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„Imam Muda“

Fromme Castingshow: Malaysia sucht den Super-Imam

Eine fromme Castingshow lockt Millionen Fernsehzuschauer: Bei „Imam Muda“ messen sich
junge Männer im Beten, Trösten, Koranversezitieren und Gutestun.
Von Rauschebart keine Spur: Adrette Kandidaten der Show „Junger Imam“ in poppiger Kulisse.

Von Rauschebart keine Spur: Adrette Kandidaten der Show „Junger Imam“ in poppiger Kulisse.

© dpa

Leichen waschen und Gebete rezitieren – nicht gerade der Stoff, aus dem TV-Gassenhauer zu sein scheinen. Im muslimischen Malaysia lockt aber genau das seit Wochen Millionen Menschen vor die Bildschirme, vor allem junge Frauen und potenzielle Schwiegermütter. Sie schmachten Männer an, die in der Show als moderne Muslime mit Führungsqualitäten punkten müssen. Jede Woche scheidet – ähnlich wie in der Schlussrunde von „Deutschland sucht den Superstar“ – einer aus. Der Sieger der Imam-Show bekommt einen Studienplatz in Saudi-Arabien, ein Auto, einen Laptop und dürfte bald als Vorbeter in einer Moschee in Kuala Lumpur Karriere machen.

„Die Teilnehmer sind jung, sehen gut aus, und die meisten sind nicht verheiratet“, sagt Yati, eine junge Frau aus Kuala Lumpur, die noch keine Folge verpasst hat. „Sie kommen als Traummann für jedes gläubige Mädchen infrage.“ Auch Schwiegermütter beäugen die jungen Männer sehnsüchtig. Zehn Bewerber zwischen 18 und 27 sind zuletzt bei „Imam Muda“ – Junger Imam – angetreten, um ihre Religiosität und ihr Wissen über islamische Riten und Praktiken testen zu lassen. Ein Prediger und ein Student, ein Geschäftsmann und ein Bauer waren dabei. Sie traten in modernen Anzügen, Jeans oder Fußballtrikots auf und sprengten das Bild, das viele junge Muslime von Imamen haben: alte, weise Männer mit Rauschebart, die mit erhobenem Zeigefinger altmodische Ansichten vertreten. Die jungen Männer mussten sich zu Umweltthemen und junger Liebe äußern – Dinge, die junge Muslime relevant finden.

In der vorletzten Folge zog der Fernseh-Tross gar in ein Altenheim. Die Kandidaten mussten den Bewohnern seelischen Beistand leisten, die sich von ihren Familien abgeschoben fühlten. Mit Tränen in den Augen hörten sie manches Schicksal an. Tränen flossen auch, als am Ende wieder ein Kandidat gehen musste. Übrig sind zurzeit noch Muhammad Asyraf Mohamad Ridzuan (26), der mit seinen zarten Gesichtszügen fast noch als Abiturient durchgehen würde, und Hizbur Rahman Omar Zuhdi (27) mit einem Hauch von gepflegtem Kinnbärtchen.

„Diese Show hat so viele Zuschauer wie kein anderes religiöses Programm je zuvor“, sagt Izelan Basar, der Manager des Kabelkanals Astro Oasis, der die Sendereihe ausstrahlt. Er will die jungen Leute mehr für die Religion interessieren und gleichzeitig auf den rechten Pfad führen. Die Imame in spe mussten schon Koransuren rezitieren, einen Schlachthof inspizieren und feststellen, ob die Hühner korrekt nach islamischen Vorschriften geschlachtet wurden. Sie mussten aber auch schwangere Teenager beraten. „Endlich mal positives Fernsehen“, sagt der Kabelkanal-Manager.

Leichen waschen stand allerdings auch schon mal auf dem Programm. Der „Dieter Bohlen“ und einzige Richter der „Imam Muda“-Show ist der frühere Vorsteher der nationalen Moschee in der Hauptstadt Kuala Lumpur, Hasan Mahmud. Er entscheidet, wer nach Hause muss.

Im sozialen Netzwerk „Facebook“ im Internet hat die Show mehr als 46.000 Anhänger. „Weiter so, junge Imame“, schreibt einer begeistert. „Mit Gottes Segen wird es bald mehr Programme geben, die unseren Glauben stärken und die Moral aufbauen“, schrieb ein anderer Fan. Die jungen Kandidaten bekommen davon wenig mit. Sie sind im Stil von „Big Brother“ von der Außenwelt abgeschottet – im Internat einer Moschee. Sie haben weder Handys noch Fernsehen noch Web-Zugang.

Malaysia versucht seit Jahren, sich als progressives islamisches Land zu etablieren. Rund 60 Prozent der 28 Millionen Einwohner sind Muslime. Die großen Minderheiten von Christen, Buddhisten und Hindus haben allerdings manchmal Probleme mit dem „Label“ „islamisches Land“. Sie klagen über Diskriminierung, etwa beim Bau von Kirchen oder Tempeln. Die muslimischen Religionsbehörden machen, seitdem radikalere islamische Strömungen an Einfluss gewonnen haben, häufig Negativschlagzeilen, zum Beispiel wenn sie bei trauernden Christen oder Hindus auftauchen und behaupten, der Gestorbene sei kurz vor seinem Tod zum Islam übergetreten und müsse nun nach islamischem Ritus begraben werden. Oder aber wenn sie die Prügelstrafe an jungen Frauen vollstrecken, die vor der Ehe Sex hatten.

dpa


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