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Panorama Sturm „Herwart“ spült Inselstrand davon
Nachrichten Panorama Sturm „Herwart“ spült Inselstrand davon
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21:06 29.10.2017
Passanten stehen auf Wangerooge an der ein Meter hohen Abbruchkante am Strand. Quelle: dpa
Berlin

Das Sturmtief „Herwart“ wütet über Deutschland und richtet zahlreiche Schäden an: Allein die Feuerwehr in Berlin wurde am Sonntagmorgen binnen drei Stunden zu 100 Einsätzen gerufen. Sie rief den Ausnahmezustand aus und mobilisierte alle Freiwilligen Feuerwehren der Hauptstadt.

Auch auf der nordfriesischen Insel Wangerooge hat der Sturm erhebliche Schäden verursacht. Der Sand am Bade- und Burgenstrand sei zu 80 Prozent verschwunden, sagte der Inselbürgermeister Dirk Lindner (parteilos). Die Lokalpolitik fühlt sich vom Bund in Sachen Sturmflutschutz allein gelassen. „Wir warnen seit Jahren, aber Land und Bund schieben sich gegenseitig die Verantwortung zu“, sagte Lindner. Wer für die Wiederherstellung des Strandes aufkommen wird, ist noch nicht geklärt.

Bahnverkehr aus Sicherheitsgründen eingestellt

Die Deutsche Bahn stoppte großflächig ihre Züge. In sieben Bundesländern rollten bis auf Ausnahmen keine Züge mehr, teilte eine Bahnsprecherin am Sonntag mit.

Die Städte Bremen, Hannover, Braunschweig, Göttingen, Wolfsburg, Hamburg, Kiel und Berlin können mit dem Fernverkehr aktuell nicht erreicht werden. Auch im Rest des Landes ist mit erheblichen Ausfällen zu rechnen. Ab 18 Uhr soll der Betrieb zwischen Kassel, Hannover und Hamburg langsam wieder aufgenommen werden. Über die genauen Streckensperrungen informiert die Deutsche Bahn auf ihrer Webseite.

Tote, Verletzte und erhebliche Schäden hat das Sturmtief „Herwart“ am Wochenende in Europa hinterlassen. Vor allem in Norddeutschland wütet das Sturmtief.

Zwei Menschen gestorben

Ein 63-Jähriger ist am Ufer des Jadebusens im Kreis Wesermarsch von der Sturmflut überrascht worden und ertrunken. Der Mann habe mit seinem Bruder auf einem Campingplatz am Strandbad Sehestedt in einem Bulli übernachten und sich beim Herannahen des Wassers zu Fuß in Sicherheit bringen wollen, teilte die Polizei am Sonntag mit.

Der 59 Jahre alte Bruder konnte sich noch an einem Mast festklammern. Er wurde von einer DLRG-Schlauchboot-Besatzung am frühen Morgen gerettet und unterkühlt in ein Krankenhaus gebracht. Der 63-Jährige wurde wenig später tot in der Nordsee treibend entdeckt und geborgen. Beide Männer stammen aus Nordrhein-Westfalen; das Opfer aus Halver im Sauerland, der Überlebende aus Marienheide im Bergischen Land.

Motorboot gekentert

In Mecklenburg-Vorpommern ist ein Motorboot mit drei Menschen an Bord gekentert. Die Urlauber aus Sachsen waren trotz Sturmwarnung auf dem Peenestrom unterwegs. Eine Frau starb nach der Bergung im Krankenhaus. Ein weiterer Mann wird nach der mehrstündigen Suche nach wie vor vermisst.

Ein Schild warnt in Sehestedt vor Überflutungsgefahr. Quelle: dpa

Windgeschwindigkeiten über 120 Kilometer pro Stunde

Am Hamburger Hafen trat die Elbe übers Ufer. Nahe der Elbphilharmonie drohte eine Tiefgarage vollzulaufen, sagte ein Feuerwehrsprecher. Offenbar hätten die Flutschutztore der Garage nicht gut funktioniert. Die Elbchaussee entlang des Hamburger Hafens wurde einem Polizeisprecher zufolge überspült. Sie wurde teilweise gesperrt. Auch der Hamburger Fischmarkt wurde gesperrt.

In Berlin deckte der Sturm am Morgen ein komplettes Hausdach ab. „Teile liegen auf der Straße“, sagte ein Feuerwehrsprecher. An zwei Orten in Berlin stürzten zudem Baugerüste um – ein Fußgänger wurde dabei schwer, aber nicht lebensgefährlich verletzt. Zwei S-Bahnen rammten umgestürzte Bäume. Verletzte habe es in beiden Fällen nicht gegeben.

An der Nordsee und im höheren Bergland müsse gar mit Orkanböen gerechnet werden, warnten die Meteorologen am Samstag. So werden an der Nordsee Windgeschwindigkeiten von 120 Kilometern in der Stunde erwartet. Auch für viele Teile der Ostseeküste gab es eine Sturmwarnung. Im Westen und Südwesten hingegen ist die Sturmgefahr nach DWD-Angaben geringer. Ungemütlich kann es trotzdem werden: Landesweit wird mit schauerartigem und teilweise gewittrigem Regen gerechnet.

Zwei Tote in Tschechien

In Tschechien hat „Herwart“ zwei Menschen das Leben gekostet. Eine Frau wurde bei einem Waldspaziergang bei Trebic (Trebitsch) in Mähren von einem Baum erschlagen. Ein Mann starb, als er in der Kleinstadt Jicin (Jitschin) in Nordböhmen von einem Baum getroffen wurde. Das berichtete die Agentur CTK am Sonntag unter Berufung auf die Rettungskräfte.

Das Dach eines Gebäudes, in dem sich ein Supermarkt in Brünn (Tschechien) befindet, wurde vom Sturm „Herwart“ beschädig Quelle: dpa

Hunderttausende Haushalte waren im ganzen Land ohne Strom, weil Freileitungen beschädigt wurden. Der staatliche Wetterdienst gab Unwetterwarnungen vor extrem starkem Sturm heraus und warnte vor Hochwassergefahr im Norden Tschechiens. Die Feuerwehren waren im Dauereinsatz, um Äste und Baumstämme von Straßen und Eisenbahnstrecken zu entfernen. In Most (Brüx) wurde eine erst vor sieben Jahre eingeweihte orthodoxe Holzkirche vom das Unwetter regelrecht umgeworfen und zerstört.

Von dpa/RND