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Panorama Ursula Gräfe: „Übersetzer werden mehr gewürdigt als früher“
Nachrichten Panorama Ursula Gräfe: „Übersetzer werden mehr gewürdigt als früher“
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12:54 30.09.2018
Ursula Gräfe übersetzt die Werke des japanischen Autors Haruki Murakami. Quelle: r
Hannover/Frankfurt

Ursula Gräfe arbeitet bereits seit 1988 hauptberuflich als Übersetzerin literarischer Werke, vor allem aus dem Japanischen. Die 62-Jährige studierte Japanologie, Anglistik und Amerikanistik in Frankfurt, wo sie auch heute noch lebt. Seit 2001 übersetzt sie die Werke des japanischen Bestsellerautors Haruki Murakami, der zuletzt „Die Ermordung des Commendatore“ veröffentlichte. Gräfe hält außerdem in Deutschland Lesungen aus Murakamis Werken. Sie übersetzte unter anderem auch den Nobelpreisträger Kenzaburō Ōe sowie Yōko Ogawa und Hiromi Kawakami.

Die Werke des japanischen Schriftstellers Haruki Murakami werden von Ursula Gräfe ins Deutsche übersetzt. Quelle: dpa

Diese Sprache besteht aus Zeichen, die mehr bedeuten als einzelne Buchstaben. Macht das das Übersetzen schwerer?

Auf jeden Fall. Es erfordert viel mehr Einfühlung in den Text, als es bei einem englischen Buch der Fall wäre.

Können Sie bei einer Übersetzung aus dem Japanischen also mehr Ihren eigenen Stil einbringen als bei einer aus dem Englischen?

Eigentlich möchte ich das gar nicht so gerne zugeben, obwohl es wahrscheinlich so ist. Natürlich versuche ich, den Stil des Autors wiederzugeben. Den kann ich ja benennen: Zum Beispiel schreibt jemand sehr flüssig oder poetisch, und diese Konstanten herüberzuholen in den deutschen Text ist das Wichtige.

Sie übersetzen seit 2001 die Bücher von Haruki Murakami: Er weiß selbst um die Kunst des Übersetzens – er hat viel aus dem Amerikanischen ins Japanische übersetzt.

Er macht das immer noch, es erscheint in Japan fast jedes Jahr eine Übersetzung von ihm. Er sagt auch, das seien ganz wichtige Fingerübungen für das Schreiben seiner eigenen Werke. Als ich angefangen habe, ihn zu übersetzen, war mir das gar nicht klar, dass er so ein fleißiger Übersetzer ist. Aber natürlich ist es schön, einen Autor zu übersetzen, der viel Verständnis für die Probleme und den Schaffensprozess beim Übersetzen hat.

Ärgern Sie sich manchmal über bestimmte Wendungen oder den Ausgang einer Geschichte?

Von Ärgern kann ich vor allem bei Murakami überhaupt nicht sprechen. Beim letzten Roman dachte ich – das denke ich aber bei vielen japanischen Autoren –, man könnte gewisse Sachen ein bisschen knapper fassen. Das ist besonders bei älteren Autoren eine verbreitete Sache, dass sie sich auf eine sehr entschleunigte Art und Weise bestimmten Dingen nähern.

Sie haben Murakami auch schon persönlich getroffen. Wie war das?

Sehr aufregend. Inzwischen habe ich ihn mehrmals getroffen, immer bei feierlichen Anlässen, sodass man natürlich miteinander spricht, aber nicht sehr intensiv. Das war aber immer schön. Er ist ein sehr freundlicher Mann, der es auch nicht so ganz schätzt, im Mittelpunkt zu stehen, und der seinem Gegenüber ein Gefühl der Ruhe und Unaufgeregtheit vermittelt.

Haben Sie mit den anderen Autoren, die Sie übersetzen, auch Kontakt?

Nicht immer. Es kommt vor, dass ich einfach das Buch bekomme und übersetze, ohne Kontakt zu den Schriftstellern zu haben. Sehr viele Autoren – zum Beispiel Murakami – haben ja 50 Übersetzer weltweit. Da liegt es in der Natur der Sache, dass man sich nicht immer kennenlernt.

Es gab bei Murakami ja anfangs Konflikte bei den Übersetzungen, weil erst ins Englische und dann vom Englischen ins Deutsche übersetzt wurde. Wie kommentieren Sie das?

Ich sehe da tatsächlich ein großes Problem, da aus solchen Stille-Post-Übersetzungen Hybride entstehen. In dem einen Buch von Murakami, das erst aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt wurde, gibt es amerikanische Colleges, deutsche Reihenhäuser und eine japanische Steinlaterne, man merkt die Unstimmigkeiten.

Finden Sie, Übersetzer sollten mehr wertgeschätzt werden? Schließlich kennt sogar bei sehr erfolgreichen Büchern wie „Harry Potter“ kaum einer den Übersetzer, der Autor wird hingegen gefeiert.

Ich habe den Eindruck, Übersetzer werden in letzter Zeit viel mehr gewürdigt als früher. In Büchern aus den Siebzigerjahren gab es manchmal gar keine Übersetzernennung oder nur ganz, ganz am Rande. Da ist eine Besserung im Gange. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat, als er Deutschland besuchte, sogar mal die Leistung der Übersetzer hervorgehoben.

Von Hannah Scheiwe

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