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Nachrichten Medien Trump und „sein Butler“ bei der Nato
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06:39 29.05.2017
Christoph von Marschall (v.l.), Susan Neiman, Klaus von Dohnanyi, Moderatorin Anne Will, Michael Wolffsohn und Norbert Röttgen. Quelle: dpa
Berlin

Wenn sich Besuch besonderer Art verabschiedet hat, die Tür hinter ihm verschlossen und der Haushalt in gewohnter Ordnung wiederhergerichtet wurde, stellen sich den Gastgebern mitunter Fragen: Hat es dem Besuch geschmeckt? Fühlte er sich gut unterhalten? Und was meinte er, als er sagte … ? In ähnlicher Stimmung diskutierte Anne Will mit ihren Talk-Gästen am Sonntagabend im Ersten – wenige Stunden nachdem der Besuch, US-Präsident Donald Trump, nach seiner neuntätigen Reise mit fünf Stationen im Nahen Osten und in Europa zu Hause in Washington angekommen war.

Donald Trump ist seit Jimmy Carter der erste US-Präsident, der in den ersten hundert Tagen seiner Amtszeit gar nicht im Ausland war. Deswegen wird seine erste Reise nun mit Spannung begleitet.

Beim Nato-Gipfel in Brüssel und beim G7-Gipfel auf Sizilien hatten die Europäer vor wenigen Tagen die Chance, diesen erratischen US-Präsidenten aus der Nähe zu erleben und seine Qualitäten zu beurteilen. „Staatsmann oder Sicherheitsrisiko – Kann Donald Trump Außenpolitik?“, lautet also der Titel der Sendung. Zur Beantwortung dieser Frage lässt Will die Szene vom Nato-Treffen einspielen, in der Trump vor dem Fotoshooting in Brüssel den montenegrinischen Premier zur Seite schubst, sich an ihm vorbei in die erste Reihe drängelt und sichtlich zufrieden das Revers seines Sakkos richtet. Die Redaktion sieht darin offenbar eine Schlüsselszene zur Ausleuchtung der Motive Trumps und liegt damit wohl nicht ganz falsch. Trump nehme keinerlei Rücksicht auf normale Umgangsformen, nichts sei ihm peinlich, sagt Christoph von Marschall vom Berliner „Tagesspiegel“. „Er sagt: Ich bin da, ich bestimme die Regeln.“

Röttgen hat keine Hoffnung auf Besserung

Der CDU-Politiker Norbert Röttgen klingt ein wenig wie der Leiter einer Nervenheilanstalt, als er ferndiagnostiziert: „Es war intuitives Verhalten, sich da vorzurempeln.“ Es sei Ausdruck seiner Person, so Röttgen; man habe es nun mit einer „ausgeformten Persönlichkeit“ zu tun. Falls sich also jemand Hoffnungen gemacht haben sollte, Trump würde auf der Auslandsreise zum Staatsmann mutieren, dürften die sich nun erledigt haben. Das ist die Botschaft Röttgens, der dem Auswärtigen Ausschuss des Bundestages vorsteht.

Dem Historiker Michael Wolffsohn ist der Blick der Diskussionsrunde auf das Verhalten Trumps offenbar zu selbstgerecht; er erhebt einen interessanten Vorwurf an die Adresse der Europäer: „Trump ist die Quittung für unseren oft vulgären Anti-Amerikanismus.“ Auf eine einleuchtende Erläuterung dieser interessanten Behauptung verzichtet Wolffsohn leider.

So weit, so erwartbar. Spannender als die Frage nach dem Wesen Trumps ist jene nach den Konsequenzen, die Deutsche und Europäer nach ihren Begegnungen mit dem US-Präsidenten in Brüssel und auf Sizilien ziehen sollen. Schließlich brüskierte Trump an beiden Orten seine Partner: In Brüssel bekannte er sich mit keinem Wort zur Nato-Beistandspflicht, sondern kanzelte die Staats- und Regierungschefs der Nato-Länder wegen angeblich nicht gezahlter Beiträge ab – eine „groteske Unverschämtheit“, meint Hamburgs früherer Erster Bürgermeister Klaus von Dohnanyi bei „Anne Will“ und fordert den Rücktritt von Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg. „Der gehört abgelöst“, weil er „wie ein Butler“ neben Trump gestanden und dessen vorab bekannte Rede nicht verhindert habe, sagt von Dohnanyi. In Sizilien wiederum verweigerte Trump seine Zustimmung zum Konsens der übrigen Sechs, gegen den menschengemachten Klimawandel vorzugehen. Wie weiter?

„Müssen transatlantische Gemeinschaft über Präsidentschaft retten“

Die Kanzlerin hatte am Sonntagnachmittag bei einem Bierzeltauftritt in Bayern gesagt: „Die Zeiten, in denen wir uns auf andere völlig verlassen konnten, die sind ein Stück vorbei. Das habe ich in den letzten Tagen erlebt.“ Heißt das nun, wie am Sonnabend nicht zuletzt US-Medien verbreiteten, dass Deutschland die USA nicht mehr als verlässlichen Partner sehe und die transatlantische Partnerschaft am Ende sei? „Das hat Merkel ganz sicher nicht gemeint“, beeilt sich Röttgen zu beschwichtigen und fordert: „Wir müssen die transatlantische Gemeinschaft über diese Präsidentschaft retten.“

Hier zeigt sich eine Differenzierung, die fortan häufig zu hören sein dürfte: „Trump ist nicht die USA“, sagt Röttgen. „Danke“, ruft ihm die Philosophin Susan Neiman zu, Leiterin des Potsdamer Einstein-Forums und sichtlich leidende US-Amerikanerin. Sie legt großen Wert auf diesen Unterschied, verweist auf den breiten Protest gegen Trump in den USA – und auf die innenpolitischen Folgen, die ein entschlossenes, selbstbewusstes Auftreten der Europäer gegenüber Trump haben könnten. „Die Republikaner haben Angst, dass die Welt allen Respekt vor den USA verliert“, sagt Neiman und erklärt, dass die Partei des Präsidenten angesichts der globalen Schmach die Reißleine ziehen und ein Amtsenthebungsverfahren einleiten könnte. Niemand in der „Will“-Runde hätte etwas dagegen. „Druck von außen hilft“, bekräftigt Neiman. Niemand in der Runde widerspricht. Kaum einer vermag derzeit in deutschen Talkshows wohl so viel Konsens zu stiften wie die Reizfigur Trump.

Von RND/Marina Kormbaki

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