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22:12 26.01.2016
Zeitungsverlage setzen zunehmend auf e-Commerce: Im Online-Shop der HAZ werden etwa Geschenke wie Bücher verkauft. Quelle: Screenshot/shop.haz.de
Hannover

Unternehmensberater haben oft mit Vorurteilen zu kämpfen. Zum Beispiel, dass Verlage sie gern engagieren, um hinterher das zu empfehlen, was vorher schon feststand. Anders der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV). Er hat die Unternehmensberatung Schickler beauftragt, herauszufinden, welche Trends die Arbeit der Zeitungsverlage in diesem Jahr bestimmen werden. Die repräsentative Umfrage unter 250 Verlagen, von denen 28 Prozent geantwortet haben, fand zum nunmehr zweiten Mal in Folge statt. Vier Trends haben die Schicklers aufgespürt:
Im Digitalen wächst das Kerngeschäft: Voriges Jahr hatten die Verlagschefs erwartet, dass sich die Printauflagen stabilisieren. Die Erwartung wurde enttäuscht. Statt um 1,7 Prozent schrumpften die gedruckten Auflagen um rund 4 Prozent. BDZV-Präsident Helmut Heinen nennt als einen Grund die Erhöhung der Verkaufspreise wegen der höheren Zustellkosten seit Einführung des Mindestlohns. Mit Blick auf das laufende Jahr glauben die Verlage, dass Print weitere 2,7 Prozent der Auflage verlieren könnte.

Anders die E-Paper-Ausgaben. Sie sollen womöglich um mehr als 11 Prozent wachsen. Auch bei digitaler Werbung geben sich die Häuser optimistisch und erwarten ein Plus von 8,3 Prozent – für Printwerbung dagegen ein Minus von 1,6 Prozent. Grundsätzlich geben sich große Verlage optimistischer, was das Digitalgeschäft angeht. Dies könnte daran liegen, dass sie eher in Großstädten sitzen, wo die Anzahl mobiler, junger Nutzer höher ist.
Digitale Plattformen erhöhen die Reichweite: Fast 60 Prozent aller Verlage, darunter vor allem die Großen, wollen mindestens eine, die Hälfte sogar mehrere digitale Plattformen nutzen. Dazu zählen etwa der Online-Kiosk Blendle oder Facebook, wo sogenannte Instant-Articles ohne die üblichen lästigen Ladezeiten angeboten werden. Auf diese Weise erhoffen sich die Verlage vor allem Reichweite, also mehr Leser. Das, glauben sie, stärke ihre Marke. Erlöse sind dabei nachrangig.
Je stärker die Marke, umso besser fürs Geschäft: Lange dachten die Verlage, neue Märkte seien am besten mit neuen Marken zu erschließen. Damit ausreichend Leser, also Relevanz zu gewinnen, erwies sich als schwierig. Inzwischen gehen die Häuser dazu über, sich auf ihre bestehenden Zeitungstitel zu konzentrieren. Unter ihrem Dach planen sie auch 2016 neue Produkte für spezielle Zielgruppen wie Jugendliche oder für exklusive Inhalte wie regionale Wirtschaftsmagazine oder Newsletter.
Wachsen mit E-Commerce: E-Commerce ist der herausragende Trend für 2016. "Hätte ich das vor fünf Jahren behauptet", sagt Alexander Kahlmann von Schickler, "hätten mich die Verleger aus dem Büro geschmissen". Die Überlegung der Verlage ist nachvollziehbar: Sie kennen ihre Leser, sie kennen die Adressen ihrer Abonnenten, Zusteller beschäftigen sie ohnehin, und E-Commerce ist ein Wachstumsmarkt. Also wollen sie ihre vorhandene Logistik rund um die Uhr nutzen: frühmorgens für die Zeitungszustellung, am Vormittag für ihre Anzeigenblätter und ihre Postdienste, am Nachmittag, wenn sie bei Kunden die Briefe abholen – und am Abend, um zum Beispiel Ware lokaler Einzelhändler an Kunden auszuliefern.

  • Einige Beispiele aus dem E-Commerce-Bereich:

"Simply Local" und "Locafox" haben sich zum Ziel gesetzt, zwischen Offline- und Online-Welt nicht zu trennen und den stationären Handel zu unterstützen. Verbraucher können sich online informieren, den Artikel aber in einem Geschäft in unmittelbarer Umgebung kaufen oder sich liefern lassen. Beide Shopping-Anbieter kooperieren dazu mit Verlagen, etwa dem "Weser-Kurier" in Bremen. Auch die "Main-Post" kooperiert mit dem Einzelhandel in ihrem Heimatmarkt Würzburg. Das Motto: "Lass’ den Klick in deiner Stadt".

"LieblingsLaden" ist eine Initiative des "Südkurier". Der Verbraucher kann sich dort online auf den individuellen Händlerseiten informieren, Produkte reservieren und vor Ort kaufen. Das Angebot gilt derzeit für Händler in 20 Städten, weitere zehn sollen folgen.

"Ehorses.de" ist, passend zum pferdeverrückten Niedersachsen, eine Online-Plattform der "Neuen Osnabrücker Zeitung" für den Pferdehandel.

"Rheinliebe.de" ist der Versuch eines Datingportals der Verlagsgruppe Rhein-Main, ähnlich zu lokalen Stellenmärkten anderer Häuser. Sie sind die digitalen Verlängerungen der früher größten Einnahmequelle regionaler Zeitungen, den Rubrikenanzeigen, die nach und nach ins Internet abgewandert sind.

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