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Panorama Erwürgte Obdachlose: Angeklagter gibt Angriff auf Mordopfer zu
Nachrichten Panorama Erwürgte Obdachlose: Angeklagter gibt Angriff auf Mordopfer zu
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14:43 25.01.2019
Mohamad A. (l.) wird von Anwalt Clemens Anger verteidigt. Quelle: Florian Petrow
Hannover

Am Schwurgericht hat am Freitag der Prozess gegen einen 48-jährigen Mann begonnen, der wegen Mordes an einer 63-jährigen Obdachlosen angeklagt ist. Mohamad A., selbst in der hannoverschen Obdachlosenszene kein Unbekannter, soll die Frau am 30. Juli 2018 gegen 22 Uhr am Rande eines Spiel- und Bolzplatzes zwischen Gartenstraße und Sedanstraße (Oststadt) erwürgt haben. Der mutmaßliche Täter legte – knapp drei Stunden nach Verhandlungsbeginn – über seinen Verteidiger Clemens Anger ein Geständnis ab.

Zuvor hatte eine Untersuchungsrichterin ausgesagt, A. habe bei einer ersten Vernehmung, eine Woche nach dem Fund der Leiche, ausführlich ausgesagt: „Dieser Mann wollte unbedingt seine Geschichte erzählen.“ Dieses Geständnis hatte der gebürtige Sudanese später widerrufen und behauptet, der Dolmetscher habe seine damaligen Aussagen nicht korrekt wiedergegeben. Doch das war offenkundig nur eine Schutzbehauptung.

In dieser Ecke zwischen Garagenrückwand und Bolzplatz starb die 63-Jährige. Quelle: Michael Zgoll

Bei der Vernehmung am 7. August hatte der 48-Jährige – in der Szene unter dem Spitznamen „Obama“ bekannt – erklärt, er habe das spätere Opfer schon fünf Jahre lang gekannt. Er habe mit der Frau – von kleiner Statur, leicht dicklich und gesundheitlich erheblich angeschlagen – seit Jahren regelmäßig Sex gehabt, immer gegen Bezahlung. Am Abend des 30. Juli habe er ihr 30 Euro ausgehändigt, um mit ihr auf einem einschlägig bekannten Lagerplatz auf der Rückseite eines Garagenhofs zu schlafen. Allerdings habe die 63-Jährige irgendwann geäußert, dass sie keine Lust mehr auf Geschlechtsverkehr habe; seiner Forderung, die 30 Euro zurückzuzahlen, sei sie jedoch nicht nachgekommen.

Als die Frau nach der Polizei rief, so die Aussage des Angeklagten bei der Untersuchungsrichterin, habe er seine rechte Hand auf Mund, Kinn und Hals des Opfers gepresst. Als er sich vom Tatort entfernte, habe die Frau noch gelebt – zumindest ihre Hände hätten noch gezuckt. Sie wurde am nächsten Vormittag gegen 11 Uhr von Mitarbeitern des städtischen Grünflächenamts gefunden, mit nacktem Unterleib und – bei 30 Grad im Schatten – bereits von Insekten infiltriert.

Der Bereich, der Obdachlosen früher als Schlafplatz diente und wo das Opfer gefunden wurde, ist inzwischen mit einem Tor abgesperrt. Quelle: Michael Zgoll

A. hatte der Richterin zudem erklärt, vor der Tat in erheblichem Maße Wodka und Bier getrunken, Heroin gespritzt und Kokain konsumiert zu haben. Da der 48-Jährige erst Tage nach der Tat festgenommen wurde, wird sich dies nur schwer beweisen oder widerlegen lassen. Die Staatsanwaltschaft wirft A. eine Vergewaltigung und einen Mord zur Befriedigung des Geschlechtstriebs vor. Doch hatte der Täter wirklich die Absicht, seine Bekannte umzubringen? Denkbar ist auch, dass das Schwurgericht die Tat als Totschlag oder gefährliche Körperverletzung mit Todesfolge einstuft. So litt das Opfer an der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung COPD; nach Einschätzung eines Rechtsmediziners könnte dies ein schnelleres Sterben des Opfers begünstigt haben, aber kaum als ursächlich für den Tod der Frau angesehen werden.

Opfer galt als Einzelgängerin

Ein Security-Mitarbeiter, der die Drogen- und Obdachlosenszene an Raschplatz und Weißekreuzplatz gut kennt, beschrieb „Obama“ als nicht einfachen Menschen. A. sei oft betrunken gewesen und habe als aggressiv gegolten: „Er war dafür bekannt, dass er Ärger macht.“ Das Opfer hingegen sei eine sehr ruhige Einzelgängerin gewesen; er könne sich nicht vorstellen, dass sich diese Frau jemals prostituiert habe. Die Mitarbeiterin eines sozialpsychiatrischen Frauen-Wohnheims in der Gartenstraße, wo die 63-Jährige gelebt hatte, beschrieb das Opfer als liebenswürdig, freiheitsliebend – und sehr gutgläubig.

Der Grünstreifen an der Garagenrückseite, der im vergangenen Sommer noch erheblich vermüllt war und den Anwohnern aufgrund des regen Obdachlosen-Verkehrs ein Dorn im Auge war, ist inzwischen gereinigt und mit einem Tor abgesperrt. Der Prozess wird am 30. Januar fortgeführt, dann werden bereits die Plädoyers und eventuell schon das Urteil erwartet.

Von RND/Michael Zgoll

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