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Panorama Böhnhardt an Peggy-Mord unbeteiligt
Nachrichten Panorama Böhnhardt an Peggy-Mord unbeteiligt
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12:36 08.03.2017
Im Mai 2001 verschwand die Schülerin Peggy. Quelle: dpa
Bayreuth

Die DNA-Spur des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt am Fundort der Knochen der Schülerin Peggy geht nach Angaben der Ermittler auf eine Verunreinigung zurück. Die Spur stehe nicht im Zusammenhang mit dem Tod des Mädchens, sagte Staatsanwalt Daniel Götz am Mittwoch in Bayreuth.

Am 7. Mai 2001 war die damals neunjährige Peggy auf dem Heimweg von der Schule verschwunden. Gut 15 Jahre später tauchten dann Teile ihres Skeletts in einem Waldstück in Thüringen auf: Rund 20 Kilometer entfernt von Peggys Heimatort Lichtenberg in Oberfranken fand ein Pilzsammler im vergangenen Sommer die Knochen des Mädchens.

Ermittler verwendeten identisches Gerät

Die Ermittler entdeckten am Fundort auch Genmaterial von Böhnhardt. Es gab Anhaltspunkte dafür, dass bei der Spurensicherung identisches Gerät verwendet wurde wie nach dem Tod Böhnhardts im Jahr 2011. So könnte die Spur verunreinigt worden sein.

Die mutmaßlichen Mitglieder der Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU), Uwe Mundlos (v.l.), Beate Zschäpe und Uwe Böhnhardt Quelle: dpa

Die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe hat bestritten, etwas über die getötete Peggy gewusst zu haben. Das erklärte ihr Anwalt Hermann Borchert im Namen Zschäpes Anfang Dezember 2016 im Münchner NSU-Prozess. Der Vorsitzende Richter Manfred Götzl hatte die Hauptangeklagte im NSU-Prozess Ende Oktober gefragt, ob sie etwas über Peggy wisse, das sie nicht aus den Medien habe. Zschäpes knappe schriftliche Antwort, die ihr Anwalt verlas, lautete: „Nein.“ Zschäpe ließ ihren Verteidiger auch Fragen des Gerichts zu angeblichen kinderpornografischen Fotos auf einem in der Ruine des letzten Verstecks des NSU-Trios gefundenen Computer beantworten.

Zschäpe ließ erklären, sie habe von den Fotos erst durch Akteneinsicht zu ihrem Fall erfahren. Sie glaube, dass die Bilder durch eine von Mundlos gekaufte gebrauchte Festplatte auf den Computer gekommen sein könnten. Mundlos habe immer wieder gebrauchte Festplatten gekauft und Computer selbst zusammen gebaut. Auf den Computer mit den Bildern habe sie ebenfalls Zugriff gehabt, auch Uwe Böhnhardt habe den PC genutzt.

Die NSU-Mordserie und der Fall Peggy

Vor knapp 16 Jahren verschwand die kleinePeggy aus Oberfranken. Acht Monate zuvor hatte die Mordserie der Terrorgruppe NSU begonnen. Nachdem Spuren eines NSU-Mitglieds am Fundort der Leiche gefunden wurden, prüften die Ermittler eine Verbindung zwischen den beiden Fällen. Am Mittwoch sollen die Ergebnisse bekanntgegeben werden. Ein Rückblick:

Januar 1998: Nach einer Razzia in ihrer Bombenwerkstatt in Jena tauchen Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe unter.

September 2000: Die Mordserie beginnt: Der türkische Blumenhändler Enver Simsek wird in Nürnberg erschossen.

Mai 2001: Die neunjährige Peggy aus Lichtenberg verschwindet auf dem Heimweg von der Schule. Suchaktionen bleiben ohne Erfolg.

Juni 2001: Der Türke Abdurrahim Özüdogru wird in seiner Änderungsschneiderei in Nürnberg erschossen. Sein Landsmann Süleyman Tasköprü stirbt in Hamburg.

August 2001: Mord an dem Gemüsehändler Habil Kilic in München.

Februar 2004: In Rostock wird der Imbiss-Verkäufer Mehmet Turgut erschossen.

April 2004: Fast drei Jahre nach seiner Festnahme wird ein geistig behinderter Mann wegen Mordes an Peggy zu lebenslanger Haft verurteilt.

Juni 2004: Eine Nagelbombe explodiert in der Kölner Keupstraße. Mehr als 20 Menschen werden verletzt, einige lebensgefährlich.

Juni 2005: Mord an dem Imbiss-Inhaber Ismail Yasar in Nürnberg. Wenige Tage später stirbt der Grieche Theodoros Boulgarides in seinem Münchner Laden, wo er einen Schlüsseldienst betreibt.

April 2006: In Dortmund wird der türkischstämmige Kioskbetreiber Mehmet Kubasik erschossen. Zwei Tage später treffen Schüsse Halit Yozgat tödlich in seinem Kasseler Internet-Café.

April 2007: Die Polizistin Michèle Kiesewetter wird in Heilbronn erschossen. Ihr Kollege wird schwer verletzt.

September 2010: Im Fall Peggy widerruft ein wichtiger Belastungszeuge seine Aussage und erhebt schwere Vorwürfe gegen die Ermittler.

November 2011: Sparkassen-Überfall in Eisenach. Böhnhardt und Mundlos verstecken sich anschließend in einem Wohnmobil. Den Ermittlern zufolge erschießen sie sich, als die Polizei sie entdeckt. Zschäpe zündet die gemeinsame Wohnung in Zwickau an, kurz darauf stellt sie sich in Jena.

Mai 2013: In München beginnt der Prozess gegen die Terrorgruppe.

April 2014: Auf Anordnung des Landgerichts Bayreuth beginnt im Fall Peggy das Wiederaufnahmeverfahren. Bald darauf wird der zu Unrecht Verurteilte freigesprochen.

Februar 2015: Die Staatsanwaltschaft Bayreuth stellt ihre Ermittlungen im Fall Peggy ein. Ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt wird aber aufrechterhalten, um mögliche Spuren weiterzuverfolgen.

Juli 2016: Ein Pilzsammler findet in einem Wald im thüringischen Landkreis Saale-Orla Skelettreste. Die Ermittler teilen mit, sie stammten „höchstwahrscheinlich“ von Peggy.

13. Oktober 2016: Polizei und Staatsanwaltschaft teilen mit, dass am Fundort der sterblichen Überreste von Peggy DNA-Spuren des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt gefunden wurden.

26. Oktober 2016: Im Münchner NSU-Prozess fragt der Vorsitzende Richter Beate Zschäpe, ob sie über Informationen über Peggy verfüge, die sie nicht aus den Medien habe. Zschäpe antwortete aber nicht sofort. In einer schriftlichen Mitteilung lautet die Antwort: „Nein.“

27. Oktober 2016: Die Ermittler teilen mit, es hätten sich „mögliche Anhaltspunkte dafür ergeben, dass durch die mit der Spurensicherung in beiden Fällen befasste Tatortgruppe der Polizei in Thüringen teilweise identisches Spurensicherungsgerät verwendet wurde“.

Von RND/dpa/are