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Panorama Schneechaos am Alpenrand: Vier Menschen sterben
Nachrichten Panorama Schneechaos am Alpenrand: Vier Menschen sterben
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06:36 07.01.2019
In Marktoberdorf im Allgäu findet sich eine herrliche Winterlandschaft, die für Autofahrer jedoch gefährlich werden kann. Quelle: Peter Schatz/imago
München

Lang anhaltende Schneefälle haben am Wochenende vor allem im Süden Bayerns den Straßen-, Bahn- und Flugverkehr zum Teil erheblich beeinträchtigt. Zum Ende der Weihnachtsferien führten im Alpenraum zudem Straßensperrungen. Viele Urlauber blieben auf dem Rückweg aus den Weihnachtsferien stecken. Tausende Touristen waren zeitweise in den österreichischen Skigebieten Obertauern und Saalbach-Hinterglemm eingeschlossen.

Die Zufahrtsstraßen wurden gesperrt, weil das Risiko von Lawinenabgängen zu hoch war. Inzwischen herrscht überall in den deutschen Alpen die zweithöchste Lawinenwarnstufe vier. Eine junge Frau starb bei einem Lawinenabgang. In Vorarlberg starb ein Mann aus Bayern.

Bergwacht birgt tote Skifahrerin

Auch wenn sich die Lage am Sonntag langsam entspannte, konnten die Meteorologen für den Süden noch keine Entwarnung geben. Für die nächsten Tage sind weitere Schneefälle angekündigt. In mehreren Landkreisen Südbayerns fällt am Montag die Schule aus.

In Zell Am See hat ein deutscher Snowboarder im Schneegestöber unfreiwillig die Piste verfehlt. Er überlebte in einer selbst gebauten Schneehöhle. Quelle: BERGRETTUNG/dpa

Im Berchtesgadener Land starb nach einem Lawinenabgang am Teisenberg eine junge Frau in den Schneemassen. Nach Angaben der Polizei war die 20-Jährige am Samstag in einer Gruppe von sechs Tourenskifahrern unterwegs, als sich bei der Abfahrt ins Tal eine Lawine löste.

Skifahrer abseits der Piste verschüttet

Die Frau wurde komplett verschüttet, ihre Begleiter dagegen wurden von dem Schneebrett nicht erfasst. Ein Lawinenhund der Bergwacht konnte die Frau zwar rasch aufspüren, sie starb aber noch am Unfallort. Ihre fünf Begleiter wurden von der Bergwacht ins Tal geleitet.

Im österreichischen Vorarlberg kam in Schoppernau am Sonntag ein 26-Jähriger aus dem Landkreis Dachau bei einem Lawinenabgang ums Leben, wie ein Polizeisprecher sagte. Der Skifahrer war demnach trotz hoher Lawinengefahr abseits der gesicherten Pisten unterwegs. Seine Begleiterin und die Bergrettung gruben ihn schnell aus den Schneemassen aus. Der Mann konnte aber nicht mehr reanimiert werden.

Snowboarder überlebt in selbst gebauter Schneehöhle

In Zell am See wurde ein 23 Jahre alter Snowboarder aus Würzburg nach einer Nacht im Freien am Sonntag unverletzt gerettet. Er habe in einer selbstgebauten Schneehöhle unter einem Baum übernachtet, berichtete der Mann den Rettern. Zuvor habe er aufgrund schlechter Sichtverhältnisse unfreiwillig die Piste verfehlt und sei immer mehr in unwegsames Gelände gekommen.

Der Räumdienst ist im Dauereinsatz. Quelle: Peter Schatz/imago

Am Münchner Flughafen waren Räumdienste am Wochenende fast ununterbrochen damit beschäftigt, die Start- und Landebahnen von den Schneemassen zu befreien. Auch hier entspannte sich die Lage am Sonntag: Es gab nur noch 15 Annullierungen, wohingegen am Vortag noch 130 Flüge ausfielen. Hunderte Flugzeuge hatten zudem zum Teil erheblich Verspätung. Insgesamt stehen für den Winterdienst am Flughafen München 672 Mitarbeiter zur Verfügung.

Polizei und Feuerwehr im Dauereinsatz

Auf den Straßen blieb das große Chaos aus, auch wenn es zum Teil lange Staus gab. Die meisten Unfälle gingen glimpflich aus, es blieb überwiegend bei Blechschäden. Ebenso blockierten immer wieder liegengebliebene Lastwagen die Straßen. Polizei und Feuerwehr waren im Dauereinsatz.

