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Panorama Prozess zur Bluttat von Kandel fortgesetzt
Nachrichten Panorama Prozess zur Bluttat von Kandel fortgesetzt
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14:08 18.06.2018
Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen hat vor dem Landgericht Landau in der Pfalz der Prozess im Fall der getöteten 15-jährigen Mia aus Kandel begonnen. Quelle: SASCHA STEINBACH/EPA-EFE/REX/Shutterstock
Landau

Schleppender Auftakt im Prozess um die Bluttat von Kandel: Das Verfahren um die tödliche Messerangriff auf die 15 Jahre alte Mia aus dem südpfälzischen Ort ist schon kurz nach dem Auftakt wieder unterbrochen, inzwischen aber wieder fortgesetzt worden.

Der Verteidiger des angeklagten Abdul D., Maximilian Endler, hatte am Montag vor dem Landgericht Landau den Austausch des Dolmetschers beantragt. Dieser habe unzureichend übersetzt, sagte Endler. Das habe er beurteilen können, auch wenn er die afghanische Landessprache Dari selbst nicht spreche. Seinem Antrag sei stattgegeben worden, noch am Montag sollte ein neuer Dolmetscher erscheinen und der Prozess fortgesetzt werden.

Vorgesehen waren am ersten Tag des mit Spannung erwarteten Mordprozesses, der nicht-öffentlich ist, neben der Anklageverlesung auch die Vernehmung von Sachverständigen und Zeugen. Verteidiger Endler sagte, sein Mandant wollte sich zu seiner Person und zur Sache äußern. Er sei in schlechter Verfassung, bereue die Tat. Gegen seinen Mandanten habe es Morddrohungen und Übergriffe von Mithäftlingen im Gefängnis gegeben. Nebenkläger in dem Verfahren sind Mias Eltern. Diese erschienen Endler zufolge am Montag vor Gericht.

Ex-Freundin aus niederen Beweggründen erstochen

Die Staatsanwaltschaft lege dem afghanischen Flüchtling zur Last, seine ehemalige Freundin aus niederen Beweggründen – „aus übersteigerter Eifersucht und Rache aufgrund seiner kulturellen Herkunft“ Ende Dezember in einem Kandeler Drogeriemarkt erstochen zu haben, sagte Schelp. Da die Altersfrage des jungen Flüchtlings nicht zweifelsfrei geklärt sei, werde dieser nach dem Jugendstrafrecht angeklagt. Die medizinische Altersfeststellung habe bei dem Beklagten eine „Bandbreite von zwei Jahren“ ergeben, wonach es möglich sei, dass er erst 17,5 Jahre alt sei, sagte Schelp.

Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen hat vor dem Landgericht Landau in der Pfalz der Prozess im Fall der getöteten 15-jährigen Mia aus Kandel begonnen.

Während des Prozesses mit psychologischen Gutachtern, zu dem mehr als 80 Zeugen geladen sind, werde entschieden, ob Abdul D. nach dem Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht zu verurteilen sei. Nach dem Jugendstrafrecht droht dem Angeklagten eine maximale Freiheitsstrafe von zehn Jahren. Sollte er als über 18-jähriger Heranwachsender nach dem Jugendstrafrecht verurteilt werden, sei auch eine Strafe von 15 Jahren möglich. Käme das Erwachsenenstrafrecht zum Zuge, müsste der Mordfall öffentlich neu verhandelt werden, sagte Schelp. Im Falle seiner Verurteilung müsste der Angeklagte dann lebenslang hinter Gitter. Ob der Täter seine Strafe in Deutschland absitzen müsse oder in sein Heimatland abgeschoben werde, müssten schließlich die Ausländerbehörden entscheiden, sagte Schelp.

In Drogeriemarkt auf Opfer eingestochen

Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft ist der Angeklagte am 27. Dezember der Schülerin Mia am Bahnhof in Kandel gefolgt, als diese dort aus dem Bus ausstieg. In einem Supermarkt habe er sich die Tatwaffe, ein Messer mit einer mehr als 20 Zentimeter langen Klinge, gekauft. Danach sei er dem Mädchen und ihren Freunden in einen Drogeriemarkt gefolgt und habe dort unvermittelt siebenmal auf sein Opfer eingestochen, sagte Schelp. Ein Stich habe das Herz des wehrlosen Mädchens getroffen und es tödlich verletzt. Mia habe eine Beziehung mit dem Flüchtling gehabt, sich aber vier Wochen vor der Tat von ihm getrennt.

Der Beschuldigte Abdul D. kam im April 2016 als Flüchtling ohne Ausweispapiere nach Deutschland. Er wurde als unbegleiteter, minderjähriger Flüchtling registriert und dem Landkreis Germersheim zugewiesen. In Kandel ging er zur Schule, wo er auch Mia kennenlernte. Im Februar 2017 lehnte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge seinen Asylantrag ab. Wegen eines Abschiebeverbots durfte er trotzdem vorerst im Land bleiben.

Hohe Sicherheitsvorkehrungen

Begleitet wurde der Prozessauftakt von hohen Sicherheitsmaßnahmen. So war etwa die Straße neben dem Landauer Landgericht abgesperrt, die Fenster des Gerichtssaals waren mit Vorhängen verdeckt. Der Sprecher des Polizeipräsidiums Rheinpfalz sprach von Polizei-Kräften im hohen zweistelligen Bereich, die vor Ort waren. Angesetzt sind bislang noch zwölf weitere Prozesstage bis zum 29. August. Insgesamt sollen dem Gericht zufolge mehr als 80 Zeugen geladen werden.

Von RND/dpa