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Panorama Die Treuetesterin: Ein unmoralisches Angebot
Nachrichten Panorama Die Treuetesterin: Ein unmoralisches Angebot
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12:22 16.07.2018
Ihr eigener Schmerz brachte Therese Kersten dazu, eine Treue-Agentur zu gründen. Quelle: Lukas Beck
Hannover

Ihr eigener Schmerz brachte Therese Kersten dazu, eine Treue-Agentur zu gründen. Ein Unternehmen, das Lockvögel beauftragt, möglichen Fremdgehern Avancen zu machen, um ihre Reaktion darauf zu prüfen. Dazu schreiben die Lockvögel Nachrichten oder treffen ihre Zielpersonen wie zufällig. Mal direkt, mal unauffällig beginnen sie ein Gespräch – und geben sexuelle Absichten vor.

Menschen, die sich betrogen fühlen, soll dieser Test die Sicherheit geben, die Kersten sich einst gewünscht hätte, damals in Wien, als sie bei einem reichen Sugardaddy lebte. An ihn hatte sie ihren Körper verkauft – nur wurde aus Geschäft schnell Geschäft mit Gefühl: Kersten verliebte sich.

Mit 22 Jahren gebar sie eine Tochter von dem Mann, den sie irgendwann einmal heiraten wollte, obwohl sie damals längst ahnte, dass ihr Financier gleichzeitig mit vielen anderen schlief. Rasend vor Eifersucht stellte sie ihm nach: Sie kontrollierte Smartphone und Navi, ortete sein Auto und verfolgte ihn.

30 bis 70 Anfragen im Monat

Das war der Punkt, an dem Kersten Hilfe suchte und keine fand. Jemanden, der ihr die Untreue ihres Geldgebers bewies, schwarz auf weiß. Ein Beleg statt nur eine Ahnung. Weil es so ein Angebot damals nicht gab, schuf Kersten es kurzerhand selbst: die Agentur “Die Treuetester“. 350 Lockvögel hat sie in ihrer Kartei, 30 bis 70 Anfragen bekommt sie im Monat. Getestet wird durch Nachrichten per Mail, SMS oder Chat sowie alternativ durch Anrufe oder persönliche Treffen. Auch DNA- und Vaterschaftstests sind möglich.

Anfang des Jahres nun veröffentlichte Kersten ein Buch, in dem sie typische und ungewöhnliche Fälle beschreibt. “Lockvogel“ heißt die Lebensabschnitts-Autobiografie und erzählt von ihren Undercover-Einsätzen.

“Jeder ist im Laufe seines Lebens einmal mit dem falschen Partner zusammen, den man in irgendeiner Art und Weise betrügt oder hintergeht“, sagt Therese Kersten. Quelle: Lukas Beck

Frau Kersten, an Sugardaddys haben Sie Ihren Körper gegen Geld verkauft. “Alessa“ nannten sie sich auf der Seite, auf der man sie ersteigern konnte. Stolz schreiben Sie in Ihrem Buch, der Name bedeute “die Männer Abwehrende“. Sind sie das, eine Männer Abwehrende?

Wenn man darunter versteht, dass ich mit meinem Job ein Männer-Schreck bin, dann bin ich das durchaus, ja.

Ist Ihre Arbeit der Grund, dass Sie so schlecht von Männern denken? Oder warum wollen Sie sie abwehren?

Ich denke überhaupt nicht schlecht von Männern. Ich spüre ihnen nur nach. Aber das bedeutet nicht, dass ich jedem Mann misstraue. Würde ich das tun, würde ich heute nicht in einer Beziehung sein.

Sie sagen, dass vor allem alte Männer häufig untreu sind. Ist das Ihre Erfahrung?

Ja, diesen Eindruck habe ich. Alte Männer lassen sich schneller zum Fremdgehen überzeugen als junge. Auch in Chats wechseln sie schneller ins Sexuelle.

Bei den Frauen, sagen Sie, sei es genau anders herum: Da seien es vor allem die jungen, die fremdgehen.

