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Panorama Mord von Viersen – Angeklagter (17) sah Opfer (15) als seinen Besitz
Nachrichten Panorama Mord von Viersen – Angeklagter (17) sah Opfer (15) als seinen Besitz
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19:18 10.12.2018
In der Nähe der tödlichen Messerattacke auf eine 15-Jährige in Viersen sind von Bürgern Trauerkerzen und Blumen niedergelegt worden. Quelle: Roland Weihrauch/dpa
Mönchengladbach

Sie sollte nur ihm gehören, obwohl sich die 15-Jährige getrennt hatte. Als der 17 Jahre alte Ex-Freund hörte, dass sie einen Neuen haben soll, sei das ihr Todesurteil gewesen, betont Staatsanwalt Stefan Lingens: Ein junger Bulgare soll eine Jugendliche in Viersen am Niederrhein am helllichten Tag heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen in einem Park erstochen haben. Dafür steht er seit Montag wegen Mordes vor Gericht.

Sechs Monate nach dem Aufsehen erregenden Verbrechen hat der Prozess vor dem Landgericht Mönchengladbach begonnen - wegen des jungen Alters des Angeklagten unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Die Eltern sind Nebenkläger. Er habe das Mädchen nicht töten, sondern ihm einen Denkzettel verpassen wollen, stellte der Jugendliche in einer vor Gericht verlesenen Erklärung fest, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

„Die Tat hätte verhindert werden können“

„Der hat dieses Mädchen fürchterlich geliebt“, sagte der Verteidiger des Angeklagten Helmuth Jenrich vor dem Prozess. Dieses Mädchen, das war Iuliana, die alle in Viersen Iulia nannten. Die Eltern waren nach Angaben ihres Anwalts vor vier Jahren nach Viersen gekommen: „Sie wollten, dass es den Kindern mal besser geht“, sagte Rechtsanwalt Stefan Hahn.

Iulia konnte es nicht mehr ertragen, dass ihr Freund sie nur noch für sich haben wollte – keinen Kontakt zu Freunden, immer nur er, hatte die Polizei nach der Festnahme des Jugendlichen gesagt. Sie trennte sich von ihm, aber er wollte das nicht wahrhaben: „Er hat sie – man kann sagen – als seinen Besitz betrachtet und ihr gesagt, entweder du bist mir zusammen oder mit keinem. Das war letztlich die Motivation für die Ermordung“, sagte Staatsanwalt Lingens unmittelbar vor dem Prozess

Noch am Morgen des Tattages habe er zwei Freunden detailliert erzählt, dass er das Mädchen töten wolle. Aber niemand warnte sie und niemand alarmierte die Polizei. „Die Tat hätte verhindert werden können, ganz einfach sogar“, sagte Lingens.

Angeklagtem droht eine Jugendstrafe von bis zu zehn Jahren

Das Verbrechen nahm demnach seinen Lauf: Der 17-Jährige lauerte dem Mädchen laut Staatsanwaltschaft im Juni am Bushof in Viersen auf. Sie sei im guten Glauben mit ihm in den Park gegangen, möglicherweise, um eine Aussprache zu führen.

Von der Attacke sei sie überrascht worden. Der Jugendliche habe ein Messer aus der Tasche gezogen und mehrfach auf ihren Oberkörper eingestochen. Es war sommerliches Wetter, der Park war belebt, aber die beiden jungen Leute waren außer Sicht, als die Attacke erfolgte. Zeugen sahen nur noch, wie die 15-Jährige blutend auf sie zulief und zusammenbrach. Sie starb unmittelbar danach. Dem nicht vorbestraften Bulgaren droht eine Jugendstrafe von bis zu zehn Jahren. Bis zu dem Prozess hatte er sich nicht zur Tat geäußert, wie Lingens sagte.

Er habe mit der rechten Hand ausgeholt, um Iulia in den Oberschenkel zu stechen, stellte der in der verlesenen Erklärung fest: „Sie hat mich echt provoziert. Ich wollte sie aber nicht töten, sondern ihr einen Denkzettel verpassen.“ Er erinnere sich nur an einen Stich. Ziel der Verteidigung ist es nach eigenen Angaben, den Mordvorwurf auszuräumen und eine Verurteilung wegen Totschlags zu erreichen.

Beim Prozessauftakt wollte die Verteidigung aber eine Erklärung des Angeklagten zum Tatablauf verlesen, wie Verteidiger Jenrich ankündigte. Darin sollte er die Bluttat schildern und die Mordmerkmale - Heimtücke und niedriger Beweggrund - ausräumen. „Wir sagen, beides ist zu verneinen“, sagte Anwalt Jenrich. Würde das Gericht dem folgen, stünde eine Verurteilung wegen Totschlags im Raum.

Von RND/dpa