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Panorama Obama und Merkel lassen sich am Brandenburger Tor bejubeln
Nachrichten Panorama Obama und Merkel lassen sich am Brandenburger Tor bejubeln
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22:00 25.05.2017
Sie durften auf die Bühne und Fragen stellen: Filiz Kuyucu, Sierra Sims, Benedikt Wichtlhuber und Imani Abernathy (v. l.) Quelle: Foto: Sternberg
Berlin

Als Barack Obama kurz nach 11 Uhr das Podium am Brandenburger Tor betritt, bricht ein Jubel aus, wie ihn dieser Ort seit drei Jahren nicht erlebt hat. Damals sang Helene Fischer, die Fußball-Weltmeister kamen aus Brasilien zurück. Jetzt feiern Zehntausende Menschen die Rückkehr ihres Lieblingspräsidenten. Wie jeder US-Popstar beginnt Barack Obama mit einem „Guten Tag!“ auf Deutsch und einer Liebeserklärung an Berlin. Die Masse jubelt natürlich.

Am Mittwochabend hatte der Deutsche Evangelische Kirchentag begonnen, 70 000 sollen in der Nacht der Begegnung dabei gewesen sein. Bis Sonntag geht es weiter, in Berlin und in Wittenberg, wo Martin Luther vor 500 Jahren seine Thesen an die Tür der Schlosskirche geschlagen haben soll. Noch einmal 200 000 werden zum Abschlussgottesdienst auf den Elbwiesen vor der Stadt erwartet, auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Sein US-Kollege wird dann längst wieder abgereist sein.

Obama gibt nicht den lockeren Urlauber

Obama als Stargast zu holen war die Idee des evangelischen Ratspräsidenten Heinrich Bedford-Strohm, der exzellente Kontakte in die USA hat. Als Gesprächspartner Angela Merkels, aber jenseits der Begrenzungen des Amtes sollte der Präsident im Ruhestand sagen dürfen, was ihm ans Herz und durch den Sinn geht. Und Obama liefert. Nur anders. Nicht als der erwartete lockere Urlauber.

In Anzug und Krawatte gibt sich der 55-Jährige anderthalb Stunden lang als gereifter Elder Statesman. Es schadet ihm und der Stimmung nicht, im Gegenteil: In Deutschland ist diese Planstelle seit Helmut Schmidts Tod ja unbesetzt.

Als Obama noch Präsident war, bei seinem letzten Besuch im November, hatte er gesagt, als Deutscher würde er Merkel wählen. Das ist frisch genug, er muss diesen Satz nicht wiederholen. Lob für Merkel gibt es trotzdem: „Während meiner Präsidentschaft war sie eine meiner Lieblingspartnerinnen.“ Die Kanzlerin sonnt sich in seiner Aufmerksamkeit.

Merkel muss die Staatschefs nehmen, wie sie kommen

Und doch bietet dieser Tag Angela Merkel ein Wechselbad der Gefühle: Erst das Wiedersehen mit Barack Obama, direkt danach der Nato-Gipfel in Brüssel mit Donald Trump. Erst entspannte Bilder am Brandenburger Tor als wunderbares Wahlkampfgeschenk, dann Konfrontation mit einem, von dem man nicht weiß, ob er Partner sein will oder nicht. „We love you, Mr President“, steht auf dem Schild einer jungen Amerikanerin. „Obama ist mein Präsident!“, auf dem einer anderen. Merkel aber muss die Staatschefs nehmen, wie sie kommen.

Die Obamas haben sich rar gemacht seit dem Machtwechsel in Washington. Primär als Urlauber sorgen sie für Aufsehen. Schnappschüsse zeigen Barack beim Kitesurfen in der Karibik vor der Privatinsel des Milliardärs Richard Branson, Michelle paddelnd in der Südsee, beide an Deck der 138-Meter-Jacht „Rising Sun“ des Musikunternehmers David Geffen, zuletzt eine sehr luftig gekleidete Michelle beim Bummel in der Toskana. Die idyllische Unterkunft zwischen Weinbergen, das Borgo Finocchieto, ist auf Airbnb für 15 323 Euro pro Nacht buchbar. Dass den Obamas dieser Preis in Rechnung gestellt wird, ist fraglich: Das Anwesen gehört dem früheren US-Botschafter in Rom.

Ein Auftritt für die Kanzlerin

Mit ihrem neuen Jetset-Leben wandeln die Obamas auf schmalem Grat: Noch gönnen die Amerikaner ihnen den wohlverdienten Urlaub. Und vermutlich würden viele seiner früheren Wähler auch lieber das Dolce Vita in Übersee genießen, als in Trump-Land zurückzubleiben. Was sollte Obama auch tun? Zu viel Einmischung ins aktuelle Regierungschaos wäre ungehörig. Oder wünschen sich manche heimlich, dass er wenigstens noch ein kleines bisschen mitregieren würde? Es ist wohl kaum ein Zufall, dass gerade jetzt in den sozialen Netzwerken der Audiomitschnitt eines Telefonats von 1962 wie wild geteilt wird. Da ruft der demokratische Präsident John F. Kennedy von den Demokraten seinen republikanischen Vorgänger Dwight D. Eisenhower an, um auf dem Höhepunkt der Kubakrise Rat einzuholen.

