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Panorama Institut wirft Hildesheimer Bistum Versäumnisse vor
Nachrichten Panorama Institut wirft Hildesheimer Bistum Versäumnisse vor
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17:33 16.10.2017
Gutachter Peter Mosser vom Institut für Praxisforschung und Projektberatung (IPP) und Weihbischof Heinz-Günter Bongartz stellten am Montag das Gutachten vor.  Quelle: dpa
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Hildesheim

 Demnach konnten elf gemeldete Fälle sexualisierter Gewalt während der Tätigkeit des Priesters in Hildesheim nachgewiesen werden, sechs davon seien den damaligen Bistumsverantwortlichen bekannt gewesen.

Das Bistum stellte am Montag gemeinsam mit dem Institut ein rund 250 Seiten zählendes Gutachten vor. Die Fälle sind laut Gutachtern inzwischen juristisch verjährt. Weihbischof Nikolaus Schwerdtfeger zufolge seien sie vom Bistum wieder aufgenommen und ein kirchenrechtliches Verfahren eingeleitet worden. Schwerdtfeger bat die Opfer und ihre Angehörigen um Vergebung. „Die eigene Schuld und das eigene Versagen lasten auf uns.“ Dem Bistum sei sehr bewusst, dass den Opfern großes Leid widerfahren sei. „Das macht mich bekümmert und zerknirscht, und es beschämt mich zutiefst.“

Der Vorwurf gegen den früheren Hildesheimer Bischof Heinrich Maria Janssen (1907-1988) könne weder bewiesen noch entkräftet werden, erläuterten die Gutachter. Janssen soll sich von 1958 bis 1963 regelmäßig an einem Messdiener vergangen haben, der zu Beginn der Übergriffe zehn Jahre alt war.

Jesuiten und Bistum schoben sich Veranwortung für den Priester zu

Im Fall von Peter R. hätten sich offenbar Jesuiten und Bistumsverantwortliche die Verantwortung für den sexuell übergriffigen Priester einander zuschieben wollten, sagte Gutachter Mosser. Es könne detailliert gezeigt werden, wie die katholische Kirche mit dem sexuellem Missbrauch umgegangen sei. Keine Gemeinde in die der Priester versetzt wurde, sei über die Gefahr informiert worden, die von ihm ausgegangen sei. Es lasse sich zudem ein „pastorales Muster“ erkennen, in dem versucht wurde, dem Priester zu helfen und neue Chancen zu ermöglichen.

Möglich sei, dass die gemeldeten Fälle nur die „Spitze des Eisbergs“ darstellten, sagte Mosser. Der suspendierte Priester Peter R. gilt als einer der Haupttäter im Missbrauchsskandal am Berliner Gymnasium Canisius-Kolleg. Zwischen 1982 und 2003 arbeitete er im Bistum Hildesheim.

Versäumnisse stellten die Gutachter auch fest im 2015 bekanntgewordenen Fall von Karin B., die sich als 14-jähriges Opfer von Peter R. an das Bistum und den damals zuständigen Weihbischof Heinz-Günter Bongartz gewandt hatte. Bongartz habe die Schilderungen des Mädchens nicht als sexuellen Missbrauch gewertet.

Missbrauchsfälle reichen bis in die 1950er Jahre zurück

Nach den 2010 am Canisisus-Kolleg enthüllten Taten hatte sich das Bistum mit einem öffentlichen Aufruf an mögliche weitere Opfer sexualisierter Gewalt gewandt. Innerhalb kürzester Zeit hätten sich 37 Menschen gemeldet, denen schweres Unrecht widerfahren sei. Die Fälle reichten teils bis in die 1950er Jahre zurück, hieß es. Alle Fälle von 1995 bis 2010 seien der Staatsanwaltschaft gemeldet worden.

Laut Institut reicht es jedoch nicht aus, Fälle allein an strafverfolgende Behörden weiterzuleiten. Wichtig sei auch, dass sich die kirchlichen Verantwortlichen mit staatlichen Einrichtungen besser vernetzten. Ansprechpersonen in Fragen zu sexuellem Missbrauch seien teils überfordert und ihre Position müsse daher gestärkt werden. Sexualisierte Gewalt in der katholischen Kirche werde dem Gutachten zufolge unwahrscheinlicher, wenn diese sich nach außen öffne und eigene Fehlbarkeit akzeptiere.

Domkapitular Martin Wilk kündigte konkrete Schritte an. So solle ein bereits bestehender Beraterstab aufgewertet werden, auch durch eine unabhängige Person an der Spitze. Ebenfalls wolle das Bistum fünf regionale und unabhängige Ansprechpartner für Missbrauch in den Regionen einsetzen, die die Interessen der Betroffenen vertreten sollen. Außerdem sollten Fortbildungen in der Prävention vertieft werden.

Das Institut für Praxisforschung und Projektberatung hat nach eigenen Angaben mehrere Missbrauchsfälle in kirchlichen Einrichtungen untersucht. Zurzeit liefen Studien im Heimbereich und zur Odenwaldschule. Zum dem Bistum in der östlichen Hälfte Niedersachsens gehören rund 615.000 katholische Christen.

Von RND/epd

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