In München mussten Linienbusse, die sich festgefahren hatten, von der Feuerwehr wieder flott gemacht werden. Weil Bäume unter der Schneelast auf die Fahrbahn ragten, wurde die A8 am Sonntagnachmittag bei Siegsdorf (Landkreis Traunstein) vorübergehend gesperrt. Zwischenzeitlich staute sich der Verkehr in Richtung München auf bis zu 15 Kilometern.

Österreich, wie hier in Filzmoos im Salzburger Land, leidet unter den Schneemassen. Quelle: action press

Zwei Tote bei Verkehrsunfällen

Bei Bad Tölz starb ein 19-Jähriger nach einem Autozusammenstoß auf schneeglatter Straße. Vier weitere Menschen wurden bei dem Unfall verletzt - zwei davon schwer. In Aschau im Chiemgau wurde eine 23 Jahre alte Frau von einem Auto erfasst, dabei schwer verletzt und später im Krankenhaus für hirntot erklärt. Der Fahrer des Wagens flüchtete. Die Frau war zu Fuß auf der Straße unterwegs - möglicherweise, weil diese besser geräumt war als der Gehweg.

Der starke Schneefall behinderte am Sonntag auch weiterhin den Zugverkehr, vor allem südlich und westlich von München. Etliche Verbindungen im Allgäu sowie in Richtung Wolfratshausen, Starnberg, Holzkirchen und Garmisch-Partenkirchen waren gesperrt. Wegen Bäumen in der Oberleitung fuhren zeitweise zwischen Gauting und Starnberg sowie zwischen Ebenhausen und Wolfratshausen keine Züge. Von Garmisch-Partenkirchen an war der Verkehr in Richtung Österreich eingestellt, ebenso zwischen Berchtesgaden und Bischofswiesen sowie ab Holzkirchen in Richtung Schliersee und Tegernsee.

Bahnen fahren nach und nach wieder

In Niederbayern nahm die Waldbahn wieder den Betrieb auf. Lediglich die Strecke Deggendorf-Zwiesel blieb weiterhin gesperrt, wie ein Sprecher des Betreibers am Sonntag mitteilte. Hier mussten die Räumarbeiten wegen der Dunkelheit am Sonntag unterbrochen werden.

Auch im benachbarten Österreich hatten Urlauber und Reisende am Sonntag noch mit den Schneemassen zu kämpfen. Glück im Unglück hatten rund 300 Reisende, deren Nachtzug nach Zürich in der Nähe von Kitzbühel auf einen umgestürzten Baum kollidierte. Nach vier Stunden auf offener Strecke wurden die Waggons in einen Bahnhof geschleppt, wo die unverletzten Passagiere mit warmen Getränken versorgt wurden.

12.000 Wintersportler in Österreich eingeschlossen

Im österreichischen Saalbach-Hinterglemm waren zeitweise rund 12.000 Wintersportler eingeschlossen. Rund 50 Prozent der Urlauber kommen hier aus Deutschland. Sie seien nicht in Gefahr, beruhigte Bürgermeister Alois Hasenauer. „Wir sind im Ort gut versorgt“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. In Obertauern konnte am Sonntagnachmittag ein Konvoi von Urlaubern das eingeschneite Skigebiet verlassen. Alle Urlauber die abreisen wollten, konnten das tun, sagte der Bürgermeister von Untertauern, Johann Habersatter.

In Bayern Quelle: Peter Schatz/imago

In Tirol warnten die Behörden wegen der Gefahr von Baumstürzen vor Wanderungen. In den Bundesländern Niederösterreich und Oberösterreich waren zwischenzeitlich rund 14.000 Haushalte ohne Strom, weil Bäume und Äste Leitungen beschädigten.

Es soll auch in den kommenden Tagen schneien

Eine durchgreifende Wetteränderung ist nach Angaben der Meteorologen nicht in Sicht. Während es nördlich der Donau meist regnerisch-nass bleibt, wird es Richtung Alpen auch in den kommenden Tagen immer wieder Schnee geben. Das nächste Tief steht in den Startlöchern. Die Experten erwarteten für die nächsten Tage aber eine leichte Entspannung der Lawinenlage, wenn sich der Neuschnee setzt.

Von RND/dpa