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Panorama Das neue Tier-Gefühl
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20:10 20.04.2018
Für kleine Designexperten: Der Elefantenstuhl von Charles und Ray Eames ziert nicht nur Kinderzimmer. Quelle: Vitra
Hannover

Ein schweifender Blick durchs Wohnzimmer, und die meisten merken: Da ist noch jemand. Ein Tier. Manchmal sind es auch einige Tiere. Bewusst oder unbewusst – wir haben sie fast alle reingelassen.

Tiere haben im Interior Design schon immer eine eigene Rolle gespielt. Was dem Biedermeier sein Spatz, war dem Art déco der Flamingo. Heute zieht die gesamte Arche Noah als Animal Boom durch die guten Stuben dieser Welt.

Grafische Hühner zieren bunte Kissen, Papageienlampen strahlen auf Kommoden, Teppiche mit Hirschmotiven verleihen dem Esszimmer einen Hauch von Natur in urbaner Unruhe. Bisweilen wirkt der Animal Boom wie ein überlanger Besuch im Erlebniszoo. Aber pointiert gesetzt hat er großes Potenzial für persönliche Gestaltung.

Ein Designklassiker, den man nur lieben oder hassen kann

Für die Horse Lamp der schwedischen Designergruppe Front Design braucht man schon ein wenig Platz. Denn die Stehleuchte entspricht in Form und Größe einem echten schwarzen Pferd – nur eben einem mit Lampenschirm auf dem Kopf. Die Pferdelampe gehört neben der Hasenlampe und dem Schwein mit Tablett auf dem Rücken zur dreiteiligen Tiere-Kollektion des niederländischen Labels Moooi. Dessen Gründer Marcel Wanders hat einmal gesagt, er habe eine Leuchte gewollt, “die auch meiner Großmutter gefallen würde“.

Sicher ist, dass mit der Horse Lamp ein Designklassiker entstanden ist, den man nur lieben oder hassen kann. Dazwischen gibt es nichts. Deutlich kleiner, aber schon viel länger ein Klassiker, ist der Elefantenstuhl von Vitra. Charles und Ray Eames haben ihn 1945 aus Sperrholz entwickelt. In Serie gegangen ist er – aus Kunststoff gefertigt – aber erst vor einigen Jahren.

Tierische Elemente machen vor nichts halt. Weder vor Mode noch vor Schmuck, Haushaltsgeräten oder Handyhüllen. Designhotels wie das 25hours in München bieten ihren Gästen eine Pfauen- und eine Schwanensuite mit entsprechender Aufmachung.

Nur für große Räume geeignet: Die Front Design Horse Lamp. Quelle: Front Design

Bezogen auf die gesamte Innenausstattung “ist der Animal Boom einhergegangen mit der Renaissance der Tapete“, sagt Olaf Kitzig, Gründer von Kitzig Interior Design: “Jahrelang war Tapete gar kein Thema. Dann kamen wieder grafische Muster. Art déco wurde aufgegriffen – mit Vögeln oder Krokodilen. Und aktuelle Designer haben das Ganze dann neu interpretiert. Alles wurde überdimensional groß gezogen als neues Gestaltungselement.“

Die Liebe zum Design mit Tieren entspreche, so Kitzig, unserer Sehnsucht nach Geborgenheit: „Weil wir es warm und kuschelig haben wollen. Und weil wir Assoziationen haben wollen zur Kindheit, zur Natur – aber gepoppt grafisch aufgearbeitet. Je härter die wirtschaftliche und politische Situation in einem Land ist, umso softer wird die Architektur.“

Ein Stück weit als Flucht aus dem Alltag nimmt auch Sabrina Pflüger das Thema wahr. Die Designexpertin bei Connox, einem Onlineanbieter für Designmöbel und Wohnaccessoires, interpretiert die neue Neigung zu märchenhaften und fantasievollen Tiermotiven als Reise in andere Welten. Sabrina Pflüger sieht den Animal Boom in unmittelbarem Zusammenhang mit aktuellen Themen wie Urban Gardening und Green Living: “Dabei geht es vor allem um die Rückbesinnung auf Natur, auf Ursprüngliches und Vergangenheit – ganz typisch für das Design der Fünfziger- und Sechzigerjahre, das jetzt wieder angesagt ist und immer wieder tierische Motive aufgriff.“

LEDs erlauben vielfältige Formen

Dass dem Animal Boom auch technische Neuerungen zur Entfaltung verhelfen, weiß Markus Abraham von Connox: “Im Lichtbereich zum Beispiel gelingen mithilfe von LEDs neue Formgebungen, die mit konventionellen Glühbirnen nicht möglich wären. Neue Technologien und Materialien erlauben eine leichtere und günstigere Produktion von figürlichen und tierischen Formen. Das bringt immer mehr Animal-Designs hervor.“

Gerade Wohn- und Kinderzimmer bieten sich als tierische Spielwiesen an. Klassiker sind die Wanduhr Fernando the Fish von Grafikdesigner George Nelson oder der Holzaffe des renommierten dänischen Designers Kay Bojesen.

Für Olaf Kitzig ist auch das Badezimmer hervorragend geeignet für Tiere, wenn es eine gewisse Größe hat. Besonders beliebt: eine Regenwaldtapete mit Paradiesvögeln. “Aber immer unter dem Aspekt, dass es grafisch modifiziert ist“, betont Kitzig, “denn sonst sind wir bei den Fototapeten der Siebzigerjahre.“

Tierisches Motiv, elegant und grafisch reduziert: die Perch Light des Londoner Designers Umut Yamac. Quelle: Umut Yamac

Modern interpretiert kann so eine Tapete aus einem funktionellen Bad einen exklusiven Wohlfühlbereich machen. Und eine Stehleuchte, auf deren Stahlgestell ein grafischer Vogel wippt (wie bei der Perch Light Floor des Londoner Designers Umut Yamac), spendet angenehm warmes, diffuses Licht. Schöner Hingucker im Wohn- oder Essbereich kann ein ausladender Teppich mit grafischer Giraffe oder Hirsch darauf sein.

Wichtig ist, dass tierische Elemente in der Inneneinrichtung immer bewusst und mit Maß gesetzt werden, nicht als komplettes Raumkonzept. Denn das Animal-Thema selbst ist kein Style, kein Trend – es ist dazu da, Akzente zu setzen. Die Interpretation kann fantasievoll sein – ob mit Fabelwesen oder alternativ in sachlich reduzierter Variante mit grafischen Designs.

Auch in der Baukunst findet Animal seinen Ausdruck. Die belgische Künstlerin Adele Renault arbeitet zum Beispiel mit abstrahierten Federn von Tauben. Ganze Häuserwände ziert sie mit ihren fotorealistischen Bildern, in Hollywood wie in Amsterdam. Die Invasion der Tiere, so scheint’s, ist nicht aufzuhalten.

Von Andrea Mayer-Halm

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