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Panorama Gemeinsam erfolgreich: Warum ein gutes Team nicht aufzuhalten ist
Nachrichten Panorama Gemeinsam erfolgreich: Warum ein gutes Team nicht aufzuhalten ist
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11:00 22.09.2018
Herausragende Teamleistungen sind selten. Denn noch immer gilt die Leistung von Einzelkämpfern mehr als die einer ganzen Gruppe. Ein Fehler. Quelle: Montage: RND, Fotos: Kevin Smart/iStock, DIGIcal/iStock
Hannover

Eine kleine Gruppe von Radfahrern verwirklicht einen Traum: Sie radelt das RAAM, das Race Across America, das schwerste und anspruchsvollste aller Radrennen. Los geht es an der Westküste und dann quer durch die USA bis an die Ostküste, vom Pazifik zum Atlantik.

Dann geschieht das Unglaubliche: Die Thüringer schaffen es nicht nur, dieses Wahnsinnsrennen zu überstehen – sie gewinnen das 35. Race Across America sogar.

Wie aber konnte es einem No-Name-Team – zu dem auch wir Autoren gehörten – aus der deutschen Provinz gelingen, mit dem sagenhaften Vorsprung von 4 Stunden und 36 Minuten die Besten der Besten auf die Plätze zu verweisen? Wie konnte dieser Traum wahr werden?

Vom Träumer zum Getriebenen

So: Eine Gemeinschaft von mehreren Menschen, ein Team aus ganz unterschiedlichen Typen und mit unterschiedlichen Fähigkeiten, die aber alle den gleichen Traum verfolgen und fest entschlossen sind, ihn gemeinsam zu verwirklichen – so ein Team ist nicht aufzuhalten. Nicht durch ungünstige Voraussetzungen, nicht durch Geldmangel und erst recht nicht durch unterwegs auftauchende Schwierigkeiten. Noch nicht einmal durch innere Konflikte, die bei solchen Unterfangen zwangsläufig entstehen.

Die meisten Menschen glauben, dass Höchstleitungen nur durch die harte Arbeit eines Einzelnen zu erreichen sind. Zu der wird der Begabte erst einmal gezwungen, am besten von Anfang an, also im Kindergarten oder spätestens in der Schule. Erfolgreich zu sein heißt für sie, alle anderen zu überflügeln.

Nur: Wer so träumt, wird schnell vom Träumer zum Getriebenen. Solche Einzelkämpfer vollbringen oft bemerkenswerte Leistungen. Aber zwangsläufig auf Kosten derer, die sie ausgenutzt und frustriert zurückgelassen haben. Wer so unterwegs ist – und dabei auch noch Erfolg und Anerkennung findet –, kann sich nicht mehr vorstellen, was möglich wäre, wenn die Mitglieder einer Gemeinschaft sich auf den Weg machen, um einen gemeinsamen Traum zu verwirklichen.

Den Mut haben, sich vorzustellen, dass es auch anders sein könnte

Weil die Kraft, die Menschen dabei bisweilen entfalten, so unvorstellbar groß werden kann, werden Visionäre gern als Träumer bezeichnet. Das klingt ungefährlich. Das macht weniger Angst. Denn träumen kann jeder zu Hause im Bett, was er will. Dadurch ändert sich nichts an den Realitäten. Träume sind Schäume, heißt es, und die im Schlaf vom Gehirn hervorgebrachten Traumgebilde sind beim Aufwachen ja oft auch schon wieder verschwunden.

Dabei beginnen alle tiefgreifenden Veränderungen damit, dass jemand den Mut hat, sich vorzustellen, dass es auch anders sein könnte, als es ist. Nur wir Menschen sind zu dieser Gedankenleistung in der Lage. Nur wir können uns etwas vorstellen, also eine Idee von etwas entwickeln, was es noch gar nicht gibt. Und wenn dann auch noch andere Personen den gleichen Traum in sich tragen und sich zusammentun, um ihn zu verwirklichen, wird das zur Realität, was anfangs einer zunächst nur zu träumen gewagt hat.

Sobald die Mitglieder eines Teams bereit sind, einander wirklich zu begegnen und ihr unterschiedliches Wissen und Können ohne Vorbehalte und Eigeninteressen zusammenzuführen, erwächst eine außergewöhnliche Kraft. Dann vollbringen diese Gemeinschaften Leistungen, die niemand, nicht einmal sie selbst, ihnen zugetraut hätte.

Heute werden Menschen gebraucht, die zusammenarbeiten

Solche herausragenden Teamleistungen sind selten. Denn noch immer gilt die Leistung von Einzelkämpfern mehr als die einer ganzen Gruppe. Das beginnt mit den Selektionsverfahren an unseren Schulen, geht weiter über die Auswahlkriterien von Universitäten und Ausbildungseinrichtungen, über die Einstellungskriterien von Unternehmen und Organisationen bis hin zu den oberen Sprossen auf der Aufstiegsleiter: Überall sind Einzelkämpfer gefragt.

Im letzten Jahrhundert war das noch eine durchaus erfolgreiche Auslesestrategie. Aber heute, im 21. Jahrhundert, mit den gewachsenen Anforderungen, der zunehmenden Komplexität, werden Menschen gebraucht, die zusammenarbeiten, anstatt sich gegenseitig zu überholen. Mitarbeiter, die ihr Wissen und Können mit anderen teilen und auf diese Weise Leistungen hervorbringen, die kein Einzelner von ihnen zu erbringen imstande ist. Die praktische Umsetzung dieses Wissens fällt vielen schwer.

Vereinzelung und körperlicher Schmerz sind sich ähnlich

Einzelkämpfer sind enormen Belastungen ausgesetzt, wenn sie nicht durch verlässliche Beziehungen mit anderen verbunden sind, hat der Hirnforscher Gerald Hüther beobachtet. Die Vereinzelung aktiviert die gleichen Verknüpfungen im Hirn, die auch dann aktiviert werden, wenn ein Mensch an einer Störung im eigenen Körper leidet, die sich dann als körperlicher Schmerz äußert.

Umgekehrt aktiviert Gemeinschaftserfahrung Verknüpfungen, die sich als Erfolgsrezept entpuppen: Sie sorgen dafür, dass ein Team etwas schafft, was keiner dem Einzelnen je zugetraut hätte – und was der Einzelne allein kaum bewältigt hätte.

Das Radrenn-Dream-Team, das elf Monate vor dem Start noch gar nicht existierte und das in seinen Reihen sogar jemanden hatte, der vorher noch nie auf einem Rennrad saß, zeigt, worauf es ankommt: ob es den Mitgliedern einer Gemeinschaft gelingt, einander zu vertrauen und zu stärken. So wird das Unmögliche möglich und das Undenkbare zu greifbarer Realität.

Zu den Autoren: Nicole Bauer, Jahrgang 1978, ist selbstständige Rechtsanwältin und gewann 2016 als einzige Frau im 4-Person-Mixed Team das Race Across America. Ihr Teamkollege Sven Ole Müller, Jahrgang 1969, ist Entrepreneur und Speaker. Zusammen mit dem Hirnforscher Gerald Hüther haben sie jetzt ein Buch geschrieben. “Wie Träume wahr werden. Das Geheimnis der Potentialentfaltung“ erscheint am 24. September bei Goldmann.

Von Nicole Bauer und Sven Ole Müller

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