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Panorama Der Klügere setzt sich durch – oder?
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10:00 20.01.2019
Von der Mammutjagd zu Computer und Smartphone: Wie beeinflusst unser modernes Leben die Evolution des Menschen? Quelle: iStockphoto
Berlin

Wie sieht der Mensch der Zukunft aus? Und wie seine DNA? Werden unsere Gene uns immer schlauer machen, wir dafür aber Muskeln verlieren? Oder uns durch gezielte Eingriffe ins Erbgut von Grund auf selbst optimieren? Fest steht: Die Evolution schreitet weiter voran – aber wir wissen noch nicht genau wie.

Rudolf Seufert, der lange Zeit Leiter des Kinderwunschzentrums der Universitätsmedizin Mainz war, sagt: „Die Evolution ist niemals an ihrem Ende. Denn es wird immer wieder neue Anforderungen geben, auf die das menschliche Erbgut mit Anpassungen reagieren wird.“

Es sei aber schwer vorherzusagen, auf welche Art und Weise. Was ein evolutionärer Vorteil ist, ist heute viel weniger eindeutig. Früher setzten sich zufällige Genveränderungen durch, wenn sich eine Spezies dadurch besonders gut an Umweltbedingungen anpassen konnte und somit besseren Zugang zu Nahrung hatte.

„Evolutionäre Vorteile gibt es immer noch“

Ein Beispiel dafür ist der aufrechte Gang des Menschen: Das Gehen auf zwei Beinen erleichterte es ihm wohl, Nahrung zu finden und zu überleben. Die passenden Skelettmerkmale wurden daher weitervererbt, bis sie sich durchgesetzt hatten. Heute entscheidet der Zugang zu Ressourcen zwar immer noch mit darüber, wie alt man wird und wie gesund man ist, nicht aber unbedingt über die Zahl der Nachkommen.

Menschen bekommen nicht dann mehr Kinder, wenn sie mehr zu essen haben. Im Gegenteil, in armen Ländern kann Armut sogar ein Grund für Kinderreichtum sein: Weil Kinder dort die Absicherung fürs Alter sind oder es keinen Zugang zu verlässlichen Verhütungsmitteln gibt. Umgekehrt sinkt die Zahl der Kinder in reichen Indus­trienationen, obwohl Ressourcen im Überfluss vorhanden sind.

„Evolutionäre Vorteile gibt es immer noch“, glaubt Seufert. „Aber es sind andere als in der Steinzeit, als der seine Gene weitergeben konnte, der am besten Mammuts erlegte.“ In einer modernen Gesellschaft habe jemand mit guten kommunikativen Fähigkeiten eine bessere Chance bei der Partnerwahl und damit auch dabei, sein Erbgut weiterzugeben. Erfolg versprechend sei es heute außerdem, sich anzupassen und in die Gesellschaft einfügen zu können. „Diese Fähigkeiten sind aber nicht genetisch bedingt, sondern eher erlernbar, deshalb werden auch keine speziellen Gene vererbt“, sagt Seufert.

Wird die Muskulatur abnehmen, wenn Körperkraft im Alltag kaum gefordert ist?

Ein typisches Merkmal der Evolution ist, dass überflüssige Körpermerkmale im Laufe von Generationen verschwinden. Wird also die Muskulatur abnehmen, wenn Körperkraft im Alltag kaum noch gefordert ist? „Nicht unbedingt“, sagt Seufert, „die fehlende Aktivität im Beruf gleichen ja viele dadurch wieder aus, dass sie ins Fitnessstudio rennen.“

Und wie sieht es mit bewussten Eingriffen ins menschliche Erbgut aus? So kommt kaum ein Science-Fiction-Film ohne die Vision von im Labor optimierten Designerbabys aus. Wird der Mensch die Evolution abschaffen, indem er seine genetische Veränderung selbst in die Hand nimmt? „Eher nicht, zumindest ist man noch meilenweit davon entfernt“, sagt Seufert. Bewusste Eingriffe ins Erbgut seien schwieriger, als manch einer denkt, selbst wenn es etwa nur darum ginge, Haut- oder Haarfarbe seines Babys nach Wunsch zu bestimmen.

Ein Gendrift entsteht nur bei Fortpflanzungsvorteilen

Eva Schwaab, Wiesbadener Fachärztin für Humangenetik, berät in ihrer Praxis Menschen mit Verdacht auf schwere, erblich bedingte Erkrankungen. In Deutschland ist Eltern mit solchen Krankheiten die Präimplantationsdiagnostik erlaubt: Nach einer künstlichen Befruchtung dürfen ihre Em­bryonen danach ausgewählt werden, ob sie die Krankheitsgene in sich tragen oder nicht. „Das betrifft aber nur sehr wenige Einzelne“, sagt Schwaab.

Manche Menschen glauben, dass wir unser Erbgut eines Tages ganz von krank machenden Genen befreien könnten. Schwaab ist da skeptisch: „Selbst wenn eines Tages die Präimplantationsdiagnostik auf Wunsch für alle erlaubt sein würde: Das wäre immer etwas, was sich nur wenige leisten können, und wird nicht zur genetischen Verschiebung führen“, sagt sie.

Auch sie betont: Ein eindeutiger Trend, in welche Richtung sich das menschliche Erbgut anpassen wird, ist noch nicht erkennbar. Zwar hätten sich die Umweltbedingungen für den Menschen verändert – so verbringt der Mensch in der modernen Welt seine meiste Zeit vor dem Computer. Ein Gendrift, der seinen Organismus daran angleicht, würde aber nur entstehen, wenn ihm das einen Fortpflanzungsvorteil verschaffen würde.

„Intelligenz ist immer eine relative Definition“

Immer wieder hört man allerdings, dass die Menschen intelligenter würden. Ist das nicht ein Zeichen der Anpassung an die technisierten Lebenswelten? „Das gilt vielleicht im Vergleich zur Steinzeit“, sagt Schwaab. „Ich glaube aber nicht, dass die Menschen in den letzten Jahren intelligenter geworden sind.“ Tatsächlich lässt sich Intelligenz schwer messen. Zwar gibt es Intelligenztests, in denen abstraktes Denken und Zahlenrätsel abgefragt werden, deren Relevanz ist aber umstritten.

Wenn Menschen darin seit einigen Jahren immer besser abschneiden, dann sei das keinesfalls ein Beweis für einen Gendrift: „Intelligenz ist immer eine relative Definition, und sie ist nicht genetisch bedingt, sondern durch Umweltfaktoren wie Bildung und gute Ernährung“, sagt Schwaab. Selbst wenn Menschen heute intelligenter seien, liege das eher daran, dass Bildung besser zugänglich ist.

Dass Intelligenz nicht unbedingt der größte Selektionsvorteil ist, ergab auch eine aktuelle Studie der University of California. Forscher werteten Daten aus einer Gendatenbank aus, um zu prüfen, welche Eigenschaften heute noch verstärkt weitergegeben werden. Einen starken Gendrift konnten sie nicht finden. Allerdings stellten sie fest: Einen Fortpflanzungsvorteil haben immer noch Männer mit viel Muskelmasse. Also doch ganz ähnlich wie womöglich bei den Steinzeitmenschen. Die Evolution, so scheint es, bleibt sich also selbst treu.

Von Irene Habich

Rebecca Schiller aus Potsdam unterrichtet am Marie-Curie-Gymnasium im Havelland. Als „Frau Lehrerin“ ist sie auf Twitter eine kleine Berühmtheit – vor allem, seit sie dort eine unkonventionelle Unterrichtsmethode veröffentlicht hat.

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