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Panorama Falsche Polizistin muss drei Jahre ins Gefängnis
Nachrichten Panorama Falsche Polizistin muss drei Jahre ins Gefängnis
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15:33 01.10.2018
Dreiste Masche: Am Telefon gaben sich die Täter als Polizisten aus und brachten ihre Opfer dazu, einer angeblichen Beamtin die Wertsachen zu übergeben. Quelle: Britta Pedersen/dpa
Darmstadt

Mit einer miesen Masche hatten Betrüger ältere Menschen um Geld und Gold gebracht: Am Telefon gaben sie sich als Polizisten aus und brachten ihre Opfer dazu, einer angeblichen Beamtin die Wertsachen zu übergeben. Doch die echte Polizei konnte die Trickbetrügerin fassen – am Montag hat das Amtsgericht Darmstadt die 35-Jährige wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs zu zwei Jahren und elf Monaten Haft verurteilt.

Die zweifache Mutter hatte ein Geständnis abgelegt. Demnach gab sie sich in drei Fällen gegenüber älteren Damen als Polizistin aus, damit diese ihr Geld, Münzen und Goldbarren aushändigen. Betrüger hatten zuvor von einem Call-Center in der Türkei aus bei den Opfern angerufen und sie in perfektem Deutsch überredet, etwa zum Schutz vor Einbrecherbanden die Wertsachen bei der Autobahnpolizei einzulagern und dafür einer Beamtin zu übergeben.

Frau wollte nicht sagen, warum sie bei den Taten mitgemacht hatte

Der Anklage zufolge hatte in einem Fall ein Opfer aus Heidesheim bei Mainz sein Bankschließfach geleert und der Frau im Main-Taunus-Zentrum in Sulzbach Goldbarren und Münzen im Wert von rund 152.000 Euro überreicht. Bei einem Betrugsversuch mit einem Opfer aus Darmstadt konnte die zuvor eingeschaltete Polizei die Frankfurterin bei der Übergabe festnehmen. Sie saß von Anfang März an in Untersuchungshaft. Das Gericht setzte den Haftbefehl am Montag bis zum Strafantritt in vier bis sechs Wochen aus.

Zugunsten der Angeklagten, die als Leiterin eines Fitnessstudios zwischen 2000 und 7000 Euro im Monat verdiente, wertete die Kammer ihre Aussagen zu dem Call-Center und den Hintermännern in der Türkei. Dass die Angeklagte „bei so einer Schweinerei“ mitgemacht habe, nannte der Richter „völlig grotesk“ angesichts ihres geregelten Lebens und ihres guten Einkommens. Warum die Deutsche mitmachte, sagte sie nicht. Den Ermittlern zufolge war sie seit mehreren Jahren mit einem der Hintermänner befreundet.

Staatsanwalt Nico Kalb sagte nach Ende des Verfahrens, der Erfolg der Masche basiere darauf, den Respekt der Senioren vor der Obrigkeit auszunutzen. „Und im Alter lässt die Widerstandskraft nach.“ Andrea Löb vom Polizeipräsidium Südhessen sagte, der Trick mit dem falschen Polizeibeamten sei der neue Enkeltrick, bei dem sich Betrüger als nahe Verwandte ausgeben. Löb berichtete, dass die perfekt Deutsch sprechenden Anrufer die Opfer mit mehrfachen Anrufen verunsicherten und Druck aufbauten. Da werde zum Beispiel behauptet, dass das Vermögen in Gefahr sei, andere Polizisten und Bankmitarbeiter zur Einbrecherbande gehörten oder das Bargeld zuhause Falschgeld sei. Angehörige sollten den Polizistentrick bei ihren älteren Verwandten thematisieren und mit ihnen besprechen, riet die Polizeisprecherin.

Von RND/dpa