Menü
Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine
Anmelden
Panorama Blogger wegen „Pokémon Go“ in Kirche verurteilt
Nachrichten Panorama Blogger wegen „Pokémon Go“ in Kirche verurteilt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:24 11.05.2017
Ruslan S.nach der Urteilsverkündung. Quelle: Imago/dpa
Moskau

Der russische Blogger Ruslan S. ist wegen Video-Spielens in einer Kirche zu dreieinhalb Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Eine Richterin befand S. am Donnerstag der Anstachelung zu religiösem Hass für schuldig, weil er in einer Kirche Pokémon gespielt hatte, die an der Stelle steht, wo 1918 der letzte Zar und seine Familie ermordet worden sein sollen.

Die Staatsanwaltschaft hatte dreieinhalb Jahre Haft für Ruslan S. gefordert. Die Verteidigung plädierte für eine Bewährungsstrafe. Der Fall hatte in der russischen Blogger-Szene scharfe Kritik ausgelöst. Menschenrechtler verurteilten den Prozess.

„Vielleicht bin ich ein Idiot, aber kein Extremist“

S. hatte im vergangenen Jahr in seinem Blog ein Video gepostet, auf dem er in dem Gotteshaus auf seinem Smartphone spielt. Er saß seit Oktober in Haft. Die Richterin sagte, S. habe religiöse Gefühle beleidigen wollen. Seine Videos seien anti-religiös und zeigten seine Missachtung der Gesellschaft.

„Vielleicht bin ich ein Idiot, aber kein Extremist“, hatte S. während der Anhörung im April gesagt. „Ich habe niemandes Recht und Freiheit verletzt, seinen Glauben auszuüben“, so Ruslan S..

Das international bekannteste Urteil wegen Anstachelung zu religiösem Hass in Russland fiel 2012 und traf die Punkrock-Band „Pussy Riot“. Diese hatte mit einem Kurzauftritt in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale gegen eine Allianz von Staat und Kirche protestiert. Die drei Musikerinnen wurden zu zwei Jahren Haft verurteilt.

Von AP/RND/zys