So ist es. Zumindest bis sie Mitte 30 sind. Insgesamt erhalten wir allerdings deutlich mehr Anfragen von Frauen, die ihre Männer testen wollen. Auch, weil unsere Methoden bei Frauen oft nicht ziehen. Die meisten Tests, die wir durchführen, sind SMS-Tests. Das heißt, wir schreiben die fragliche Person an und schauen, wozu sie bereit ist. Die meisten Frauen über 40 antworten auf unsere Nachrichten gar nicht erst. Da braucht es deutlich mehr Vertrauen und Zeit, ehe sie sich auf Männer einlassen. Mit einem hübschen Profilbild ist es da nicht getan. Männer dagegen geben sich bereits damit zufrieden.

Wie lange braucht es, bis sie einen Mann im Chat auf seine Treue getestet haben?

Meistens reicht das kleine Paket, um eine Tendenz erkennen zu lassen. Für 34 Euro schreiben wir zehn Nachrichten. Wer sichergehen will, kann für 24 Euro noch einmal zehn Nachrichten dazubestellen.

Wie bitte? Zehn Nachrichten sollen reichen?

In der Regel ja. Sie reichen, um festzustellen, ob der Partner interessiert ist.

Dieser Test hat mich bereits in Ihrem Buch stutzig gemacht. Denn: Sollte da jemand Nettes sein, der mich anschreibt, vielleicht gewitzt ist, irgendwie interessiert, würde ich mich natürlich mit der betreffenden Person treffen. Es kommt schließlich nicht alle Tage vor, dass so etwas passiert. Aber ich hätte dabei nicht die Absicht, mit dem Treffen meine Partnerin zu betrügen. Eher erfolgte es aus blanker Neugier. Für Sie wäre ich damit ein Betrüger.

Die Definition von Untreue liegt allein beim Kunden. Er selbst muss entscheiden, wo Treue bei ihm beginnt. Wir bewerten das nicht.

Es gibt unterschiedliche Gründe fremdzugehen: Entfremdung in der Beziehung ist eine. Quelle: E+

Wie weit würden Ihre Lockvögel bei einem Test gehen?

Beim Kuss ist Schluss ist die Regel. Und auch Küssen ist nur drin, wenn das für die Testerin okay ist. Meistens wollen die Kunden ohnehin nur sehen, ob ihre Partner zu einem solchen Schritt bereit wären. Denn letztlich wollen sie ja nicht, dass ihr Partner fremdgeht. Für die meisten beginnt Untreue schon deutlich früher. Ihnen genügt es zu sehen, wie ihr Partner auf einen Flirt reagiert.

Hatten Sie nie einen Fall, bei dem Sie das Gefühl hatten: Hätte ich die Test-person nicht angesprochen, wäre es nie so weit gekommen?

Doch, das schon. Einmal sollte ich für eine Kundin einen SMS-Test durchführen. Der Mann sprang an, der Test war schnell beendet. Aber anstatt es dabei zu belassen, schrieb die Ehefrau selbst unter Pseudonym mit ihrem Mann und brachte ihn schließlich so weit, ein Treffen zu verlangen. Ich schickte nach einiger Überredung eine Testerin zu ihm. Normalerweise suche ich die Lockvögel dafür so aus, dass sie zum Attraktivitätsniveau des Getesteten passen. In diesem Fall jedoch verlangte die Frau bewusst eine sehr attraktive Testerin. Als sie und der Ehemann sich dann trafen, sagte der: Er sei zuvor nie auf die Idee gekommen fremdzugehen. Bis er den Lockvogel kennengelernt habe. Trotzdem wollte die Frau den Test fortsetzen. Sie verlangte ein Treffen im Hotel. Nachdem der Getestete sich darauf einließ und bereit war, mit meiner Testerin zu schlafen, konfrontierte die Kundin ihren Mann mit ihrem Wissen um die Affäre. Die beiden trennten sich daraufhin, dabei wäre der Mann ohne die Animation seiner Frau nie untreu geworden. Immerhin haben die beiden nachher wieder zueinandergefunden.

Was ist, wenn es sich Getestete später noch einmal anders überlegen? Vielleicht treffen sie sich mit dem Lockvogel, vielleicht küssen sie ihn sogar – nur, dass sie das Ganze wenig später vielleicht wegen eines schlechten Gewissens abbrechen.

