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Panorama Vater setzt Tochter auf Insel aus – Kinderschutzbund warnt
Nachrichten Panorama Vater setzt Tochter auf Insel aus – Kinderschutzbund warnt
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19:40 07.01.2019
Auf Rügen hat ein Vater seine neunjährige Tochter ausgesetzt. Quelle: imago/Deutzmann
Stralsund/Altefähr

Der Fall eines Stralsunder Vaters, der seine neunjährige Tochter nachts auf Rügen ausgesetzt hatte, sorgt für Empörung. Der Vorsitzende des Kinderschutzbundes MV, Carsten Spies, zeigt sich entsetzt: „Das geht natürlich überhaupt nicht, das ist ganz offensichtlich Kindeswohlgefährdung. Da gibt es gar nichts zu entschuldigen.“ Zum Glück habe das Kind Hilfe gesucht und gefunden. „Das hätte auch anders ausgehen können“, glaubt Spies.

Das Mädchen soll sich nach Angaben der Eltern am Sonntagabend hartnäckig geweigert haben, einzuschlafen. Der 33-jährige Vater war daraufhin mit seiner Tochter mit dem Auto Richtung Altefähr gefahren und hatte sie außerhalb des Ortes zurückgelassen. Das Kind konnte selbstständig bei Anwohnern Hilfe holen und wurde anschließend wohlbehalten von der Polizei an die Mutter übergeben.

Vater wollte seiner Tochter einen Schreck einjagen

Laut Polizei hatte der Mann angegeben, dass er seiner Tochter mit der zweifelhaften Aktion zeigen wollte, wie gut sie es doch zu Hause habe. Nachdem er sie ausgesetzt habe, sei er mit dem Auto nur so weit weggefahren, dass sie ihn nicht mehr sehen konnte. Demnach wollte er der Kleinen wohl nur einen Schreck einjagen. Doch das ging nach hinten los: Als der 33-Jährige zu der Stelle zurückkehrte, war das Kind nicht mehr da. Es war nach Altefähr gelaufen und hatte dort an einer Haustür geklingelt. Die Bewohner riefen dann die Polizei.

Die ermittelt nun gegen den Vater wegen des Verdachts der Aussetzung. In schweren Fällen drohen hier laut Gesetz bis zu fünf Jahre Gefängnis. Für den Vater spricht allerdings laut Polizei, dass das Kind warm angezogen gewesen sei und er sich nicht weit entfernt habe. Er habe beteuert, wie sehr er sein Verhalten bereue, sagte eine Sprecherin. Zudem sei die Familie bisher polizeilich nicht in Erscheinung getreten. Auch beim Jugendamt des Kreises Vorpommern-Rügen ist die Familie noch nicht aufgefallen, sagte Kreissprecher Olfa Manzke. Die Eltern hätten sich kooperativ gezeigt. „Wir gehen nicht davon aus, dass das Kind zu Hause gefährdet ist“, so Manzke.

Kinderschutzbund warnt Eltern

Der Fall sei außergewöhnlich, psychische Gewalt gegen Kinder komme jedoch häufiger vor, erklärt Spies. „Kinder fordern Eltern manchmal ganz schön heraus. Häufig sind diese dann überfordert und können in Stresssituationen überreagieren.“ Solche Methoden seien aber in der Erziehung nicht zulässig. Unter psychische Gewalt fallen laut Spies auch Liebesentzug und das Ignorieren von Kindern oder auch das Bloßstellen und Entwürdigen, etwa durch das Setzen auf die „stille Treppe“. er empfiehlt, auch zu hinterfragen, warum ein Kind so reagiert: „Vielleicht hat es ja seinen Grund, warum es nicht ins Bett gehen will. Es zum schlafen zu zwingen, wird jedenfalls nicht funktionieren.“

Stattdessen sollten sich Eltern Hilfe suchen, rät Spies. Der Kinderschutzbund biete etwa Elternkurse unter dem Motto „Starke Eltern, starke Kinder“ an. Der Rostocker Sozial- und Jugendsenator Steffen Bockhahn (Linke) meint: „Eltern können sich an Elternberatungsstellen, Schulsozialarbeiter oder ans Jugendamt wenden und um sozialpädagogische Hilfe bitten.“ Der erste und oft schwere Schritt sei jedoch, sich die eigene Überforderung überhaupt einzugestehen. Auch in Stralsund gibt es laut Kreissprecher Manzke zahlreiche Hilfsangebote für Eltern, die nicht mehr weiter wissen.

Von RND/Alex Büssem

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