Menü
Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine
Anmelden
Panorama Staufener Missbrauchsfall: Behörden räumen Fehler ein
Nachrichten Panorama Staufener Missbrauchsfall: Behörden räumen Fehler ein
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:33 06.09.2018
Der wegen Kindesmissbrauchs in Staufen angeklagte Lebensgefährte (Mitte, helle Weste) und die angeklagte Mutter (rechts) sitzen in einem Saal des Landgerichts. Quelle: dpa
Anzeige
Freiburg

Im grausamen Fall um den jahrelangen Missbrauch eines kleinen Jungen aus Staufen bei Freiburg haben die Behörden Fehler und Versäumnisse eingeräumt und Verbesserungsvorschläge gemacht. Nicht alle Erkenntnismöglichkeiten seien ausgeschöpft worden, hieß es in einem am Donnerstag vorgestellten Abschlussbericht.

Vorhandene Informationen seien „nicht frühestmöglich“ weitergegeben worden. Die Kommunikation zwischen den einzelnen Stellen müsse verbessert, der Anhörung von Kindern vor Gericht noch größere Bedeutung beigemessen werden. Verbote, die Gerichte erlassen, müssten kontrolliert werden – von wem, müsse direkt abgestimmt werden.

Opfer aus Staufen wurde an Männer verkauft

Das Opfer – ein heute zehn Jahre alter Junge – war mehr als zwei Jahre von seiner Mutter und deren Lebensgefährten vergewaltigt und an andere Männer verkauft worden. Das Paar ist bereits verurteilt. Den Behörden waren in dem Fall schwere Fehler vorgeworfen worden. Die Familie stand zwar unter Beobachtung. Der Missbrauch blieb aber trotz Hinweisen verschiedener Stellen lange unentdeckt. So wurde beispielsweise ein Kontaktverbot des einschlägig vorbestraften Lebensgefährten zu dem Kind von niemandem überwacht. Der Mann lebte viele Monate unter einem Dach mit dem Jungen.

Das seinerzeit für den Fall zuständige Jugendamt betonte, sich bei Kinderschutzverfahren stärker einbringen zu wollen. „Wir haben unsere Rolle nicht voll ausgespielt“, sagte der Leiter des Dezernats Soziales und Jugend des Landratsamtes Breisgau-Hochschwarzwald, Thorsten Culmsee. Als Beispiel nannte er die Tatsache, dass das Jugendamt den Jungen in Obhut genommen hatte, das Kind vom Familiengericht vier Wochen später aber zurück in die Familie geschickt wurde.

Junge wurde nicht angehört – warum?

Außerdem sei nicht kritisch hinterfragt worden, warum der Junge nicht angehört wurde. „Wir sind der Entscheidung des Gerichtes, dem Kind keinen Verfahrensbeistand zur Seite zu stellen, nicht entgegengetreten“, sagte Culmsee. Er kündigte an, dass für das Jugendamt zeitnah eine neue Stelle für einen Volljuristen geschaffen werde. Damit soll den Sozialarbeitern künftig juristischer Sachverstand für familiengerichtliche Verfahren zur Seite gestellt werden – Neuland in Baden-Württemberg, sagte er.

Anhörungen des Kindes vor Gericht sind eigentlich als Normalfall im Gesetz vorgeschrieben. Ausnahmen sind zwar möglich, wurden im Fall des Jungen von Staufen aber nicht schriftlich begründet. Auch das müsse künftig anders gehandhabt werden, sagte der Präsident des Karlsruher Oberlandesgerichts (OLG), Alexander Riedel. „Wir müssen das dokumentieren, auch um uns selber nochmal zu vergewissern, ob eine solche Entscheidung korrekt ist.“

Interne Aufarbeitung des Falls

Es gehe aber nicht um Schuldzuweisungen. Jeder würde das Geschehene gerne ungeschehen machen. „An erster Stelle steht das Bedauern über das Schicksal des Jungen, das nicht rückgängig zu machen ist“, sagte Riedel. „Die Beteiligten tragen schwer daran“, sagte auch die Landrätin des Landratsamtes Breisgau-Hochschwarzwald, Dorothea Störr-Ritter.

Die Arbeitsgruppe des OLG Karlsruhe sowie des Amtsgerichts Freiburg und des Landratsamtes Breisgau-Hochschwarzwald hatten in den vergangenen Wochen mehrfach getagt, um die Vorgänge rund um den Fall intern aufzuarbeiten. Eine Aufarbeitung auf Landesebene beginnt nun und soll mithilfe einer interministeriellen Arbeitsgruppe (IMA) aus Sozial-, Justiz- und Innenministerium geleistet werden. Eine ressortübergreifende Kommission Kinderschutz werde dabei gemeinsam mit Experten analysieren, welche Konsequenzen sich aus dem Fall ergeben könnten, hieß es von Seiten des federführenden Sozialministeriums.

Von RND/dpa

Die vor fünf Jahren verschwundene Maria H. lebte zuletzt in Italien und hielt sich mit Jobs über Wasser. Über den Aufenthaltsort ihrer 40 Jahre älteren Begleitung wisse die heute 18-Jährige nichts, wie die Polizei am Donnerstag mitteilte.

06.09.2018

Im Mordprozess um das „Horrorhaus von Höxter“ lehnen die Verteidiger des Angeklagten Wilfried W. eine lebenslange Haftstrafe ab. Sie sehen nicht die besondere Schwere der Schuld des Angeklagten.

06.09.2018

Polizeinsatz mit 30 Beamten in der Nacht zu Donnerstag in der Greifswalder Innenstadt. Ein offenbar psychisch kranker Mann verletzt seine Ehefrau mit dem Messer und geht auf einen Polizisten los. Mit einem Schuss wird er außer Gefecht gesetzt.

06.09.2018
Anzeige