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Panorama Mehr als 100 Festnahmen bei bundesweiter Großrazzia
Nachrichten Panorama Mehr als 100 Festnahmen bei bundesweiter Großrazzia
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11:38 18.04.2018
Polizisten überprüfen Personalien im Rotlichtmilieu. Quelle: dpa
Stuttgart

Es ist die größte Razzia in der Geschichte der Bundespolizei: Seit den frühen Morgenstunden geht die Polizei gegen organisierte Kriminalität im Rotlichtmilieu vor. Es geht um Zwangsprostitution von Thailänderinnen. Mehr als 100 Menschen wurden nach bisherigem Stand bundesweit vorläufig festgenommen.

Unter anderem ist auch die Spezialeinheit GSG9 in Siegen im Einsatz. Dort wurden zahlreiche Haftbefehle vollstreckt und eine Reihe von Menschen festgenommen. Hauptbeschuldigte ist nach Angaben der Bundespolizei eine 59 Jahre alte Frau aus Thailand, die in Siegen wohnt und dort verhaftet wurde. Allein in Siegen seien zwei Haftbefehle vollstreckt und acht Menschen vorläufig festgenommen worden. „Aber es werden noch mehr werden“, sagte ein Sprecher der Bundespolizei an diesem Einsatzort.

Mit einer groß angelegten Razzia hat die Bundespolizei zum Schlag gegen Organisierte Kriminalität ausgeholt. Es handele sich um die größte Zugriffs- und Durchsuchungsmaßnahme seit Bestehen der Bundespolizei.

Schwerpunkte der Aktionen waren Nordrhein-Westfalen mit 17 durchsuchten Einrichtungen, Hessen (10), Niedersachsen und Baden-Württemberg (je 9).

Seehofer: Skrupellosem Vorgehen konnte ein Ende gesetzt werden

Frauen und Transsexuelle sollen – wohl zu hunderten – mit gefälschten Visa nach Deutschland geschleust worden sein, um anzuschaffen. Das eingenommene Geld mussten die Opfer an ihre Peiniger abgeben, wie eine Sprecherin der Bundespolizeidirektion Stuttgart am Mittwoch sagte. 17 Hauptbeschuldigte stünden bundesweit im Fokus. Die Prostituierten sollen wohl zu hunderten von Bordell zu Bordell gereicht worden sein. Wie alt sie sind, wollte die Sprecherin zunächst nicht sagen.

Auf Twitter teilten die Behörden mit, dass es sich bei dem Einsatz um den größten seit Bestehen der Bundespolizei handle.

Bundesweit werden seit 6 Uhr zahlreiche Privatwohnungen und Bordelle durchsucht – mehr als 60 Einrichtungen sollen es sein, etwa 1500 Beamte der Bundespolizei seien im Einsatz, sagte die Sprecherin. Das Verfahren liege bei der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt/Main.

Bundesinnenminister Horst Seehofer sagt: „Viele hunderte Frauen und Männer waren der menschenverachtenden grenzenlosen Profitgier von Schleusern über Jahre und Landesgrenzen hinweg ausgeliefert. Diesem skrupellosen Vorgehen und der sexuellen Ausbeutung in einem abscheulichen Ausmaß konnte heute ein Ende gesetzt werden. Ich danke allen Beteiligten für ihren Einsatz.“

Verdächtige mit Einnahmen in siebenstelliger Höhe

„Die Frauen und Transsexuellen aus Thailand wurden wie im Rotationsbetrieb von Bordell zu Bordell weitergereicht“, sagte die Sprecherin der Bundespolizei. „Sie wurden zwangsprostituiert und mit erschlichenen Visa nach Deutschland eingeschleust.“ Zwischen 16.000 und 30.000 Euro hätten sie dafür bezahlt. „Das mussten die Damen dann abarbeiten.“

Die Ermittler gehen davon aus, dass die Verdächtigen damit Einnahmen in siebenstelliger Höhe erzielten. Sie sollen in einem Netzwerk zusammengearbeitet haben.

Von RND/HAZ/dpa