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16:57 26.05.2018
Schlicht spektakulär: Meghan Markle (mit Prinz Harry) und Designerin Clare Waight Keller haben in der Reihe der königlichen Brautkleider neue Maßstäbe gesetzt. Quelle: POOL PA
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Hannover

Für so manchen mag Cate Blanchett am siebten Tag des Filmfestivals in Cannes ausgesehen haben wie eine Prinzessin. Am Abend dieses Montags schritt die Schauspielerin in einer Robe über den roten Teppich, die so eindringlich in Nuancen von Rot, Schwarz, Violett und Himmelblau schimmerte, dass der Vergleich mit einem Regenbogen nahelag.

Die Designerin, die das Kleid entworfen hatte, war Clare Waight Keller. Sie gratulierte Blanchett auf Instagram. Nicht zu ihrem Outfit, sondern zu ihrer Arbeit als Jurypräsidentin. An diesem Montag jedoch wusste – mal abgesehen von Kennern der Branche – kaum jemand, wer Clare Waight Keller eigentlich ist.

Am Sonnabend vor Pfingsten änderte sich das schnell. Mittlerweile weiß jeder Zweite, dass Clare Waight Keller künstlerische Direktorin des französischen Modehauses Givenchy und dreifache Mutter ist – und das Brautkleid von Meghan, Herzogin von Sussex, designt hat.

Strenger Rollkragen trifft auf verspielte Regenbogenrüschen: Cate Blanchett zog in Givenchy Haute Couture bei den Filmfestspielen in Cannes alle Blicke auf sich. Quelle: AP

Millionen von Zuschauern hatten die Trauung auf Schloss Windsor verfolgt, und später fand sich niemand, der den minimalistischen Entwurf mit dem zurückhaltenden U-Boot-Ausschnitt kritisiert hätte. Ganz im Gegenteil: “Like a long, cool glass of water“ schrieb der “Guardian“ voller Bewunderung. Es dauerte nicht lange, bis der Vergleich zu Audrey Hepburn gezogen wurde. Die Schauspielerin hatte 1954 ebenfalls in Givenchy geheiratet – damals noch mit Rüschen und Puffärmeln.

Das Kleid der Herzogin dagegen war so herausragend, gerade weil es so schlicht war. Wie Keller später in einem Interview im Kensington-Palast erwähnte, befindet sich am Oberkörper nicht eine Naht. Das allein gleicht schon einem Kunstwerk, schließlich verhindern Abnäher normalerweise störende Bewegungsbeulen.

Es besteht kein Zweifel: Der Entwurf hat in der Reihe der königlichen Brautkleider neue Maßstäbe gesetzt – und wird mit Sicherheit die Brautmode der nächsten Jahre prägen. Im Jahr 2011 noch hatte Kate für eine Renaissance der Spitze gesorgt und mit ihrem sehr traditionellen Entwurf ein Zeichen gesetzt: Seht her, ich beuge mich der Tradition und stelle mein Leben in den Dienst des Königreichs. Das zumindest konnte man aus der modernen, aber auch prunkvollen Robe lesen.

Clare Waight Keller, künstlerische Direktorin von Givenchy, mit ihren Skizzen für das minimalistische Brautkleid, das Meghan Markle bei ihrer Hochzeit mit Prinz Harry trug. Quelle: Imago

Mit Meghan dagegen gehört nun nicht nur erstmals eine Frau mit afro-amerikanischen Wurzeln dem Königshaus an, sondern auch eine bekennende Feministin. Auch deshalb, heißt es, habe das Brautkleid eine Frau entworfen. Dass dieses nun ausgerechnet einer Designerin zu verdanken ist, die keiner der gut informierten Buchmacher auf der Liste hatte, ist eine Überraschung – und die wiederum sind eine Spezialität Kellers.

Die 47-jährige Britin hatte Stationen bei Calvin Klein, Ralph Lauren, Chloé und Gucci hinter sich, als sie zur künstlerischen Direktorin von Givenchy Haute Couture und Prêt-à-porter ernannt wurde. Ihr Stil gilt als romantisch und wenig verspielt. Sie steht für eine Rückbesinnung auf die Ideale Hubert de Givenchys. Ob diese Entscheidung richtig war, hatten Beobachter der Branche bezweifelt. Der dreifachen Mutter, hieß es, fehlten Kontakte zu Stars.

Vor wenigen Tagen stellte der Kensington-Palast die Homepage der Herzogin online. Dort steht erstmals in großen Buchstaben das Wort Feministin. Clare Waight Keller arbeitet an nächsten Projekten. Der Image-Schub, den sie Givenchy verschafft hat, ist überwältigend – ganz ohne das Wort Feministin oder ein ­T-Shirt mit Botschaft.

Von Dany Schrader

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