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Panorama Unterstützer sehen Cosby als Opfer von Rassismus
Nachrichten Panorama Unterstützer sehen Cosby als Opfer von Rassismus
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15:06 26.09.2018
US-Entertainer Bill Cosby ist seit gestern in Haft. Quelle: Matt Slocum/AP/dpa
Norristown

Für Richter Steven O'Neill ist Bill Cosby ein Sexualstraftäter. Für Cosbys Sprecher Andrew Wyatt dagegen ist der Schauspieler das Opfer eines rassistischen Justizsystems in den USA. Nach der ersten Verurteilung eines Prominenten im #MeToo-Zeitalter verbrachte Cosby die Nacht auf Mittwoch als erste seiner mindestens dreijährigen Haftstrafe im Gefängnis.

Vergewaltigung, Totschlag, Raubüberfall: Bill Cosby ist nicht der erste Prominente, der hinter Gitter muss.

O'Neill verurteilte den 81-Jährigen am Dienstag zu drei bis zehn Jahren Gefängnis, weil er es als erwiesen ansah, dass der einstige Sitcom-Star 2004 die Klägerin Andrea Constand unter Drogen gesetzt und sexuell missbraucht hat. Cosby bereitete sich im Anschluss auf seine Gefängnisstrafe vor. Der rechtlich als blind eingestufte Mann legte seine Uhr, seine Krawatte und sein Jackett ab. Mit einem weißen Shirt und roten Hosenträgern bekleidet, die Hände vor sich in Handschellen, war er später zu sehen, wie ihn Polizisten aus einer Haftanstalt führten.

Cosbys Sprecher: „rassistischster und sexistischster Prozess“ der USA

Die Anwälte von Cosby kündigten Berufung an. Wyatt bezeichnete das Verfahren als den „rassistischsten und sexistischsten Prozess in der Geschichte der Vereinigten Staaten“. Cosby sei „mehr als 50 Jahre lang einer der großartigsten Anführer der Bürgerrechtsbewegung in den Vereinigten Staaten“ gewesen. Die drei Psychologinnen, die gegen den einstigen Entertainer ausgesagt hätten, beschrieb er als „weiße Frauen, die ihr Geld damit machen, schwarze Männer zu beschuldigen, Sexualstraftäter zu sein“.

Die „New York Times“ berichtet, Cosbys Ehefrau Camille habe der Staatsanwaltschaft zudem unlautere Beweisführung vorgeworfen. Unter anderem sei eine Audio-Aufnahme aus dem Jahr 2005, die ein Gespräch zwischen Cosby und Gianna Constand, der Mutter des mutmaßlichen Opfers, enthält, zu Ungunsten Cosbys manipuliert worden, so der Vorwurf. In ihrem Statement warf Camille Cosby dem Staatsanwalt von Montgomery County, Kevin R. Steele, vor, die „unglaubwürdige“ Aufnahme in beiden Prozessen verwendet zu haben, um die Geschworenen von Cosbys Schuld zu überzeugen.

Der Richter, der Staatsanwalt und die Geschworenen sahen das anders. „Niemand steht über dem Gesetz, und niemand sollte anders oder unverhältnismäßig behandelt werden – unabhängig davon wer er ist oder war“, sagte O'Neill. Der Richter bezeichnete Cosby als sexuell gewalttätigen Straftäter, eine Einordnung, die dazu führt, dass er für den Rest seines Lebens jeden Monat eine Psychotherapie besuchen muss und Nachbarn und Schulen über seinen Aufenthaltsort informiert werden.

Der Verurteilte bestreitet alle Vorwürfe

Mehr als 60 Frauen haben Cosby sexueller Vergehen beschuldigt, die er stets bestritten hat. Lili Bernard, eine dieser Frauen, war ebenfalls im Gerichtssaal und verwies darauf, dass Cosby erst Jahre nach seinen mutmaßlichen Vergehen bestraft wurde: „Es sind sein Ruhm und Reichtum und seine aufgesetzte Wohltätigkeit, die es ihm ermöglichten, ungestraft davonzukommen“, sagte sie.

Cosby, dessen Vermögen sich Schätzungen zufolge einst auf mehr als 400 Millionen Dollar (340 Millionen Euro) belief, überwand in den 1960er Jahren Barrieren, als er als erster schwarzer Schauspieler Star einer Kabelfernsehshow, „I Spy“, wurde. In Deutschland wurde die Sendung unter dem Titel „Tennisschläger und Kanonen“ ausgestrahlt. Zum Superstar wurde er als der weise und verständnisvolle Arzt Cliff Huxtable in der „Bill Cosby Show“, einer Sitcom, die der Öffentlichkeit eine neue Art der schwarzen Fernsehfamilie zeigte: ein warmherziger und liebevoller Haushalt, der von zwei Berufstätigen geleitet wird, einem Arzt und einer Anwältin. Er trat auch in anderen Fernsehserien auf und erhielt zahlreiche Auszeichnungen.

Ehrendoktorwürden wurden einkassiert

Als die Vorwürfe gegen Cosby zunahmen, kollabierte seine Karriere weitgehend. Wiederholungen der „Bill Cosby Show“ wurden aus dem Programm genommen, Hochschulen kassierten nach und nach die Ehrendoktorwürden, die sie ihm verliehen hatten.

Von RND/AP/dk