Menü
Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine
Anmelden
Panorama Gegen die Glamour-Norm: Die neue Echtheit auf Instagram
Nachrichten Panorama Gegen die Glamour-Norm: Die neue Echtheit auf Instagram
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:52 27.07.2018
Ich will mich zeigen, wie ich bin: Instagram-Nutzerinnen wie @fraugehlhaar zeigen Bilder aus ihrem Leben – ganz ohne Retortenglamour und Klischees. Quelle: Instagram/Laura Gehlhaar
Hannover

Weit zurückgelehnt sitzt die Frau auf einem Stuhl, das rechte Bein angewinkelt. Der rosafarbene Morgenmantel ist geöffnet, ein grauer BH wird sichtbar, ein grauer Slip und ein Bauch, der sich dazwischen wölbt.

Auf einem anderen Bild trägt ein Mensch – Mann? Frau? – Lippenstift und Ohrringe, hat die Lippen kokett zum Schmollmund verzogen. Ein drittes zeigt eine Frau im Rollstuhl, die ihre Füße in einem Planschbecken abkühlt. Das ist die neue Wahrheit auf Instagram.

Instagram kennen die meisten Menschen als Fotoplattform für all die Schönen, Selbstbewussten und ja, Eitlen, die ihr Leben gerne als eine einzige Abfolge zauberhafter Momente inszenieren. Jedenfalls fotografisch. Und am liebsten mit Filter. Instagram ist das Forum für Menschen, die nach Anerkennung in Form von Likes und Followern hungern.

“Wir laufen durch die Stadt und sehen an den Litfaßsäulen immer gleich aussehende Frauen“, sagt Melanie-Jasmin Jeske – und hinterfragt mit ihrem Instagram-Account normierte Sehgewohnheiten. Quelle: Melodie Michelberger/Instagram

Wie man die bekommt? Indem man so perfekt gestylt ist, wie es der Zeitgeist gerade verlangt. So schlank, so fröhlich, so ausgestattet mit immer dem richtigen Drink in der Hand, den richtigen Freunden zur Seite.

Nur: Die Bilderflut von der Sonnenseite des Lebens lässt normale Menschen allzu leicht vergessen, dass dies eine inszenierte Realität ist. Und in entsprechende Selbstzweifel verfallen.

Genau dagegen macht jetzt eine Gegenbewegung mobil. Instagram entwickelt sich immer stärker zu einer Plattform, auf der vor allem Frauen gegen die Normen-Macht der sozialen Medien aufbegehren. Sie setzen auf ungeschönten Alltag – und Spaß an der Auseinandersetzung.

Kurven fallen auf

Das zeigt sich zum Beispiel an Accounts wie dem von Melanie-Jasmin Jeske. Die Frau mit den blonden Haaren, dem langen Pony und der üppigen Figur ist im Internet auch als “Melodie Michelberger“ bekannt. So heißt auch ihr Instagram-Account.

Sie zeigt dort, wie sie den Balkon bepflanzt, mit ihrem Sohn in einem Buch liest – oder wie sie eben in Unterwäsche weit zurückgelehnt auf einem Stuhl sitzt. Jeskes Fotos sind nicht retuschiert, sie verdeckt keine Dellen, zeigt ihren Körper. Der entspricht nicht dem, was als Norm suggeriert wird. Er ist kurvig. Und das fällt auf.

“Wir haben bestimmte Sehgewohnheiten“, sagt Jeske. “Wir laufen durch die Stadt und sehen an den Litfaßsäulen immer gleich aussehende Frauen. Die sind in einem bestimmten Alter, haben eine bestimmte Größe, eine bestimmte Hautfarbe.“

“Das Thema Behinderung ist mit vielen Vorurteilen belastet“, sagt Laura Gehlhaar – und zeigt Bilder aus ihrem Alltag mit Rollstuhl. Quelle: Instagram/fraugehlhaar

Ihre Fotos sind anders. Sie irritieren. Das ist gut. Und verhilft zu der Erkenntnis, wie sehr der eigene Blick an normierte Darstellungen gewöhnt ist. Und die Bilder trotzen dem gängigen Schönheitsideal von der schlanken Frau. Sie machen sichtbar, dass Körper unterschiedlich aussehen und Norm nicht Normalität bedeutet.

