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Panorama O.J. Simpson kommt frühzeitig auf Bewährung frei
Nachrichten Panorama O.J. Simpson kommt frühzeitig auf Bewährung frei
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21:39 20.07.2017
O.J. Simpson bei der Urteilsverkündung in Nevada. Quelle: AP
Lovelock

Der frühere amerikanische Football-Star O.J. Simpson (70) darf vorzeitig aus der Haft entlassen werden. Ein Begnadigungsausschuss entschied am Donnerstag im US-Bundesstaat Nevada, dass er das Gefängnis im Oktober auf Bewährung verlassen dürfe. Simpson hatte zuvor in einer Anhörung für seine frühzeitige Entlassung aus der Haft geworben. Der 70-Jährige reagierte emotional und bedankte sich mehrfach.

Er war 2008 von einem Gericht wegen bewaffneten Raubs und Körperverletzung zu einer Mindeststrafe von neun Jahren verurteilt worden. 2007 war er zusammen mit mehreren Komplizen bewaffnet in ein Hotelzimmer in Las Vegas eingedrungen und hatte zwei Sammler von Fan-Artikeln gezwungen, ihm persönliche Erinnerungsstücke zu geben.

„Es tut mir leid“

In seinem ersten öffentlichen Auftritt seit Jahren entschuldigte er sich für den Vorfall. „Es tut mir leid, dass die Dinge so ausgegangen sind, wie sie sind“ erklärte er. Er habe niemals ein Verbrechen verüben wollen. „Es tut mir leid.“

Vier Mitglieder des Ausschusses befragten den 70-Jährigen zu den Umständen des Raubüberfalls. Simpson erklärte, er habe bei dem Vorfall niemals mit einer Waffe auf jemanden gezielt oder Drohungen ausgesprochen. „In keiner Weise oder Form habe ich ihnen etwas Böses gewollt.“ Entschieden fügte er hinzu, dass es sich bei den Memorabilien um sein Eigentum gehandelt habe.

Eines der beiden Opfer des Überfalles, Bruce Fromong, bestätigte diese Angaben im Zuge der Anhörung. Zudem entlastete er Simpson von dem Vorwurf des Waffeneinsatzes. „O.J. hat mich niemals mit einer Waffe bedroht“, sagte der Mann, der sich als langjährigen Freund des früheren Stars bezeichnete. „Wenn er mich morgen anrufen und sagen würde, dass er entlassen wurde, würde ich mich ins Auto setzen und ihn abholen“, sagte er. Das zweite Opfer des Überfalls, Alfred Beardsley, ist 2015 gestorben.

„Wir wollen einfach nur, dass er nach Hause zu seiner Familie kommt“

In dem Verfahren von 2008 ging es nicht um den Tod von Simpsons Ex-Frau Nicole Brown Simpson und deren Freund Ronald Goldman. Simpson war 1994 beschuldigt worden, die beiden mit Messerstichen getötet zu haben. 1995 stand der einstige Football-Star, der auch in den „Nackte Kanone“-Filmkomödien der 80er und 90er Jahre mitspielte, deswegen vor Gericht. In dem als „Prozess des Jahrhunderts“ bekannt gewordenen Verfahren wurde er trotz anscheinend erdrückender Beweislast letztendlich freigesprochen.

In einem emotionalen Plädoyer bat Arnelle Simpson, die älteste Tochter, vor dem Gremium am Donnerstag um die Entlassung ihres Vaters. „Die Menschen können sich nicht vorstellen, was wir in den letzten neun Jahren durchgemacht haben“, sagte die 48-Jährige. „Wir wollen einfach nur, dass er nach Hause zu seiner Familie kommt.“

Der inzwischen im Ruhestand lebende Staatsanwalt David Roger, der 2008 den Prozess gegen Simpson geleitet hatte, sprach sich im Vorfeld für eine Begnadigung des prominenten Straftäters aus. „Der Mann hat für einen Raub lange genug gesessen, ich gehe davon aus, dass er begnadigt wird“, sagte er im Gespräch mit US-Medien.