Trump würde natürlich den Teufel tun und seinen Vorgänger anrufen. Und Obama wäre im Zweifelsfall dann doch zu beschäftigt. Im September wird er einen Vortrag an der Wall Street halten. Vor den Verantwortlichen der Finanzkrise. 400 000 Dollar Honorar für eine knappe Stunde Arbeit. 65 Millionen Dollar Vorschuss sollen Barack und Michelle Obama für ihre Memoiren bekommen haben. Den Auftritt auf dem Kirchentag hat er Angela Merkel geschenkt, und ein paar Tausend Zuhörer extra dazu. Die Leute sind immer noch neugierig auf ihn.

Und dann kommen die unangenehmen Fragen

Er werde sich jetzt auf die Obama-Stiftung und den Aufbau seiner Präsidentenbibliothek in Chicago konzentrieren, sagt der Politrentner auf die Frage nach seinen Zukunftsplänen. Es gehe darum, den Staffelstab an die nächste Generation weiterzugeben. Das „Presidential Center“ soll in Chicago entstehen, auf der armen South Side, wo Obama als Sozialarbeiter angefangen hat.

Von dort, aus seiner früheren Kirchengemeinde, kommen Sierra Sims und Imani Abernathy, Lehrerin die eine, Musikerin die andere. Sie dürfen auf die Bühne, Präsident und Kanzlerin je eine Frage stellen, ebenso wie Filiz Kuyucu und Benedikt Wichtlhuber aus Mannheim, deren Gemeinde einen Austausch mit Chicago pflegt. Während die Amerikanerinnen nach Bildung und Kunst fragen, gehen die Deutschen ans Eingemachte: Die Flüchtlingshelferin Kuyucu fragt, wie das Sterben im Mittelmeer beendet werden könne. „Wir müssen in Libyen einen Staat herstellen, das erfordert unsere ganze Kraft“, antwortet Merkel. Der Student
Wichtlhuber fragt Obama nach zivilen Opfern durch seinen Drohnenkrieg: „Manchmal haben meine Entscheidungen zum Tod von Zivilisten geführt, weil es Fehler gab“, räumt Obama ein. „Drohnen selbst sind nicht das Problem, das Problem ist der Krieg.“ Und der islamistische Terrorismus: „Das sind Leute, die gerne hier und heute einen Bombe zünden würden. Wir müssen sie bekämpfen und uns schützen.“ Auch dafür bekommt er Applaus.

Nicht einmal fällt der Name Trump

Nicht einmal aber fällt der Name Trump oder auch nur der Begriff „mein Nachfolger“. Und doch lassen Obamas Antworten jede Menge Raum für Interpretation. Er ruft dazu auf, sich klar gegen Fremdenhass, Nationalismus und antidemokratische Strömungen einzusetzen. „Wir können uns nicht hinter Mauern verstecken“, sagt er – und an diesem Ort, zu dieser Zeit, weiß jeder, dass er nicht die Berliner Mauer meint. „In Gottes Augen ist ein Kind auf der anderen Seite der Grenze genau so viel wert wie mein eigenes“ – das ist noch so ein Satz mitten in Trumps Gesicht. Aber der Politiker Obama schickt eine Einschränkung hinterher: „Die Ressourcen jedes Staates sind endlich.“

Merkel hatte zuvor das Kunststück vollbracht, sich erst als Flüchtlingskanzlerin feiern zu lassen, um sich dann als Abschiebekanzlerin zu profilieren. „Wir müssen nicht immer nur in Monaten denken, sondern in Jahren“, forderte sie mit Blick auf die Integration und bekam Applaus. Um direkt danach anzufügen: „Wir müssen die Leute schneller nach Hause schicken, das ist die beste Variante.“ Da gibt es zum einzigen Mal Buhs, Merkel fängt sie ab mit dem Satz: „So können wir denen helfen, die wirklich unsere Hilfe benötigen.“

Ursprünglich hatten die Deutschen Obama im Lutherjahr nach Wittenberg holen wollen. Doch ihm war klar: nur am Brandenburger Tor, nur mit Merkel. Einen größeren Gefallen hätte er seiner Lieblingspartnerin nicht tun können. Der Wahlkampf hat seinen Höhepunkt gesehen. Es sei denn, Martin Schulz überredet Papst Franziskus zu einer Segnung im Aachener Dom.

Von Jan Sternberg

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