Sichtbar zu sein ist für fast alle Menschen wichtig in einer Gesellschaft. Denn wer nicht gesehen wird, dessen Interessen werden nicht vertreten, der wird marginalisiert, diskriminiert. “Instagram ist für mich ein gutes Medium, um Geschichten aus meiner Welt zu zeigen“, sagt Laura Gehlhaar, deren Account “fraugehlhaar“ heißt. “Und damit auch Dinge zu zeigen, mit denen andere nicht so viel Berührungspunkte haben.“

Gehlhaar sitzt im Rollstuhl, gehört also zu einer gesellschaftlichen Minderheit. „Das Thema Behinderung ist mit vielen Vorurteilen belastet“, sagt sie. “Die einen heben einen auf ein Podest, weil man es schafft, trotzdem das Leben zu meistern. Und andere sehen einen als Opfer.“

Selbstdarstellung mit ernstem Hintergrund

Entsprechend seien auch die wenigen Beiträge, die es in den Medien über Menschen mit Behinderungen gibt. Gehlhaar findet sich darin nicht wieder. Deswegen nutzt sie Instagram, um ihr Leben so zu zeigen, wie sie es möchte. Ohne Opferrolle, ohne Überhöhung. Sie macht das lieber mit dunklem Humor.

Zum Beispiel, indem sie unter ein Foto, das sie in einer Kirche zeigt, schreibt: “Laufen kann ich immer noch nicht. Danke Jesus. Für nichts.“

Sicher, auch Laura Gehlhaar nutzt Instagram zur Selbstdarstellung. Aber mit ernstem Hintergrund: Für Menschen in marginalisierten Gruppen ist dies eine der wenigen Chancen, selbst zu entscheiden, wie über sie berichtet wird.

“Lass Dir von niemandem vorschreiben, was oder wie Du sein sollst“: Viele Instagram-Nutzerinnen setzen auf Originalität und Respekt statt Retortenglamour. Quelle: Instagram/recipesforselflove

Doch nicht nur Fotos zeugen von dieser neuen gesellschaftspolitischen Phase Instagrams. Die Plattform wird auch vermehrt genutzt, um Memes und Illustrationen zu verbreiten, neben denen eine Botschaft steht. “Frauen müssen sich nicht rasieren“, schreibt die Leipziger Illustratorin Lea Wegner zum Beispiel neben die Illustration einer Frau, die sie auf ihrem Account “slingaillustration“ zeigt. Oder “Liebe hat kein Geschlecht“.

Sie will sich gegen Normen wenden, denn: “Normen machen einfach keinen Sinn bei Dingen, die als Spektrum verstanden werden sollten, wie Körperformen, Sexualität, Gender und so weiter. Dort schränken sie ein und machen allen, die nicht in diesen engen Bereich der Norm fallen, das Leben schwer.“

Instagram wird so zu einem Ort, an dem Toleranz und Akzeptanz, Rücksichtnahme und Respekt geschätzte Werte sind. An dem Frauen sich gegenseitig ermutigen, statt auf Retortenglamour auf ihre ureigene Originalität zu setzen.

Von Maike Brülls/RND

Weil Im Zoo von Kairo offenbar keine echten Zebras zur Hand waren, haben Angestellte zwei heimische Esel umlackiert. Doch wegen der hohen Temperaturen, flog der Schwindel auf.

27.07.2018

Die Sommerhitze der vergangenen Tage scheint manchem zu schaffen zu machen. Einem Radler ist sie jedoch besonders zu Kopf gestiegen. Mit seinem Rennrad fuhr er splitterfasernackt durch Kiel. Und das auch noch viel zu schnell.

27.07.2018

Das Dorf taucht in keinem Reiseführer auf – aus gutem Grund. In dem Viertel auf der Baleareninsel wird heftig mit Rauschgift gedealt. Insbesondere Touristen zählen zu den Kunden. Schon lange ist geplant, die Bewohner umzusiedeln und die Siedlung abzureißen. Doch erst jetzt werden die Pläne konkret.

27.07.2018