Wir stellen unseren Kunden frei, ob sie ihren Partnern diese Möglichkeit einräumen wollen. Entweder blockieren wir den Kontakt nach dem Test, oder aber wir lassen den Kanal offen und schauen, ob nachher noch etwas passiert. Wie der Kunde mag.

Sie vertreten die Idee, wenn das Bauchgefühl sagt, der Partner geht fremd, dann ist es in der Regel so. Wie kommen Sie darauf?

Zumindest habe ich diese Erfahrung gemacht. Und das bemerke ich auch bei meinen Kunden.

Woran macht sich dieses Bauchgefühl fest?

Meistens daran, dass der Partner ständig Nachrichten schreibt und das Handy wie einen Schatz bewacht. Dass er plötzlich eine Bildschirmsperre nutzt oder sich an bestimmten Tagen besonders rausputzt. Ich kenne einen Fall, da bemerkte die Frau, dass ihr Mann fremdgeht, daran, dass er an bestimmten Tagen immer Spiegeleier aß. Der Herr redete sich ein, dass er dadurch mehr Sperma produzieren könnte.

Einmal hatten Sie eine Kundin, für die Sie testen sollten, ob ihr Mann immer noch bisexuelle Bedürfnisse hegt. Dass dem früher so war, wusste sie. Sie fanden heraus, dass der Herr noch immer mit anderen Männern schlief – aber mit seiner Frau darüber sprechen konnte er nicht, weil er fürchtete, sie zu verlieren. Der Mann liebte seine Frau und hatte nebenher andere Bedürfnisse. Dringen Sie damit nicht zu sehr in die sexuelle Privatsphäre ein?

Die meisten Frauen finden es ja bereits schlimm, wenn ihr Mann sie mit einer anderen Frau betrügt. Für das Fremdgehen mit einem Mann gilt das dann erst recht. Und ich glaube, man hat ein Recht darauf zu wissen, wenn der Partner so etwas tut. Dann muss man entscheiden, ob man das will oder nicht. In dem Fall konnte die Frau mit der Bisexualität ihres Mannes nicht leben. Mit solchen Problemen haben wir es oft zu tun. Vor allem Männer schreiben mich an, was sie tun sollen, wenn ihre Partnerin nicht mehr mit ihnen schlafen will oder wenn sie sich nicht trauen, etwas auszuprobieren. Da kann ich nie mehr raten, als mit dem Partner zu reden. Das ist die einzig faire Möglichkeit. Auch wenn sie vielleicht eine Trennung bedeutet.

“Vor allem Männer schreiben mich an, was sie tun sollen, wenn ihre Partnerin nicht mehr mit ihnen schlafen will“, sagt Therese Kersten. Quelle: Lukas Beck

Die Beziehungen Ihrer Kunden sind ja meist sowieso schon auf dem Weg der Trennung. Sonst würden sie nicht Geld bezahlen, um den Partner heimlich auszuspionieren. Ich verstehe nicht so ganz, wozu es Sie dann noch braucht?

Den Kunden geht es nicht darum, den Partner auszuspionieren, sondern sie brauchen vielmehr Gewissheit. Viele brauchen einen Beleg schwarz auf weiß, um einen Schlussstrich ziehen zu können. Man testet den Partner ja nicht, weil einem gerade langweilig ist. Als ich in Wien über Monate betrogen wurde, ging es mir genauso. Hätte es ein Angebot wie meines gegeben, hätte ich es in Anspruch genommen. Natürlich konnte ich mir denken, dass ich betrogen werde. Aber das reicht manchmal nicht aus. Gerade, wenn starke Gefühle im Spiel sind.

Bei einem Ihrer Kunden reichte allerdings auch eine Heerschar schwarz auf weißer Belege nicht aus.

Beim Karottenmann, ja. Das ist einer meiner tragischsten Fälle. Alles begann mit der Zusendung von Slips, die wir auf Spermaspuren untersuchen sollten. Als das Ergebnis positiv war, kam ein weiteres Päckchen, dann noch eins und noch eins. Am Ende waren es bestimmt zwanzig. In den Paketen war alles Mögliche: Auch bereits verschimmelte Karotten, von denen der Kunde sicher war, sie seien Teil eines erotischen Spiels gewesen. Der Kunde hatte den Verdacht, seine Frau könnte ihn mit dem eigenen Bruder betrügen. Schließlich kam sogar heraus, dass eines seiner Kinder nicht von ihm, sondern von einem Verwandten abstammen musste.

