zurückkehren

„Diese Regierung achtet Familien und Kinder. Aber wir sind auch ein Land mit Gesetzen“, sagte ein Regierungsberater zu Reportern. Er antwortete ausweichend auf die Frage, was nun mit den Kindern geschehen soll, die bereits von ihren Eltern getrennt wurden. Der Berater sagte, das Dekret sei auf jeden Fall legal. Das gilt aber rechtlich als nicht vollständig gesichert, gleiches gilt für die Geltungsdauer des Dekrets.

Trump selbst hatte das vor seiner jähen Wende über Tage anders dargestellt. Er behauptete, er könne nichts gegen die Politik einer Trennung der Kinder tun, denn dies sei Aufgabe des Kongresses. Das lasse sich auch nicht per Dekret lösen.

Nach Informationen der „New York Times“ werden mindestens 2300 Kinder, die aktuell von ihren Eltern getrennt sind, nicht rasch zu ihren Eltern zurückkönnen, solange diese vom Staat festgesetzt sind.

Trump hatte sich tagelang geweigert, trotz steigenden Drucks auch aus seiner eigenen Partei von seiner Position abzurücken. Eine harte Hand bei der Einwanderung und das Image eines Präsidenten, der niemals zurückweicht, sind ihm und seinen Anhängern sehr wichtig.

Kinder auf Gummimatten in Maschendrahtkäfigen

Der US-Präsident gab sich überzeugt, dass jedem, der ein Herz habe, das Dekret gut gefallen müsse. Die Null-Toleranz-Politik solle aber weitergehen. Die vorübergehende Regelung, die nach Worten Trumps „das Problem erledigt“, solle von einem Gesetz ersetzt werden.

Die Aufnahmezentren für die Immigrantenkinder sind auf 17 Bundesstaaten verteilt. In einem ehemaligen Walmart-Supermarkt- Gebäude in Texas sollen sich allein 1500 Jungen befinden. Das Heimatschutzministerium hatte am Montag mitgeteilt, dass mindestens 2342 Kinder in den vergangenen Wochen von ihren Eltern getrennt wurden.

US-Medien zeigten Bilder von Aufnahmelagern, in denen Kinder auf Gummimatten in Maschendrahtkäfigen nächtigten. Ein Tonbandschnitt verriet, wie Kleinkinder bitterlich weinten und nach ihren Müttern schrien. Am Mittwoch war bekanntgeworden, dass eigene Lager für „Kinder im zarten Alter“ eingerichtet worden waren.

Trump hatte bisher die oppositionellen Demokraten dafür verantwortlich gemacht, dass es nicht zu einer gesetzlichen Regelung gekommen ist. Es gibt aber kein Gesetz, dass eine Trennung der Kinder von ihren Eltern vorschriebe.

Zehnjährige mit Down-Syndrom von Mutter getrennt

Auch die republikanische Mehrheitsfraktion konnte bisher keine klare Mehrheit für ein Gesetz zur Einwanderung herstellen. Am Donnerstag soll es einen neuen Anlauf geben. Er hat wenig Aussicht auf Erfolg.

Der mexikanische Außenminister Luis Videgaray schrieb auf Twitter, es sei unzweifelhaft eine gute Nachricht, dass die US-Regierung die grausame und unmenschliche Trennung der Migrantenkinder von ihren Eltern beendet habe. Von der Trennung sind rund 20 mexikanische Kinder betroffen. Darunter ist nach offiziellen Angaben auch eine Zehnjährige mit Down-Syndrom, die getrennt von ihrer Mutter untergebracht wurde.

Die guatemaltekische Regierung freue sich über die Entscheidung, erklärte sie in einer Mitteilung auf Twitter. Sie hoffe, dass Familien aus dem lateinamerikanischen Land möglichst schnell wieder zusammengeführt werden könnten, ohne dass die Kinder und Eltern einem bleibenden Einfluss der Trennung ausgesetzt sein. Nach Angaben von Außenministerin Sandra Jovel befinden sich 465 Kinder aus Guatemala in Herbergen in Texas und Arizona.

Von RND/dpa