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Panorama Graböffnung nach 41 Jahren – Fall Juliane geklärt
Nachrichten Panorama Graböffnung nach 41 Jahren – Fall Juliane geklärt
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17:13 04.01.2019
Christa Steenvoorden hat nun Gewissheit, dass ihre Tochter Juliane in dem Grab gelegen hatte. Quelle: Uwe Driest
Sassnitz

Nach Jahren quälender Zweifel hat eine Mutter auf Rügen nun Gewissheit über das Schicksal ihrer Tochter Juliane. In dem im Oktober geöffneten Grab befanden sich tatsächlich die sterblichen Überreste des Kindes von Christa Steenvoorden. Das ist das Resultat der forensischen Untersuchungen, die im Institut für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf vorgenommen wurden.

Die zweijährige Juliane war im Dezember 1977 in der Badewanne ihrer in Sassnitz lebenden Großeltern ertrunken. Den Leichnam habe sie jedoch nie sehen dürfen, klagte die Mutter. Wegen der für sie nicht nachvollziehbaren Umstände des Todes ihrer Tochter hatte sich Christa Steenvoorden entschlossen, die Graböffnung zu verlangen. Letzten Anstoß dazu habe der anonyme Anruf einer Frau vor zwei Jahren gegeben, die ihr geraten habe, sich um den Verbleib ihrer noch lebenden Tochter zu kümmern.

Wahrscheinlichkeit von 99,9 Prozent

Die Untersuchungen hatten mehr Zeit erfordert als geplant, weil es sich um „schwieriges DNA-Material handelte und ungefähr ein Dutzend Proben entnommen werden mussten“, sagt Jan Zielinski, der Christa Steenvoorden unterstützt und den Fall organisatorisch begleitet hatte. „Nun aber steht fest, dass es sich mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,9 Prozent um das Kind von Frau Steenvoorden handelt“, so Zielinski. „Ich freue mich für sie darüber, dass es so gekommen ist. Jetzt hat Frau Steenvoorden Gewissheit und kann endlich in der Trauerphase ankommen.“

Christa Steenvoorden selbst war gestern aus gesundheitlichen Gründen nicht erreichbar. Nach schwerer Erkrankung und einer komplizierten Operation habe seine Frau mit ihrer Trauerarbeit noch nicht beginnen können, sagt Ehemann Hendrikus Steenvoorden. Dazu sehe sich seine Frau derzeit persönlich noch nicht in der Lage und habe daher alle Gedanken der Verarbeitung vorerst aufgeschoben. Die Gefühle seiner Frau seien jedoch zunächst ambivalent gewesen. „Es war zunächst einmal eine Enttäuschung, weil mit dem Ergebnis zugleich die Hoffnung schwand, dass das Kind noch lebt. Aber jetzt hat sie die Gewissheit und darum war es ihr ja letztlich gegangen.“ Die Untersuchungen habe der Forensiker Prof. Klaus Püschel vom Hamburger Institut für Rechtsmedizin entgeltlos durchgeführt, so Jan Zielinski. „Ansonsten wären vermutlich Kosten von bis zu 18 000 Euro auf Frau Steenvoorden zugekommen.“

Alle Seiten sollen zur Ruhe kommen

Der Sassnitzer Bürgermeister Frank Kracht, der durch die OSTSEE-ZEITUNG vom Resultat der forensischen Untersuchungen erfuhr, gibt sich erleichtert. Seine Verwaltung habe den Vorgang stets nüchtern betrachtet. „Aus meiner Sicht ist für alle Beteiligten wichtig, dass jetzt ein Ergebnis vorliegt, damit alle Seiten wieder zur Ruhe kommen können“, so Kracht. „In der Öffentlichkeit getätigte Behauptungen sind nun wissenschaftlich widerlegt.“ Damit spielt der Bürgermeister auf den Rechtsstreit an, welcher der Graböffnung vorausgegangen war und in dessen Verlauf auch vermeintliche Verschwörungstheorien kursierten. So war dem Bürgermeister im Text einer von 700 Menschen unterzeichneten Petition unterstellt worden, „Angst vor der Wahrheit“ zu haben.

Fälle ungeklärten Kindstods hätten in der DDR System gehabt, hieß es dort. „Unliebsamen Bürgern wurden die Kinder weggenommen. Diese wurden dann ‚zwangsadoptiert’. Den Müttern wurde gesagt, dass die Kinder gestorben seien.“ Und weiter: „Auch in Sassnitz gibt es so ein Beispiel.“ Die Stadt war in den Fokus der Kritiker geraten, weil die Öffnung des Grabes erst vor dem Oberverwaltungsgericht hatte erwirkt werden müssen. Die Stadt Sassnitz hatte zunächst klären wollen, wie das berechtigte Interesse der Mutter gegen das Gebot der Totenruhe abzuwägen sei. Im Mai vergangenen Jahres verständigten sich die Parteien schließlich darauf, die Öffnung des Grabes vorzunehmen, was im Oktober unter Sperrung des Sassnitzer Friedhofs geschah.

Nun also hat Christa Steenvoorden Gewissheit. Noch befinden sich die Überreste von Juliane in Hamburg. „Wir möchten sie aber so bald wie möglich nach Putbus überführen, um sie auf dem Friedhof unseres Wohnortes – diesmal in Anwesenheit der Mutter – wieder beizusetzen“, sagt Hendrikus Steenvoorden.

Von RND/Uwe Driest

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