Der Fall O.J. Simpson

Von ganz oben nach ganz unten: Die Geschichte des ehemaligen Football-Stars O.J. Simpson steht für einen der tiefsten Fälle in der US-Popkultur. Vom geliebten Football-Helden in den 60er und 70er Jahren wird er zum Filmstar und Sportkommentator - bis 1994 seine Ex-Frau und ihr Freund getötet werden. Eine Chronologie über die wichtigsten Punkte im Leben von O.J. Simpson:

1967: Simpson ist während seiner ersten Saison an der University of South California der beste aller Runningbacks, eine Spielposition im amerikanischen Football.

1968: Simpson gewinnt den Heisman Trophy, die höchste Auszeichnung im US-College-Football.

1969: Simpson wird Teil des Teams der Buffalo Bills und spielt neun Spielzeiten mit ihnen.

1973: Er wird der erste Spieler der National Football League (NFL), der mehr als 2000 Yards (rund 1800 Meter) in einer Saison sprintet.

1979: Simpson beendet seine Sportlerkarriere.

1985: Simpson wird in die Pro Football Hall of Fame aufgenommen.

1988: Der Ex-Football-Spieler wird Nebendarsteller in der Polizeikomödie „Die nackte Kanone“, Simpson stand bereits seit Ende der 60er Jahre regelmäßig für Werbespots und Fernsehsendungen vor der Kamera.

Februar 1992: Simpsons Ehefrau, Nicole Brown Simpson, reicht nach sieben Jahren Ehe die Scheidung ein. Das Paar wird am 15. Oktober des selben Jahres geschieden.

12. Juni 1994: Nicole Brown Simpson und ein Freund, Ronald Goldman, werden vor ihrem Haus in Los Angeles erstochen.

17. Juni 1994: Anstatt sich der Staatsanwaltschaft zu stellen, flieht Simpson mit einem Freund in einem Auto. Die Verfolgungsjagd über Schnellstraßen im US-Staat Kalifornien wird landesweit im Fernsehen übertragen. Die Polizei überredet Simpson letztendlich, sich zu ergeben.

Juni 1995: Während der Gerichtsverhandlung bittet ein Staatsanwalt Simpson, ein paar Handschuhe anzuziehen, die vom Mörder getragen worden sein sollen. Sie scheinen zu klein, was Rechtsanwalt Johnnie Cochran in seinem Abschlussplädoyer mit dem bekanntgewordenen Satz „If it doesn’t fit, you must acquit“ (auf Deutsch etwa: Wenn es nicht passt, muss freigesprochen werden) zusammenfasst.

3. Oktober 1995: Simpson wird freigesprochen.

Februar 1997: Im Prozess um eine Zivilklage der Angehörigen der Opfer befindet eine Jury Simpson verantwortlich für die Tode und ordnet eine Zahlung von 33,5 Millionen Dollar (heute etwa 29,1 Millionen Euro) an.

Juli 2007: Ein Insolvenz-Gericht spricht die Rechte an einem Buch von Simpson („If I Did It“), in welchem er diskutiert, wie er das Verbrechen hätte begangen haben können, der Familie von Goldman als Teil der Entschädigungszahlung zu. Die Familie gibt dem Buch einen neuen Titel: „If I Did It: Confessions of the Killer“.

September 2007: Simpson, der von fünf Männern begleitet wird, konfrontiert zwei Verkäufer, die mit Sport-Sammlerstücken handeln, in Las Vegas. Er sagt ihnen ärgerlich, dass ein Großteil der Objekte, die die Männer verkaufen wollen, rechtmäßig ihm gehörten.

3. Oktober 2008: Eine Jury spricht Simpson und einen Mitangeklagten unter anderem der Entführung, des bewaffneten Raubs und des Einbruchdiebstahls schuldig. Die anderen Beschuldigten in dem Fall erhielten Bewährungsstrafen.

Dezember 2008: Simpson wird zu einer Haftstrafe von neun bis 33 Jahren verurteilt und in das Lovelock-Gefängnis im US-Staat Nevada gebracht.

Oktober 2010: Der Oberste Gerichtshof Nevadas lehnt Simpsons Berufung ab.

25. Juli 2013: Simpson bittet die Kommission für Haftentlassungen in Nevada um Nachsicht. Er habe versucht, ein guter Gefängnisinsasse zu sein. Er bekommt eine Haftverkürzung zugesprochen, muss aber noch mindestens vier weitere Jahre in Haft bleiben.

Juni 2017: Die Kommission für Haftentlassungen setzt für den 20. Juli einen Anhörungstermin fest.

Von ap/RND/zys