Wie viele Ihrer Tests sind positiv?

Bei den Männern sind es so um die 70 Prozent, bei den Frauen um die 50. Und der Anteil derer, die auf unsere Tester anspringen, steigt in den letzten Jahren.

30 bis 70 Aufträge bekommen Sie pro Woche. Wann am meisten?

Vor allem im Frühling. Ich weiß nicht, warum. Wahrscheinlich, weil plötzlich sämtliche Hormone wieder zu sprühen beginnen. Letztes Jahr gab es auch zu Weihnachten einen enormen Anstieg.

Um vor den Feiertagen Klarheit zu schaffen?

Keine Ahnung, das ist doch ein Widerspruch in sich. Da wollen an den Feiertagen alle auf Friede, Freude, Eierkuchen machen, und dann tut man sich so was an? Wir hatten eine Kundin, die wollte noch am Heiligen Abend eine Auskunft. Wir machten einen Nachrichten-Test, den der Getestete mit dem Verweis auf seine Freundin abbrach.

Wie rekrutieren Sie Ihre Tester?

Bewerben kann sich generell jeder. Aber das heißt nicht, dass man nachher auch zum Einsatz kommt. Zumal: Vor dem ersten richtigen Einsatz teste ich zuvor den Tester. Ich gebe ihm dann einen Auftrag und schaue, wie er schreibt und spricht. (Pause.) Sie zum Beispiel wären als Tester geeignet.

Wie kommen Sie darauf?

Sie sind offen, das ist das Wichtigste.

Es ist heute leichter geworden, fremdzugehen, sagt Therese Kersten – auch weil es mittlerweile Dutzende von Onlineportalen gibt Quelle: E+

Woher kommen denn die meisten Ihrer Tester?

Vor allem aus Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Da leben auch die meisten unserer Kunden. In Nord- und Ostdeutschland dagegen haben wir nur wenige.

Woran liegt das? Und unterscheiden sich die Anfragen nach Region?

Das kann ich beides nicht sagen. Aber das wäre spannend. Auswerten könnte ich‘s. Mal sehen …

Sie sind ja nun schon seit acht Jahren im Geschäft. Hat sich das Fremdgehen in dieser Zeit verändert?

Es ist leichter geworden. Mittlerweile gibt es ja extra Portale, die nur dafür da sind, das Fremdgehen zu erleichtern. Aber ich würde nicht sagen, dass es deswegen auch mehr Fremdgeher gibt als früher. Früher hat man es dann eben persönlich gemacht.

Wenn Sie interviewt werden, vertreten Sie stets die These: Ewige Treue gibt es nicht, ewige Liebe hingegen schon. Das halte ich für etwas gewagt. Wie kommen Sie drauf?

Jeder ist im Laufe seines Lebens einmal mit dem falschen Partner zusammen, den man in irgendeiner Art und Weise betrügt oder hintergeht. Damit gibt es die ewige Treue nicht mehr.

Oder weil Sie selbst schon einmal fremdgegangen sind?

Das habe ich jetzt hinter mir.

Als Therese Kersten 2016 mit einem möglichen Geschäftspartner nach Paris reiste, der sie sexuell belästigte, floh Kersten aus dem Hotel. Der Hotelpage, vor dem sie weinte, sandte ihr später eine Kontaktanfrage bei Facebook. Mittlerweile sind die beiden ein Paar, vor einigen Monaten bekamen sie ihre erste gemeinsame Tochter.

Kersten hat sich heute aus dem aktiven Geschäft zurückgezogen, weil ihr die Lust am Flirten vergangen ist. Zusammen mit ihrem Mann lebt sie in Paris und koordiniert von da aus Anfragen und Kundenwünsche. Angst davor, betrogen zu werden, hat sie nicht. Noch nicht, sagt sie. Solche Phasen kämen in jeder Beziehung. Aber sie sei zuversichtlich, dass die beiden über alles sprächen, anstatt den anderen zu hintergehen. Sie wirkt glücklich.

