Menü
Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine
Anmelden
Deutschland / Welt Cyber-Attacke auf Bundesregierung dauert offenbar an
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Cyber-Attacke auf Bundesregierung dauert offenbar an
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:59 01.03.2018
Ein Mitarbeiter sitzt im Nationalen Cyber-Abwehrzentrum an einem Computer. Der Angriff läuft offenbar noch. Quelle: dpa
Anzeige
Berlin

Es handele sich um einen noch laufenden Angriff, sagte der Vorsitzende des Gremiums, Armin Schuster (CDU), nach einer etwa zweistündigen Sondersitzung der Runde. „Deswegen wären öffentliche Diskussionen über Details schlicht eine Warnung an die Angreifer, die wir nicht geben wollen.“ Er betonte aber: „Der Geheimnisverrat an sich ist ein beträchtlicher Schaden.“ Die Bundesregierung versuche, den Vorgang unter Kontrolle zu halten.

Der stellvertretende Vorsitzende der Runde, Konstantin von Notz (Grüne), sagte, es möge gute Gründe geben, warum der Bund bestimmte Informationen über den Vorgang in den vergangenen „sehr eng gehalten“ habe. Es sei aber inakzeptabel, dass das Kontrollgremium erst über die Medien von alldem erfahre. Das sei ein „handfestes Problem“ und müsse ebenfalls aufgeklärt werden.

„Ich befürchte, das wird sich auswachsen in den nächsten Tagen“

André Hahn, der für die Linke in dem Kontrollgremium sitzt, beklagte, er habe den Eindruck, dass Regierung und Sicherheitsbehörden den Vorgang versuchten herunterzuspielen. „Ich befürchte, dass in den nächsten Wochen noch einiges ans Licht kommen wird“, sagte er. „Ich befürchte, das wird sich auswachsen in den nächsten Tagen.“

Zunächst hatte es geheißen, der Hackerangriff auf das Datennetzwerk des Bundes habe mindestens bis Mittwoch angedauert. Deutsche Sicherheitsbehörden hätten die Angreifer dabei jedoch beobachtet, um Informationen über Ziele und Herkunft der Attacke zu erfahren, hat die Deutsche Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen erfahren.

Bei der Attacke sei kein breiter Datenstrom abgeflossen, hieß es weiter. Die Ermittler gehen von einem klassischen Spionageangriff aus, bei dem die Cyberspione der russischen Gruppe „APT28“ recht gezielt versuchten, an Daten zu kommen. Hinter dem Kollektiv vermuten Computerfachleute auch russische Regierungsstellen.

Kontrollgremium kommt für Sondersitzung zusammen

Der CDU-Politiker Patrick Sensburg mahnte eine gründliche und sorgfältige Aufarbeitung des Hacker-Angriffs an. Ob hinter der Attacke tatsächlich das Hacker-Kollektiv „APT28“ stecke, müsse ermittelt werden, sagte das Mitglied des Parlamentarischen Gremiums zur Kontrolle der Geheimdienste (PKGr) im ZDF-Morgenmagazin. „Ob Daten abgeflossen sind, auch da muss man noch genau hinschauen.“ Sensburg pochte auf eine sorgsame Untersuchung des Falls - diese Zeit müsse man der Bundesregierung gönnen.

Um 12.30 Uhr kam das Gremium zu einer Sondersitzung zusammen. Sensburg sagte: „Dass so etwas stattgefunden hat, ein Hacker-Angriff, das waberte gerüchteweise, aber wir hatten offiziell keine Unterrichtung der Bundesregierung.“ Der Digitalausschuss des Bundestages kommt an diesem Nachmittag voraussichtlich ebenfalls zu einer Sondersitzung zusammen.

Attacke seit Dezember bekannt

Wie die Bundesregierung mitteilte, hätten die deutschen Sicherheitsbehörden den Angriff inzwischen unter Kontrolle. Das Innenministerium bestätigte, es seien die Informationstechnik und Netze des Bundes angegriffen worden. „Innerhalb der Bundesverwaltung wurde der Angriff isoliert und unter Kontrolle gebracht“, teilte das Ministerium mit.

Ausländische Hacker sollen Schadsoftware in das Bundesnetzwerk eingeschleust haben. Die Attacke sei von den Sicherheitsbehörden im Dezember erkannt worden. Der Angriff sei da schon über eine längere Zeit gelaufen, womöglich ein ganzes Jahr.

Der Hackerangriff könnte Teil eines noch weitaus größeren organisierten Spionageangriffs auf EU-Staaten sein. Das berichtete die „Welt“ unter Berufung auf den Sicherheitsexperten Benjamin Read von der US-Sicherheitsfirma FireEye. „Wir beobachten seit einigen Monaten, dass APT28 gezielt Außen- und Verteidigungsministerien in der Europäischen Union angreift und versucht, sich Zugang zu geschützten Systemen zu verschaffen“, erklärte Read.

Nach Angaben des Innenministeriums untersuchen derzeit das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik und die Nachrichtendienste den neuen Angriff. Die Verantwortlichen in den betroffenen Behörden seien informiert sowie Maßnahmen zur Aufklärung und zum Schutz getroffen worden. „An dem Vorfall wird mit hoher Priorität und erheblichen Ressourcen gearbeitet“, versicherte Ministeriumssprecher Johannes Dimroth.

Von RND/dpa

Auf Annegret Kramp-Karrenbauer folgt Tobias Hans: Der saarländische Landtag hat den CDU-Politiker zum neuen Ministerpräsidenten gewählt. Der 40-Jährige wird somit der jüngste Landeschef in Deutschland.

01.03.2018

„Der Anschlag hätte verhindert können, und er hätte verhindert werden müssen“, sagt Grünen-Fraktionsvize Konstantin von Notz. Ab Donnerstag beschäftigt sich ein Untersuchungsausschuss im Bundestags mit Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt. Dann soll geklärt werden, wie es im Vorfeld zu zahlreichen Behördenfehlern kommen konnte.

01.03.2018

Nach gut einem halben Jahr hat Hope Hicks ihr Amt als Kommunikationschefin des Weißen Hauses niedergelegt. Die 29-Jährige zählte zum engsten Vertrautenkreis des Präsidenten. Einen Tag zuvor hatte Hicks vor dem Geheimdienstausschuss zur Russland-Affäre ausgesagt. Ihre Kündigung soll damit allerdings nicht in Zusammenhang stehen.

01.03.2018
Anzeige