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Panorama Mutmaßlicher Mörder kassierte Rente
Nachrichten Panorama Mutmaßlicher Mörder kassierte Rente
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17:03 06.10.2017
Der Angeklagte soll einen Rentner ermordet, die Leiche eingefroren und die Rente des Opfers kassiert haben. Quelle: dpa
Berlin

Zehn Jahre lang sahen die Nachbarn den Rentner nicht auf der Straße. Denn der Mann war tot – und lag zerstückelt in einer Tiefkühltruhe in seiner eigenen Wohnung in Berlin. Zuvor wurde er getötet, vermutlich von einem 56-Jährigen, der sich seit Freitag vor Gericht verantworten muss.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten Mord aus Habgier, Heimtücke und zur Ermöglichung einer anderen Straftat vor. Der Mann, der sich das Vertrauen des 80-Jährigen erschlichen habe, soll sein Opfer zwischen dem 30. Dezember 2006 und dem 1. Januar 2007 in dessen Wohnung erschossen, in einer Kühltruhe versteckt und etwa zehn Jahre lang die Rente des Witwers von monatlich 2000 Euro kassiert haben. Er habe in der Nähe des Opfers gewohnt und sich zuvor um den Senior gekümmert.

Das Verbrechen in der Wohnung in Berlin kam nur durch einen aufmerksamen Nachbarn ans Licht, der die Polizei rief. Quelle: dpa

Das grausige Verbrechen kam nur durch Zufall ans Licht. Ein Nachbar hatte sich laut Staatsanwalt gewundert, dass er den einsam lebenden Witwer lange nicht mehr gesehen hatte. Nach vergeblichen Anrufen bei der Hausverwaltung habe der Mann eine Polizeistreife überredet, nach dem Rechten zu sehen.

In der Wohnung des Vermissten machten die Beamten dann im Januar „den grausigen Fund“, sagte Staatsanwalt Reinhard Albers. Die Wohnung sei klinisch sauber gewesen, auf der Eistruhe habe eine Tischdecke gelegen, darauf ein Blumentopf. „Alles sah aus wie in einer Puppenstube.“ Der Angeklagte sei nach der Tat oft dort gewesen, habe gelüftet und an der Nachttischlampe eine Zeitschaltuhr installiert.

Die grausige Tat hatte bundesweit Bestürzung ausgelöst. Quelle: dpa

Das Verbrechen hatte bundesweit Bestürzung ausgelöst und auch die Frage aufgeworfen, ob ältere Menschen gerade in Großstädten zunehmend vereinsamen. Der Staatsanwalt hoffte, dass Rentenversicherer aus dem Fall lernten, es „nicht so anonym laufen zu lassen“.

Staatsanwalt Albers geht von einer geplanten Tat aus: Die Tiefkühltruhe sei kurz vor dem Mord in die Wohnung geliefert worden. Der Rentner sei mit einem Kopfschuss durch die Stirn getötet worden. Die Leiche müsse gleich danach zerteilt worden sein. „Sie war zu 100 Prozent erhalten.“ Die Waffe sei nicht gefunden worden.

Hinweise auf weiteres Gewaltverbrechen

Der nicht vorbestrafte Angeklagte, Inhaber eines Trödelladens, habe als nett, freundlich und unauffällig gegolten. „Er lebte ähnlich einsam wie sein Opfer“, sagte der Staatsanwalt. Er habe aber viel Geld verspielt und sei möglicherweise spielsüchtig. Mit gefälschter Unterschrift soll er Schreiben an die Verwaltung des Mietshauses geschickt, Steuererklärungen verfasst und einen Post-Nachsendeauftrag erteilt haben – um vorzutäuschen, dass der Rentner noch lebe. Die Leiche sei „im allerletzten Augenblick“ gefunden worden, sagte der Ankläger. Der 56-Jährige habe die Wohnung bereits gekündigt gehabt. „Im Februar wäre sie vielleicht schon leer gewesen.“

Laut Gericht gibt es Hinweise auf ein weiteres Gewaltverbrechen. Der Verdächtige soll auch die Rente einer Seniorin kassiert haben, die seit Ende 2000 verschwunden ist. Zwischen 500 und 800 Euro monatlich sollen auf das Konto des getöteten Rentners umgeleitet worden sein. Es gebe keine Hinweise auf freundschaftliche oder familiäre Beziehungen zwischen der verschwundenen Frau und dem getöteten Mann. Sie sollen sich nicht gekannt haben. Die Ermittlungen liefen noch, hieß es.

Von RND/dpa

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