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Deutschland / Welt Anne Will: Europa im Eimer
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Anne Will: Europa im Eimer
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08:57 22.10.2018
Ein Gast bei Anne Will zum Thema Brexit: Der frühere Außenminister Sigmar Gabriel (SPD). Quelle: Screenshot ARD Mediathek
Berlin

Eines vorweg: Diese Frage war nicht zu beantworten. „Der Brexit-Countdown – was bleibt von Europa?“ lautete sie. Und Anne Will hatte durchaus kompetente Gäste: Ex-Außenminister Sigmar Gabriel (SPD), Sir Sebastian Wood, britischer Botschafter in Deutschland, ARD-Korrespondentin Annette Dittert und Welt-EU-Reporter Dirk Schümer. Die Runde – drei Journalisten, ein Diplomat und ein Politiker – stand unter dem Eindruck der Anti-Brexit-Demonstration mit hunderttausenden Teilnehmern in London vom Sonnabend.

Der Abgemeldete

Botschafter Wood hat es nicht einfach, denn er ist natürlich Gesandter der britischen Premierministerin Theresa May. Er glaubt, die Briten seien ein Fifty-fifty-Volk. Brexit-Befürworter und -Gegner würden sich die Waage halten. Dann quälte er die Runde ein wenig mit dem Für und Wider von Waren-, Dienstleistungs- und Personenfreizügigkeit. Jetzt sei die Zeit der Kompromisse, kann er noch sagen. Dann sagt die Runde schon Goodbye zu Sir Sebastian, denn die Briten spielen schnell keine Rolle mehr in dem Gespräch.

Der Emotionale

„Welt“-Journalist Dirk Schümer spricht endlich mal aus, was viele denken. „Ich mag mir ein Europa ohne England nicht vorstellen. Die EU hätte kämpfen müssen um die Briten. Stattdessen sagte sie: Dann geht doch.“ Er bleibt hartnäckiger am Thema als die Moderatorin. Schümer hält den Brexit nur für einen Baustein der europäischen Krise. Europa sei politisch instabil, gerade wenn man nach Osten schaue, und der Euro wackele.

Starke Sätze: „Europa ist nur noch eine Utopie, die sich für Länder lohnt, die nichts mehr zu verlieren haben, wie etwa Kosovo. Jetzt melden sich überall die Verlierer des europäischen Spiels zu Wort und wählen Nationalisten. Die früheren Landärzte in Rumänien praktizieren heute in Großbritannien oder in Deutschland. Dieses Ergebnis der europäischen Freizügigkeit interessiert uns jedoch einen Dreck. Die Armen haben nichts von der EU. Die sind nicht mehr im Boot.“ Und: „Wenn die EU die Italiener zwingt, Deutsche zu werden, ist die EU im Eimer. Dann wird es finster auf dem Kontinent.“

Die Besorgte

ARD-Korrespondentin war sie in Großbritannien und in Polen. Was Annette Dittert dort heute erlebt, besorgt sie. Die britische Regierung ignoriere den Wunsch vieler auf der Insel nach einem Brexit-Exit, und in Polen versuche eine Regierung dem Volk seine Europafreundlichkeit auszutreiben. Das, so Dittert, sei tiefgreifender als der Brexit. Die Reporterin warnt davor, dass die Demokratie in Polen von der Regierung ausgehöhlt werde und das Land auf dem Weg in eine Diktatur sei. Sie beobachtet, dass die EU klare Linien ziehe, sich jedoch damit schwer tue, die eigenen Maßstäbe einzuhalten. „Europa ist eine Wertegemeinschaft und unteilbar.“ Dabei müsse es bleiben. Aber wie? Das kann auch sie nicht beantworten.

Der Abgeklärte

Da Sigmar Gabriel fast schon alles war in seinem politischen Leben, hat er auch auf fast alles eine Antwort. Die ersten Publikumspunkte gibt es für den Rundumschlag gegen „machtvergessene und machtversessene Politiker“ in London, die Europa den Nationalisten des Kontinents auf dem Silbertablett serviert hätten. Dann spricht Gabriel, wie er es gern tut, große Worte gelassen aus. Ja, bestätigt er Schümer, der Brexit sei Ausdruck der europäischen Krise.

„Wenn die Leute den Eindruck gewinnen, sie würden immer gegeneinander in Stellung gebracht, dann sinkt die Zustimmung. Europa wird scheitern, wenn wir die grundlegenden Probleme nicht lösen – die Ungerechtigkeit, dass es einigen besser geht und andere nicht vorankommen.“ Gabriel erinnert daran, dass die EU ein Schatz sei, den „Eltern und Großeltern aufgebaut haben“. Zu den nationalistischen Bestrebungen in Italien oder Osteuropa sagt Gabriel: „Unsere Freiheit wird garantiert durch nationale Verfassungen.“

Der Vermisste

In der Runde diskutierte kein Europa-Skeptiker mit. Schade, dass hätte den Talk wahrscheinlich munterer gemacht.

Fazit der Anne Will Brexit-Debatte

Leidenschaftliche Europäer konnten am Ende der Sendung „Jawoll“ sagen, auch wenn sie nichts Neues gehört haben. Bei Skeptikern dürfte die Endzeitstimmung des Quintetts die Skepsis verstärkt haben. Der Rest versendet sich.

Von Thoralf Cleven / RND

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