Therese Kersten: “Lockvogel. Mein Leben als Treuetesterin“, edition a. 280 Seiten, 19,95 Euro. Quelle: Verlag

Alles Liebe: Das Internet schafft viele Möglichkeiten

Liebe, Sex und Zärtlichkeit sind Grundbedürfnisse. Allerdings sind sie oft auch schwierig zu befriedigen. Liebe und Zärtlichkeit sind unplanbar. Einen So-geht-das-Plan für jedermann gibt es nicht. Bleiben die Grundbedürfnisse unerfüllt, entstehen Sehnsucht im besten und Verzweiflung im schlechtesten Fall.

Internetunternehmen haben die Stärke dieser Sehnsucht erkannt und entsprechende Geschäftsmodelle geschaffen. Für jedes noch so spezielle Bedürfnis halten sie Angebote bereit. Über die Jahre ist ein Millionenmarkt daraus gewachsen. Allein 2017 betrug der Umsatz von Onlinedating-Diensten laut Branchenservice Singlebörsen-Vergleich.de 211 Millionen Euro.

Den größten Umsatz erzielen Partnervermittlungen

Den größten Umsatz erzielen noch immer Partnervermittlungen wie Parship, eDarling und ElitePartner. Wer langfristige Beziehungen sucht, greift meist darauf zurück. Die meisten Nutzer sind über 28 Jahre alt. Auf Grundlage eines Persönlichkeitstests werden Nutzern hier passende Kontakte angezeigt. Die Vermittlungsquote in diesen Portalen liegt in der Regel bei gut einem Drittel der angemeldeten Nutzer – ein ausgesprochen hoher Wert, der allerdings seinen Preis hat.

So kosten die etablierten Portale mit hohen Nutzerzahlen bei langer Laufzeit meist mindestens 30 Euro pro Monat. Auch die zeitlichen Kosten sind üppig: Bis der richtige Partner gefunden ist, vergehen häufig bis zu anderthalb Jahre. Immerhin: Durch die hohen Preise finden sich bei Partnervermittlungen meist nur solche Nutzer, die es wirklich ernst meinen.

Etwas günstiger als Partnervermittlungen sind Kontaktanzeigen-Portale wie LoveScout24 oder Zoosk. Hier bestimmt kein Persönlichkeitstest, welche Kontakte angezeigt werden, sondern der Nutzer selbst wählt aus, wen er anschreibt und wen nicht. Die Grundidee dieser Portale basiert auf der von klassischen Kontaktanzeigen, wie sie in Zeitungen zu finden sind. Nur, dass die Kommunikation hier deutlich schneller zustande kommt.

Wehrt sich vehement gegen die Bezeichnung als Seitensprung-Portal: C-Date. Quelle: C-Date

In den vergangenen Jahren verloren Kontaktanzeigenportale jedoch deutlich an Mitgliedern. Sie wechselten zu günstigeren oder kostenlosen Portalen wie Tinder oder Lovoo. Hier sammeln sich die meisten und jüngsten Nutzer. 6,5 Millionen waren es laut Singlebörsen-Vergleich.de im Dezember vergangenen Jahres. Entscheidungen für oder gegen eine Person basieren hier nicht auf Text oder Charakter, sondern in der Regel ausschließlich auf Fotos.

Finden zwei Nutzer einander ansprechend, können sie hier miteinander schreiben. Die meisten suchen hier nach lockeren Beziehungen oder einmaligen Sextreffen. Menschen in offenen Beziehungen bieten sich hier allein oder zu zweit an, ebenfalls Personen, die das sexuelle Abenteuer suchen. Trotzdem entstehen durch dieses eher oberflächliche Portal immer wieder auch langfristige Beziehungen.

Fremdgänger hingegen verirren sich nur selten auf sogenannte Social-Dating-Seiten. Grund dafür ist die geringe Anonymität. Diese bieten wiederum andere Portale. JOYClub oder Marktführer C-Date beispielsweise. Letzteres wurde 2008 durch den Deutschen Heinz Laumann gegründet. Er bemerkte einen sich verändernden Umgang mit Sexualität unter den Deutschen, verursacht durch Serienformate wie “Sex and the City“.

