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Panorama Stadtgrün ist die Hoffnung
Nachrichten Panorama Stadtgrün ist die Hoffnung
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10:00 13.01.2019
Mehr als nur Fassade: Der vertikale Wald des Architekten Stefano Boeri. Quelle: Imago
Hannover

Bei der Expo 2000 in Hannover war er ein Besuchermagnet: Der Pavillon der Niederlande bestach durch einen echten Wald und ein echtes Blumenfeld, welche auf den Plattformen des Hochhauses für gutes Klima sorgten. Bewässert wurden die Pflanzen mithilfe eines Beckens, das Regenwasser aufsammelte. Der 40 Meter hohe Bau stand als Beispiel für die Verbindung von Ökologie und Ökonomie.

Gut 20 Jahre später lässt der Klimawandel ähnliche Ideen sprießen: Begrünte Dächer, hängende Gärten, vertikale Wälder und ausgeklügelte Bewässerungssysteme sollen die Auswirkungen der Wetterextreme verringern. Stadtplaner, Architekten und Wissenschaftler weltweit haben Stadtgrün als die perfekte Waffe gegen schlechte Luft ausgemacht. Allerdings ist die Umsetzung nicht immer einfach.

Stadtbewohner sind besonders gefährdet

Fest steht: Immer heißere Sommer setzen Ballungsräumen zu. Den „Hitzesommer 2018“ haben vor allem die Städte zu spüren bekommen, in denen es viel Verkehr und Luftverschmutzung, aber kaum Grün gibt. Ein Forscherkonsortium erklärte kürzlich, dass zunehmende Hitzestaus die Gesundheit von immer mehr Menschen bedrohten.

Stadtbewohner seien besonders gefährdet, schreiben die Autoren im Fachmagazin „The Lancet“. Dazu kommt: Weltweit leben immer mehr Menschen in Städten. In Europa werden dies nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bis zum Jahr 2020 drei Viertel der Menschen sein.

Der Holländische Pavillon auf der Expo 2000 in Hannover stand für die Verbindung von Ökonomie und Ökologie. Quelle: EXPO Journal

Natürlich könnten Grünflächen allein den Klimawandel nicht aufhalten, sagt Matthias Braubach von der WHO. „Mit Grün in der Stadt kann man da zwar etwas kompensieren, aber da ist ein Umschwenken in ganz anderen Bereichen notwendig.“ Verkehr und Energiegewinnung zum Beispiel.

Doch mehr Grün und mehr Wasserstellen können die Auswirkungen des Klimawandels lindern. „Sie sind Puffer für extreme Hitzebelastungen“, so Braubach. Pflanzen spenden Schatten und erhitzen weniger als versiegelte und asphaltierte Flächen. Zwei bis drei Grad Unterschied können zwischen Grün und bebauter Fläche gemessen werden.

Allersorts experimentieren Architekten, Stadtplaner und Start-ups mit grünen Fassaden, Dachgärten und urbanen Gemüsebeeten. Eine besondere Vision hat der italienische Architekt Stefano Boeri: Er lässt Bäume mitsamt der Häuser in den Himmel wachsen. In Mailand steht sein „Bosco Verticale“, ein vertikaler Wald. Boeri hat die beiden Hochhaustürme im Bankenviertel der Stadt mit 800 Bäumen und 15 000 anderen Pflanzen verkleidet.

Pflanzen als natürliche Klimaanlage und Schallschutz

„Die Wälder in die Stadt zu bringen ist sehr effektiv. Denn das ist, wie den Feind auf dem eigenen Feld zu bekämpfen“, sagt er. Schließlich würde das meiste schädliche CO2 in Städten produziert – und dort könnte es durch mehr Grün wieder abgebaut werden. So soll ein günstiges Mikroklima geschaffen, Staub und CO2 aus der Luft gefiltert und die Luft durch Verdunstung von Wasser befeuchtet werden. Gleichzeitig fungieren die Pflanzen als Klimaanlagen für die Wohnungen und schaffen natürlichen Schallschutz.

