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Panorama Gerettete Jungen: „Unser Trainer ist wie unser Vater“
Nachrichten Panorama Gerettete Jungen: „Unser Trainer ist wie unser Vater“
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16:51 18.07.2018
Die zwölf Jugendfußballer und ihr Trainer bei ihrer Pressekonferenz. Quelle: epa
Chiang Rai

Acht Tage nach dem glücklichen Ende des Höhlendramas hat das gerettete Fußball-Team das Krankenhaus verlassen. Als erstes fuhren sie zu einer Pressekonferenz. Die Fragen wurden vorher eingereicht und Psychologen präsentiert, um neue Traumatisierungen zu verhindern.

Die Jungen betreten im einheitlichen Teamdress und mit gefalteten Händen als Ehrerbietung den Saal, in dem die Pressekonferenz stattfindet. Doch erst wird gekickt: Jeder der Jungs kriegt einen Ball und darf auf das eigens eingerichtete Spielfeld. Anschließend werden die Spieler als die „Die Wildschweine aus der Höhle“ vorgestellt.

Mehr als zwei Wochen harrten die „Wildschweine“ in einer thailändischen Höhle aus. Schon kurz nach ihrer spektakulären Rettung grüßten die jungen Fußballer und ihr Trainer aus dem Krankenhaus ihre Familien und Freunde.

Zunächst wird der verantwortliche Arzt gefragt, ob die Kinder fit genug gewesen seien, das Krankenhaus zu verlassen. Die Antwort ist eindeutig: „Ja. Sie haben eine sehr gute mentale und körperliche Stärke.“ Man habe sie eingehend psychologisch betreut, bevor sie in die Öffentlichkeit entlassen wurden. Sie hätten durchschnittlich drei Kilo im Krankenhaus zugenommen. „Ich denke, sie sind so weit.“

Hier darf gespielt werden: Vor der Pressekonferenz durften die Thailänder Fußball spielen. Quelle: dpa

Warum die Kinder so gesund seien, wird ein Helfer gefragt? „Sie haben schon in der Höhle nach zwei, drei Mahlzeiten davon geredet, raus zu gehen und etwas Leckeres essen zu wollen. Sie sind gewiss bereit.“ Eine weitere Ärztin wird befragt, die mit allen Jungen gesprochen hat. Sie berichtet von verschiedenen Spielen und Therapieformen, die angewandt wurden, um die Stressresistenz der Jungs zu ermitteln. „Es gibt nichts mehr, was uns Sorgen machen müsste. Sie waren schon in der Höhle mental sehr stark.“ Und waren die Jungs mal ungezogen, lautet eine Frage. „Nein, nein – die waren immer sehr brav.“

„Ich bin elf Jahre alt und spiele links und rechts auf den Flügeln“

Anschließend stellt das Team sich samt ihrem Trainer vor. Alle stehen einzeln auf und sagen ihren Namen und ihre Spielposition in der Mannschaft. „Ich bin elf Jahre alt und spiele links und rechts auf den Flügeln“, sagt der kleinste der Spieler quietschvergnügt.

Dankbar: Die „Wildschweine“ erreichen die Pressekonferenz. Quelle: Getty Images

Der Moderator fragt: „Wer war der Erste, der dem englischen Taucher (der die Kinder entdeckte, Red.) geantwortet hat? Einer der Jungen meldet sich erzählt: „Es war schon abends, wir haben Stimmen gehört und gelauscht, wir wollten sicher sein, dass wir uns nichts einbilden. Aber ich habe auch etwas gesehen. Ich habe dann eine Taschenlampe genommen und bin runtergegangen – und ich habe ihn gegrüßt, als er aus dem Wasser kam. Zuerst dachte ich, das sei ein Thailänder. Aber dann sah ich, dass es ein Engländer war. Er sagte ,Hello’ und ich habe dann auch ,Hello’ gesagt. Er fragte, wie es mir geht. Ich war sehr aufgeregt und etwas ängstlich und habe ihm dann gesagt, dass wir 13 Leute sind. Darüber hat er sich sehr gefreut.“ Der Taucher habe ihn gefragt, wie lange sie schon in der Höhle seien. „Ich sagte ,ten days’. Und natürlich haben wir gesagt ,eat, eat, eat’, um zu sagen, dass wir hungrig sind.“

„Ich war für Frankreich. Die Ärzte haben auf Kroatien gesetzt“

„Habt ihr eigentlich das WM-Finale im Krankenhaus geschaut?“, schiebt der Moderator zwischen. „Ja natürlich, das war ganz toll. Wir haben viel Spaß gehabt. Ich war für Frankreich – mein Lieblingsspieler ist Antoine Griezmann. Die Ärzte haben eher auf Kroatien gesetzt.“

Dann kommt eine der entscheidenden Fragen: „Weshalb seid ihr in die Höhle gegangen?“ „Wir hatten schon eine Woche vorher geplant, uns die Höhle anzuschauen. Nach einem Testspiel im Trainingslager sind wir zur Höhle aufgebrochen.“ „Wie tief seid ihr denn gelaufen?“ Recht tief, berichten die Jungs. „In der Einmündung war schon etwas Wasser und wir haben uns gefragt, ob wir da rein sollen, denn wir hatten nur eine Stunde Zeit, weil einer der Spieler Geburtstag hatte und nach Hause auf eine Feier wollte. Irgendwann sind wir stecken geblieben in einer Pfütze.“

