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Panorama Doppelmord am Jungfernstieg: Lebenslange Haft im Prozess gefordert
Nachrichten Panorama Doppelmord am Jungfernstieg: Lebenslange Haft im Prozess gefordert
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16:19 25.01.2019
Einsatzkräfte der Polzei sichern den Zugang zur S-Bahnhaltestelle Jungfernstieg, wo sich am 12.04.18 ein tödlicher Messerangriff ereignete. Quelle: dpa/Bodo Marks
Hamburg  

Für die tödliche Messerattacke auf eine Mutter und ihre einjährige Tochter Mariam an der Hamburger S-Bahnstation Jungfernstieg hat die Staatsanwaltschaft eine lebenslange Freiheitsstrafe für den Angeklagten gefordert. Es sei zudem die besondere Schwere der Schuld festzustellen, sagte Staatsanwältin Maria Hutka am Freitag im Hamburger Landgericht. Der 34-Jährige habe den Doppelmord aus niedrigen Beweggründen und heimtückisch begangen.

Zuerst habe er seiner in einem Buggy sitzenden Tochter in den Bauch gestochen und ihr dann nahezu vollständig den Kopf abgetrennt. Der Angeklagte habe das Kind „zum Werkzeug seiner Rache“ an der in der Nähe stehenden Mutter gemacht. Dann habe er auch sie angegriffen.

Der Angeklagte habe die Frau für alle aus seiner Sicht erlittenen Ungerechtigkeiten verantwortlich gemacht und ihr deshalb das nehmen wollen, was sie liebte, erklärte Hutka. Die Tat am 12. April 2018 sei eine „hinrichtungsartige Bestrafung“ gewesen.

Notärzte leisten am 12.04.2018 erste Hilfe. Nach dem Messerangriff in der Hamburger Innenstadt ist die Frau des mutmaßlichen Täters gestorben. Zuvor war bereits das gemeinsame Kind des Paares seinen Verletzungen erlegen. Quelle: dpa/Tnn

Angeklagter weigert sich, das Gericht zu betreten

Wird eine lebenslange Freiheitsstrafe verhängt und die besondere Schwere der Schuld festgestellt, ist eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren rechtlich zwar möglich, in der Praxis aber so gut wie ausgeschlossen. Der Angeklagte aus dem westafrikanische Niger hatte seinen Verteidiger zu Beginn des Verfahrens im Oktober ein Geständnis verlesen lassen. Beim ersten Prozesstag hatte er geschluchzt und geweint. Inzwischen weigert er sich, das Gericht zu betreten.

Am Tag des Plädoyers wurde er deshalb in Fesseln in den Saal gebracht, störte den Ablauf immer wieder mit Zwischenrufen, drehte den Richtern den Rücken zu oder lauschte der Übersetzung des Dolmetschers mit verschränkten Armen. Er werde den Prozess blockieren, bis er den Botschafter seines Heimatlandes sprechen könne, verlangte der Mann. Der Verteidiger hat Zweifel, ob sein Mandant verhandlungsfähig ist.

Vier Kinder sind durch den Mord zu Halbwaisen geworden

„Der Angeklagte war bei Begehung der Tat voll schuldfähig“, ist die Staatsanwältin überzeugt. Es sei keine Affekttat gewesen, er habe nicht unter dem Einfluss von Drogen oder Alkohol gestanden. Ein Psychiater habe überzeugend erklärt, dass sich eine sogenannte Haftpsychose erst später entwickelt habe. Mehrmals war die Verteidigung mit Befangenheitsanträgen gegen den Gutachter gescheitert.

„Der Angeklagte hat vier Kinder zu Halbwaisen gemacht“, sagte Hutka. Zudem seien zahlreiche Menschen, die die schreckliche Tat ansehen mussten, traumatisiert. Hintergrund der Attacke sei ein Sorgerechtsstreit mit der ursprünglich aus Neustrelitz (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) stammenden 34-Jährigen gewesen. Mariam war das einzige gemeinsame Kind des Paares, das sich im Sommer 2017 getrennt hatte. Kurz darauf zog ein anderer Mann bei der Frau ein, der die Vaterrolle für das Kind übernahm - sehr zum Ärger des Angeklagten.

Blumen liegen nach einem tödlichen Messerangriff auf dem S-Bahnsteig Jungfernstieg, nachdem dieser wieder für den öffentlichen Verkehr freigegeben wurde. Quelle: dpa/Bodo Marks

Immer wieder Drohungen gegen die Ex-Partnerin

„Er verhielt sich sehr grenzüberschreitend und bedrohlich“, erklärte die Staatsanwältin. Er sei fixiert darauf gewesen, das gemeinsame Sorgerecht für Mariam zu bekommen. „Er war nicht zugänglich für Lösungen.“ Einen Tag vor der Tat hatte ihm ein Familiengericht signalisiert, dass sein Antrag vor dem Hintergrund der Konfliktsituation keine Aussicht auf Erfolg haben werde. Immer wieder habe er seiner Ex-Partnerin gedroht, berichtete Hutka.

Prozess wird am Montag fortgesetzt

Einen Tag später gab es morgens ein Treffen des Mannes mit seinem Kind - unter Aufsicht eines vom Jugendamt beauftragten Trägers. Eine Stunde später holte die Mutter ihre Tochter wie vereinbart ab. Dabei sei es zu der zufälligen Begegnung in einer S-Bahn gekommen, bei der es zum Streit gekommen sei, sagte die Staatsanwältin. Mit dabei waren ein dreijähriger Sohn der Frau und ihr neuer Freund. Der Angeklagte habe ein Messer mit einer 19 Zentimeter langen Klinge in seinem Rucksack griffbereit dabei gehabt, sagte die Staatsanwältin. „Er wartete auf einen für ihn passenden Moment.“

Der Prozess soll am Montag mit den Plädoyers der Nebenklage fortgesetzt werden.

Von RND/dpa