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Deutschland / Welt Die Radikalisierung der Jungen Alternative
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15:01 21.11.2018
Mit wehenden Fahnen: Steht die AfD-Parteijugend „Junge Alternative für Deutschland“ vor ihrem Aus? Quelle: dpa
Berlin

Die Welt war eine andere, als junge Konservative aus ganz Deutschland im Juni 2013 in Darmstadt eine Jugendorganisation gründeten, die zum offiziellen Nachwuchs der neuesten Erfolgsgeschichte des Parteiensystems werden sollte: der AfD. Die galt seinerzeit als „Professorenpartei“, ihr starker Mann war der Hamburger Wirtschaftsprofessor Bernd Lucke und Angela Merkel stand, wie wir heute wissen, kurz vor ihrem größten Bundestagswahlsieg aller Zeiten. Seitdem schaffte es die „Junge Alternative für Deutschland“, wie sich die Jungpolitiker tauften, zwar wie geplant zur AfD-Jugendorganisation (wenn auch erst Ende 2015). Doch zugleich wurde ihre „JA“ zum Katalysator der Radikalisierung der AfD, verschliss fünf Vorsitzende in fünf Jahren, von denen drei sie ganz verließen – und steht nun überraschend vor dem Aus.

Denn zwar ließen die AfD-Bundeschefs, die auf Lucke folgten, die Parteijugend bei ihren Kooperationen mit rechtsradikalen Organisationen und ihrer verbalen Zuspitzung jahrelang gewähren. Nun aber wird das Risiko, dass nach diversen Landesverbänden auch die Bundes-JA systematisch vom Verfassungsschutz beobachtet wird, zum Problem der AfD: Die will verhindern, dass auch ihr dieser Makel anhaftet und ihr Personal und ihre Strukturen mit geheimdienstlichen Mitteln ausgeleuchtet werden: Wie AfD-Bundesvize Georg Pazderski sowie führende JA-Funktionäre dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) bestätigten, erwägt die AfD deshalb, nach einer Spaltung der JA die bisherige Organisation fallen zu lassen und stattdessen eine Neugründung als Nachwuchsorganisation anzuerkennen.

Der Schwenk ist auch beachtlich, weil sich die heutigen Kräfte im AfD-Vorstand bislang mit den Rechtsauslegern stets verbündet hatten. So hatte die JA schon 2014 auf einer eigenen Veranstaltung den Chef der britischen Anti-Europa-Partei UKIP, Nigel Farage, bejubelt, als der damalige AfD-Vorsitzende Lucke sich von solchen Kräften noch distanzierte. Gauland hatte kein Problem damit. Bereits vor dem wegweisenden Essener AfD-Parteitag im Juli 2015, als Lucke gestützt wurde, verließen gemäßigte Mitglieder die JA und gründeten die „Jungen Reformer“, die später die Jugendorganisation von Luckes Abspaltungspartei wurden.

„Brückenkopf der AfD in neurechte Bewegungen“

Dass die Nachwuchsorganisationen die Positionen der „Mutterparteien“ zuspitzen, ist üblich. Bei der JA führte das aber dazu, dass sie ihre Mitglieder in Burschenschaften, unter Neurechten und der „Identitären Bewegung“ rekrutierte – selbst wenn einige Landesämter für Verfassungsschutz diese Gruppen beobachteten.

So wurde die „JA“ schnell zum „Brückenkopf“ der AfD in die neurechten Bewegungen, wie Sozialwissenschaftler Alexander Häusler schon 2015 feststellte. Spätestens seit diesem Jahr war die Vernetzung mit dem äußerst rechten Rand so groß, dass die Bremen, Niedersachsen und Baden-Württemberg bekanntgaben, die JA-Landesverbände formal vom Verfassungsschutz beobachten zu lassen. Grund seien „ideologische und personelle Überschneidungen“ zu den bereits beobachteten Identitären sowie rassistische Auftritte und Beiträge in den sozialen Medien und eine „repressive, autoritäre und antipluralistische Zielsetzung, die sich gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung“ richte.

Der AfD-Vorstand berät am Montag

Das räumen nun sogar die AfD und Teile der JA ein – und lösten gerade den Landesverband Niedersachsen auf. Auch die Ost-Verbände seien wohl kaum zu retten, heißt es, sodass sogar der radikale Schritt einer Trennung von der Bundes-JA im Raum steht. Endgültig will der AfD-Bundesvorstand erst am kommenden Montag darüber beraten – und bis dahin schweigen. So bleibt vorerst offen, was die Parteichefs Jörg Meuthen und Alexander Gauland davon halten.

Immerhin: Der Satz, dass die Nazis „nur ein Vogelschiss in über 1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte“ waren, stammt zwar aus einer Rede auf dem Bundeskongress der Junge Alternative in Thüringen. Gehalten hatte die aber Gauland höchstpersönlich.

Von Steven Geyer/RND

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