„Wir sind irgendwo geblieben, wo eine Wasserquelle war“

Später hätten sie auf die Uhr geschaut und gesehen, dass die Stunde schon vorbei war. „Wir sind dann zurückgelaufen bis zur Einmündung. Plötzlich sagte einer, wir haben uns verlaufen“, so der Trainer. „Dann habe ich gemerkt, oben ist Sand, unten sind Steine. Ich zog das Seil und sagte den Kindern, wir können nicht raus.“

„Dann haben wir beschlossen, ganz ruhig zu bleiben. Und wir haben angefangen zu graben, damit das Wasser abläuft. Das hat aber nichts genützt. Gegen 18 Uhr haben wir beschlossen, dass wir uns einen Schlafplatz suchen.“ Er habe versucht, sein Team zu beruhigen. „Wir sind dann irgendwo geblieben, wo eine Wasserquelle war. An Essen hatten wir nicht gedacht. Vor dem Einschlafen haben wir kurz gebetet.“

Und was dachte sein Team? Die Kinder erzählen, sie hätten Angst gehabt, dass sie Ärger von ihren Eltern bekommen, weil sie zu spät kämen.

„Das Wasser hat geschmeckt wie normales Wasser“

„Wie habt ihr denn eigentlich überlebt?“, lautet eine Frage. „Wir haben einander Mut gemacht und nach Wasserquellen gesucht.“ Das Wasser von den Höhlenwänden hat geschmeckt wie normales Wasser“, sagt einer der Jungs.

Einer der Retter, der bei den Jungen war, berichtete, wie sie versucht hätten, den Wasserpegel zu reduzieren, um einen Zugang zu schaffen. „Aber wir stellten fest, dass das nicht ging, Wir mussten auf Hilfe von außen warten und bekamen langsam Angst.“ Als die Retter das Team entdeckte, waren die 13 nackt, weil ihre Kleider nass waren. „Wir riefen ihnen zu: ,Wildschweine’ – und sie antworteten ,kämpfen’. Da wussten wir, die Moral stimmt.“ Einer der Taucher berichtet weiter: „Wir haben viel geredet in den Tagen – und gespielt. Ich habe ihnen Spiele beigebracht.“

„Der Trainer ist wie unser Vater“

Der Trainer wirft ein: „Wir sind wie eine Familie.“ Und ein Junge ergänzt: „Unser Trainer ist wie unser Vater.“

Als es um die Rettung geht, verrät ein Navy Seal, dass der kleinste der Jungen eigentlich zuerst herausgeholt werden sollte. „Doch es gab keine ausreichend kleine Atemmaske für ihn – und so musste er bis ganz zum Schluss warten.“ Zudem habe die Reihenfolge der Befreiung aus der Höhle auf Freiwilligkeit basiert. „Sie haben das selbst entschieden.“

„Wir sind dankbar für diese Lektion“

Der Tod des einen Rettungstauchers, der den Jungs erst viel später mitgeteilt wurde, sei ein „großer Schock“ gewesen. Das Team präsentiert ein selbstgemaltes Bild von Saman Kunan, den alle nur Sergeant Sam nannten. Ein Junge liest die Botschaft darauf, in der sich die Kinder bei dem Taucher für sein Opfer bedanken und seiner Familie kondolieren. „Ruhe in Frieden.“

Das Team zeigt das Bild des toten Tauchers, dass im Krankenhaus entstanden ist. Quelle: epa

Der Coach ergänzt: „Wir sind dankbar für diese Lektion – die Lektion, unser Leben sinnvoll zu gestalten.“ Einer der Jungs fügt hinzu: „Wir waren leichtsinnig, wir wussten nicht, was kommt. Diese Lektion, erst zu denken und dann zu handeln – die haben wir gelernt. Es wird einen großen Einfluss auf die künftigen Entscheidungen meines Lebens haben.“

Das Gemeinschaftserlebnis habe sie stärker gemacht, sagen einige Jungs – und dass sie Fußballer werden wollen. Und Navy Seals ... Auch eine gute Schulausbildung wird erwähnt – aber der Berufswunsch Profifußballer ist in der Mehrheit. Das klingt in beruhigender Weise normal.

„In die Höhle nur noch als Tourguide“

„Würdet ihr noch mal in die Höhle gehen“, lautet eine Frage? „Allerhöchstens als Tourguide“, sagt einer. Die Anderen verneinen das allerdings energisch.

Der Moderator lenkt das Thema auf Angenehmeres. „Habt ihr denn alles gegessen mittlerweile, was ihr euch gewünscht habt?“ Als Antwort prasselt ein Regen von unterschiedlichsten Süßigkeiten und thailändischen Spezialitäten auf den Frager ein.

Die Jungs entschuldigen sich bei ihren Eltern, dass sie ihnen nichts von dem geplanten Höhlenausflug erzählt hätten. Und sie erzählen von den Flunkereien gegenüber ihren Eltern, um den Ausflug zu verschleiern.

Am Ende wird noch dem König gedankt

Der Moderator schließt die Pressekonferenz mit den Worten, dass es eine Freude sei, zu sehen, dass die Jungen wohlauf seien. Der letzte Dank gilt dem thailändischen König, vor dessen Porträt sich die Jungen verbeugen.

Die Fußballer hatten am 23. Juni, kurz vor der Regenzeit und trotz aller Warnungen einen Ausflug in die Höhle unternommen. Dort wurden sie von Wassermassen überrascht. Erst nach 17 Tagen kamen die letzten frei. Das Drama und die glückliche Rettung wurden in aller Welt verfolgt.

Von Daniel Killy/RND

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