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Panorama Walfänger schlachten ersten Blauwal seit 40 Jahren
Nachrichten Panorama Walfänger schlachten ersten Blauwal seit 40 Jahren
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14:31 14.07.2018
Isländische Walfänger haben offenbar zum ersten Mal seit 40 Jahren einen Blauwal getötet. Quelle: www.seashepherd.org.uk
Osnabrück

Isländische Walfänger haben offenbar zum ersten Mal seit 40 Jahren einen streng geschützten Blauwal getötet und geschlachtet. Das berichtet die Anti-Walfang-Organisation „Sea Shepherd“ und zeigt Fotos des getöteten Tieres. Die Walfänger weisen die Anschuldigungen zurück. Bei dem Tier handele es sich um eine Kreuzung aus einem Blau- und einem Finnwal – in diesem Fall wäre die Tötung nach isländischem Recht wohl nicht strafbar.

Blauwale seit 1986 auf der Verbotsliste der Internationalen Walfangkommission

„Sea Shepherd“ veröffentlichte in dieser Woche Fotos, die die Schlachtung des vermeintlichen Blauwals auf dem Gelände des Walfangunternehmens „Hvalur hf“ auf Island zeigen. Darauf sind Mitarbeiter zu sehen, die neben dem Kopf des getöteten Wals posieren, ein anderes zeigt Einzelteile des zerlegten Wals.

Es bestehe laut „Sea Shepherd“ kein Zweifel, dass es sich um einen Blauwal handele. „Island hat Norwegen und Japan endgültig als zerstörerischste, illegale Walfangnation des Planeten abgelöst“, schreibt „Sea Shepherd“. Kein anderes Land schlachte Finnwale und kein anderes Land habe in den letzten 50 Jahren Blauwale getötet. Seit 1986 steht der Blauwal auf der weltweit gültigen Verbotsliste der Internationalen Walfangkommission.

„Wenn es sich um einen Blauwal handeln sollte, wäre der Fang illegal. Das könnte Strafen nach sich ziehen und das Unternehmen die Lizenz zum Walfang verlieren“, sagte Arne Feuerhahn von der Initiative „Hard to Port“ der BBC.

Islands Fischerei- und Landwirtschaftsminister Kristján Thor Juliusson betonte, man nehme die Vorwürfe sehr ernst und ginge ihnen nach. Ein DNA-Test solle endgültige Klarheit bringen, ob es sich um einen Blauwal handele.

Walfangunternehmen: Kreuzung aus Blau- und Finnwal

Das betroffene Walfangunternehmen „Hvalur hf“ beruft sich darauf, dass es sich bei dem Wal um eine Kreuzung aus einem Blau- und einem Finnwal handele. „Ich bin absolut sicher, dass es eine Kreuzung ist“, sagte der Leiter des Walfangunternehmens Kristján Loftsson laut BBC. Beim Fang von Kreuzungen handele es sich um einen rechtlichen Graubereich, berichtet die BBC.

Kritik vom WWF am Walfang

Scharfe Kritik kommt vom World Wildlife Fund (WWF): „Sollte es tatsächlich ein Blauwal sein, wäre der Fang sogar in Island illegal“, sagte Roland Gramling, Sprecher Artenschutz beim WWF Deutschland, der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. International dürften Blauwale ohnehin nicht gehandelt werden, so Gramling weiter, auch für Finnwale gelte ein internationales Handelsverbot.

Grundsätzlich sei die Walfangpraxis von Island und Japan barbarisch und überflüssig. „Island fängt unter Artenschutz stehende, bedrohte Wale und verkauft das Fleisch an Japan, weil der dortige Markt angeblich danach verlangt“, sagte Gramling. „Tatsächlich vergammeln in Japan Berge von Walfleisch, weil die Nachfrage immer weiter sinkt.“

Von Sebastian Heintz/RND