Mehrere von Boeris senkrechten Wäldern entstehen derzeit auf der ganzen Welt, etwa in China oder Holland. Doch die Mühen für einen vertikalen Wald sind enorm. Ein Kran muss die Bäume auf die Balkone hieven. Botaniker berechnen monatelang, welche Wurzeln wie wachsen, die Pflege ist aufwendig.

Mit fortschreitendem Klimawandel steigen nicht nur die Temperaturen, auch Niederschläge werden heftiger. Um größeren Wassermassen trotzen zu können, verbreiten sich weltweit Ideen unter dem Begriff „Schwammstadt“ – also Städte, die Wassermassen wie ein Schwamm aufnehmen und verzögert wieder abgeben. Und auch dabei hilft viel Grün.

Der senkrechte Wald (Bosco verticale) in Mailand: Noch nur ein Konzept für Menschen, die es sich leisten können. Quelle: Mairo Cinquetti/Imago

Ein Beispiel für eine solche Idee einer Schwammstadt ist die Hamburger Gründachstrategie: Dort sollen möglichst viele bewachsene Dächer dafür sorgen, dass Regenwasser langsamer abfließt. In Berlin, im abflusslosen Siedlungsgebiet Adlershof in Treptow-Köpenick, wird Regenwasser dezentral von Grundstücken, Plätzen und Straßen in Rasenmulden gesammelt und versickert. Das Wasser wird anschließend durch die Bodenpassagen gereinigt und reichert das Grundwasser an.

An den Pflanzaktionen orientiert sich auch die Idee des Wiener Start-ups Greenpass. Es hat eine Software entwickelt, mit der sich die positiven Auswirkungen von begrünten Flächen in der Stadt berechnen lassen. An einem ähnlichen Planungstool arbeitet der Deutsche Wetterdienst – damit soll schon frühzeitig berechnet werden können, wie sich Häuser oder auch einzelne Bäume auf Luftströmungen und lokale Temperaturen auswirken.

„Einen Stadtwald kann man nicht so einfach hinpflanzen“

Viele dieser Ideen haben weitere positive Effekte. Dazu zählen ein gesünderes Stadtklima, mehr Artenvielfalt und eine insgesamt höhere Lebensqualität. Dennoch hapert es oft an der Umsetzung. „Einen Stadtwald kann man nicht so einfach hinpflanzen. Das dauert Jahrzehnte. Die Flächen müssen sich entwickeln, bis sie ihren vollen Wert für die Stadt entfalten“, sagt WHO-Experte Braubach.

Außerdem müssen Parks kontrolliert und gepflegt werden. Zudem fördere Grün in der Stadt die Gentrifizierung. Die Mieten steigen, wo es besonders viel Grün gibt. Das Grün wird oft zum Privileg der Reichen. Deshalb sollten Kommunen viele kleine Grünflächen in der ganzen Stadt verteilt anbauen, die für alle zugänglich sind, sagt Bungard.

Auch für Sozialbauten sind grüne Fassaden möglich

Wer in Mailand im senkrechten Wald wohnt, kann es sich jedenfalls leisten. Hier residieren Fußballer der Mailänder Klubs, Modeleute und Rapper. Bewässerung und Pflege werden zentral erledigt. Etwa 1500 Euro Nebenkosten pro Monat fielen pro Wohnung an, haben Mailänder Medien errechnet.

Architekt Boeri ist anderer Meinung. Auch für Sozialbauten seien grüne Fassaden möglich – wohl aber nur mit entsprechender Förderung. In Eindhoven in Holland entsteht unter seiner Federführung der erste senkrechte Wald für einkommensschwache Menschen. Pro Wohnung sind dort ein Baum und 40 Sträucher geplant.

Von Sonja Fröhlich

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