Die meisten Fremdgeh-Nutzer steuern frontal auf ihre Midlife-Crisis zu

“Die Gründung von C-Date erfolgte als eine Reaktion darauf“, sagt Jan-Jaap Anbeek, Mitglied der heutigen Geschäftsleitung. “Die Deutschen sind in sexueller Hinsicht immer mehr auf der Suche nach Spaß, Abenteuer und sinnlichen Begegnungen.“

Zwar wehrt sich das C-Date vehement gegen die Bezeichnung als Seitensprung-Portal – laut Branchenservice Singlebörsen-Vergleich.de sind die meisten C-Date-Nutzer jedoch vergeben und auf der Suche nach Sex mit bis dato Fremden. Am liebsten verabreden sie sich dazu montags nach 22 Uhr. Dann setzen sie sich vor ihre Computer und schreiben drauflos.

Die meisten von ihnen kommen aus Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg; in der Regel sind sie männlich und über 30, der Durchschnitt ist 37,6 Jahre; viele sind verheiratet. Die Lust auf Abenteuer hat sie gepackt, das Immer-Gleiche langweilt sie. Denn die meisten Fremdgeh-Nutzer steuern frontal auf ihre Midlife-Crisis zu. Die einen reagieren darauf, indem sie sich ein Motorrad kaufen. Die anderen, indem sie fremdgehen.

Alle Schichten, alle Altersgruppen

Einen klassischen Onlinefremdgeher indes gibt es nicht. Die Nutzer entsprechender Portale kommen aus allen Schichten und allen Altersgruppen. Die einen suchen Abwechslung, die anderen nach einer Möglichkeit, heimliche Sehnsüchte auszuleben. Die einen haben Angst, etwas zu verpassen, für andere ist das Fremdgehen selbstverständlich.

Status-Hürden des Onlinedatings spielen bei Onlineaffären kaum eine Rolle: “Beim Onlinedating haben es gebildete Frauen oft besonders schwer, weil nur wenige Männer ihren Anforderungen genügen. Männer, die Hartz IV beziehen, haben dagegen oft Probleme, weil die meisten Frauen auf der Suche nach finanzieller Sicherheit sind“, sagt Alexandra Langbein von Singlebörsen-Vergleich.de.

“Auf Casual-Dating-Seiten hingegen zählen andere Kriterien. Da geht es eher darum: Wie sieht der andere aus? Wie kann er sich kleiden? Finde ich das körperlich anziehend?“

Wer sich vor unseriösen Anbietern schützen will, ist mit Bezahl-Angeboten besser beraten

Ähnliches gilt für viele Nischen-Dating-Seiten, wie sie zu Hunderten existieren. Sie vermitteln Sex-Dates für Menschen mit bestimmten Interessen und Fetischen. Insbesondere in dieser Sparte ist der Graumarktanteil jedoch sehr hoch, also der Anteil unseriöser Anbieter. Weil sich auf diesen Portalen meist wenige Mitglieder angemeldet haben, versuchen die Portale, durch künstliche Intelligenzen oder Animateure die Nutzer bei Laune zu halten.

Das bedeutet: Sie schreiben mit Menschen, die gar kein Interesse haben, die Nutzer wirklich zu treffen. Die Portale kassieren dadurch ohne die versprochene Gegenleistung. Dieses Geschäft ist attraktiv: Singlebörsen-Vergleich.de schätzt den Umsatz des Graumarkts auf jährlich 100 Millionen Euro. Auch Menschen mit falschen Profilen, die Liebessuchende mit Werbung überschütten, sind auf diesen Portalen keine Seltenheit.

Wer sich davor schützen will, ist daher mit Bezahl-Angeboten besser beraten. Denn hier gibt es erstens genügend Mitglieder, zweitens aufwendige Sicherheitsmaßnahmen, um gegen Fakes vorzugehen, und drittens schrecken die hohen Preise Betrüger, die auf schnelles Geld aus sind, schon vorzeitig ab.

Von Julius Heinrichs

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