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16:58 06.10.2017
„Nach einem Jahr musste ich mal auf den Tisch hauen“: Manon Deville im Keller des Weinguts Château de la Rivière. Quelle: Foto: Hervé Hughes
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Bordeaux

Anfangs kam die Frage immer wieder von Lieferanten, die Manon Deville noch nicht kannten: „Guten Tag, ist Monsieur Deville zu sprechen?“ Dann erwiderte sie, dass er es nicht mit einem Monsieur, sondern einer Madame zu tun habe. Und die stehe vor ihm – so ungewöhnlich es erscheinen mag, dass es eine junge Frau wie sie bereits zur technischen Direktorin eines großen Weingutes wie dem Château de la Rivière im Nordosten von Bordeaux gebracht hat, das über 65 Hektar verfügt und 350 000 Flaschen pro Jahr herstellt. Zuständig ist Manon Deville dort für die Produktionskette von der Pflege des Rebstocks über die Abfüllung und die Unterhaltung des herrschaftlichen Anwesens, das zwischen dem 18. und 19. Jahrhundert gebaut wurde, bis hin zum Personalmanagement.

Eigentlich stammt die 27-Jährige aus der südostfranzösischen Region Drôme. Nach Studien der Agrar- und der Weinwirtschaft machte Deville ein Praktikum im Château de la Rivière und überzeugte so sehr, dass man sich an sie erinnerte, als sich vor drei Jahren die Ereignisse überschlugen. Nach dem tödlichen Helikopterunfall des chinesischen Besitzers, dessen Ehefrau das Gut behalten wollte, stieg Devilles Vorgänger zum Generaldirektor auf – und sie, die ehemalige Praktikantin, erhielt überraschend „ein Angebot, das ich nicht ablehnen konnte“.

Der Anfang sei hart gewesen, sagt die energische junge Frau. „Alle Mitarbeiter waren älter und männlich – und stellten sich taub, wenn ich Neuerungen vorschlug. Nach einem Jahr musste ich mal mit der Faust auf den Tisch hauen. Ich kann nämlich genauso über Traktoren reden.“ Sie setzte Einsparungen durch und leitete den Weg in eine SME-Zertifizierung ein, die das Bio-Label nicht ersetzt, aber weitgehend naturnahe, pestizidfreie Herstellung garantiert. Seit jeher hätten ihr weibliche Vorbilder, die mit derselben Selbstverständlichkeit Wein machen, trinken und darüber sprechen wie Männer, Mut gemacht. Von ihnen gibt es immer mehr, bestätigt Nathalie Escuredo, selbst Winzerin, Touristenführerin und Lehrerin an der Weinschule in Bordeaux. „Die Welt des Weins ist sehr traditionell, da ändern sich alte Denkweisen nur allmählich. Aber sie ändern sich.“

Der Frauenanteil in der Weinherstellung in dem größten Weinbaugebiet Frankreichs mit seinen 6200 Winzern wachse ständig. „Das Renommee des Namen Bordeaux ist hilfreich und eine gewisse Last zugleich. Seit den Römern wird hier Wein gemacht, zugleich brauchen wir heute die Jungen, um ein moderneres Image zu bekommen. Gerade auch Frauen“, betont Escuredo.

Nicht nur im Bordelais nimmt das weibliche Selbstbewusstsein zu. Anfang 2016 lancierte eine Winzerin im Internet das Frauen-Netzwerk „Women do wine“; auch im Beaujolais, einer Weinregion bei Lyon, haben sich Frauen aus der Welt des Weins zur Gruppe „Elles & Beaujolais“ zusammengeschlossen, die sich gegenseitig unterstützen. „Eine solche Solidarität habe ich zuvor in unserer Branche nie erlebt“, sagt die Winzerin Ghislaine Dupeuble.

Viele Frauen dringen über Familienbande in diese traditionelle Männerdomäne vor: Längst werden Betriebe nicht mehr automatisch an Söhne weitergegeben.

So war es auch bei Stella Puel, die eigentlich einen anderen Lebensplan hatte. An der Universität von Bordeaux studierte die Tochter einer Hamburgerin und eines französischen Winzers deutsche Literatur, da sie mit Geisteswissenschaften mehr anfangen konnte als mit Weinbau. „Als Kind half ich zwar bei der Arbeit mit, aber gut kannte ich mich nicht aus“, erzählt die 53-Jährige. Dann aber verletzte sich ihr Vater bei einem Sturz vom Weintank so schwer, dass er sich nicht mehr um das Weingut im Bordelais kümmern konnte, das seine Großeltern im 19. Jahrhundert gekauft hatten. Stellas Mutter winkte ab, ebenso ihre Geschwister. Was tun? „Ich war jung verheiratet mit drei Kindern, das vierte war unterwegs und mein Mann als Kinderarzt gut beschäftigt. Aber ich wollte das Gut behalten“, so Stella. Also entschloss sie sich zu einer Ausbildung, baute die Aktivität aus, um sie rentabel zu machen und gab den Arbeitern zu verstehen, dass sie jetzt Chefin war. „Manche vertrugen Anweisungen von mir nicht gut. Das war nicht einfach, jahrelang habe ich schlecht geschlafen.“ Inzwischen empfängt das Château Bardins, das 35 000 Flaschen Wein im Jahr verkauft, Besucher und organisiert Konzerte. Der Laden läuft. Ob sie noch immer mit Machos zu kämpfen habe? „Vielleicht gibt es noch ein paar, aber sei’s drum“, sagt Puel. Ihr Wein schmecke übrigens beiden Geschlechtern gleichermaßen.

Von RND/Birgit Holzer

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