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Panorama Madras Carry: Mit Taschen Gutes tun
Nachrichten Panorama Madras Carry: Mit Taschen Gutes tun
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15:00 06.01.2019
Ganz schön nachhaltig: Lächelnd präsentiert Farida, eine der Frauen, die für Madras Carry arbeiten, den von ihr aus recyceltem Kunststoff geflochtenen Korb. Quelle: Madras Carry
Berlin

Farida ist 45 Jahre alt und lebt unter einer Hochstraße. Fünf Quadratmeter müssen ihr und ihrem Sohn reichen, mehr Platz bieten die kleinen Verschläge unter den Schnellstraßen im indischen Chennai nicht. Um sich und ihren Sohn durchzubringen, flechtet Farida Taschen und Körbe.

Das Modell, das nach ihr benannt ist, besteht aus recyceltem Plastik – so wie alle Produkte, die Marlene Stroband in ihrem Onlineshop Madras Carry anbietet. Denn Plastik gibt es in Indien leider mehr als genug.

Auf den Bildern, die man im Internet von Farida und den anderen Korbflechterinnen aus Chennai sieht, strahlen die Frauen über das ganze Gesicht. Für ihre Arbeit werden sie nicht nur fair bezahlt, sondern vor allem auch anerkannt. Und Anerkennung ist für viele indische Frauen immer noch ein Fremdwort.

Faire Bezahlung und Anerkennung: Viele der Frauen, die die Körbe und Taschen für Madras Carry herstellen, hätten sonst kaum eine Chance auf dem Arbeitsmarkt. Quelle: Madras Carry

2017 gründete Stroband Madras Carry, um unter diesem Label fair produzierte Taschen und Körbe aus den Slums von Chennai nach Deutschland zu verkaufen. Carry wie Curry und Madras wie Chennai, denn so lautete bis 1996 der Name der südindischen Megacity, in deren Slums unzählige Frauen wie Farida versuchen, ganz ohne staatliches Netz und Familie ihr Leben in den Griff zu bekommen.

Stroband selbst kam 2014 nach Chennai. Sie begleitete ihren heutigen Ehemann nach Indien, der dort für einen deutschen Automobilhersteller tätig wurde. „Von Beginn an hatte ich die Idee, hier in Indien ein soziales Unternehmen aufzubauen“, berichtet sie. Es sollte etwas sein, was langfristig den Menschen vor Ort hilft – „und etwas, das eine Verbindung zwischen den deutschen und den indischen Frauen schafft“.

„In Deutschland hat man viel mehr Angst vor Taschendieben“

Über eine lokale NGO entstand der Kontakt zu den Frauen. Stroband ließ erste Modelle fertigen und reiste nach Berlin, um zu testen, ob ihre Taschen auch vor dem harten Urteil der modebewussten Hauptstädterin bestehen. Das taten sie – „und ich bekam auch unglaublich hilfreiches Feedback“.

Zurück in Indien reduzierte Stroband gemeinsam mit den Frauen zunächst die Farben. „Zu Anfang waren die Modelle noch kunterbunt, was ich für den deutschen Markt ändern musste“, sagt sie. Außerdem mussten die Taschen verschließbar sein. „Denn im Unterschied zu Indien, hat man in Deutschland viel mehr Angst vor Taschendieben“, sagt sie.

Gemeinsam mit den Frauen entwickelte Stroband das Basismodell Sangeeta. Mittlerweile gibt es eine erste richtige Kollektion. Saradha leiht ihren Namen dem Handtaschenmodell, Jyothi steht für eine Tasche mit herausnehmbarem Futter und Selvi für die edle City-Variante mit Lederelementen, die wiederum von einem kleinen Familienbetrieb zugeliefert werden. Auch ihren Lederhersteller kennt Stroband persönlich.

Schlicht und schick: Das Basismodell Sangeeta bietet viel Platz und ist sogar abwaschbar. Quelle: Madras Carry

Es gibt Kosmetiktaschen, Körbe zur Aufbewahrung kleiner und auch großer Dinge. Vor Kurzem probierte sich eine der Frauen an einer kleinen Clutch aus, die demnächst in die Kollektion aufgenommen werden soll. Ideen gibt es viele, „wichtig ist nur, dass sie auch den Qualitätsstandards entsprechen“, sagt Stroband. Schließlich stehen Farida und ihre Kolleginnen mit ihren Namen für jedes einzelne Produkt.

Die Arbeit bringt nicht nur Frauen, die in Indien keine Chance mehr auf dem Arbeitsmarkt hätten, in Lohn und Brot, sondern hilft auch ihren Kindern. Ein Teil des Gewinns fließt in Aus- und Weiterbildungsprojekte.

Als Stroband Farida das erste Mal zu Hause besuchte, saß gerade deren Sohn auf dem Boden und machte Hausaufgaben. Madras Carry soll auch helfen, dass er eine gute Schulbildung erhält.

Von Nora Lysk

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