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20:04 23.10.2018
Mit Smart Lock die Haustür ohne Schlüssel öffnen und schließen kann auch Nachteile haben Quelle: Getty Images
Hannover

Die Hände voll mit Einkäufen, der Schlüssel tief unten in der Tasche vergraben. Bei vielen beginnt nun das lästige Kramen vor der Haustür. Für Bewohner eines Smart Home ist das Schnee von gestern - vorausgesetzt sie haben ihre Tür mit einem Smart Lock ausgestattet. Doch wobei handelt es sich dabei und wie sieht es mit der Sicherheit der intelligenten Türschlösser aus?

Was ist ein Smart Lock?

Beim Smart Lock handelt es sich um eine Kombination aus einem herkömmlichen mechanischen Schloss, das elektronisch geöffnet und verriegelt wird. Je nach Modell kann das bisherige Schloss entweder mit einem entsprechenden Aufsatz umfunktioniert oder auch komplett ausgetauscht werden. Smart Locks kommen vor allem als Teil der vernetzten Haussteuerung zum Einsatz.

Wie funktioniert ein Smart Lock?

Bedient wird das Smart Lock über ein autorisiertes Gerät, zum Beispiel das Smartphone. Per drahtloser Übertragung (Bluetooth, WLAN oder über die Cloud) lässt sich der Schließzylinder sperren und entsperren. Dafür sendet das Gerät einen digitalen Code per App, der über eine Schnittstelle an das Smart Lock übermittelt wird und den eigentlichen Schlüssel im Schloss dreht.

Was bringt ein Smart Lock?

Die Nutzung eines Smart Lock bietet viele Vorteile. Zu den größten zählt die Erhöhung des Komforts im Alltag, wie das Einkaufsbeispiel verdeutlicht. Wer ein Smart Lock mit Geofencing-Funktion eingebaut hat, muss sich sogar nur der Tür nähern, um diese automatisch zu entsperren. Vorausgesetzt es handelt sich um eine in der App autorisierte Person.

Da sich die Schlösser auch online oder automatisch zu festgelegten Zeiten entsperren lassen, ist es möglich, Besuchern die Tür zu öffnen, wenn man selbst nicht vor Ort ist. Handwerkern, Paketzustellern oder Putzkräften kann so in Abwesenheit der Zutritt zur Wohnung ermöglicht werden. Der Online-Versandhändler Amazon bietet beispielsweise mit dem “Amazon Key” ein eigenes Smart-Lock-System an, welches bislang allerdings nur in den USA zur Verfügung steht.

Für Vermieter von Ferienhäusern oder privaten Unterkünften besteht zudem die Möglichkeit, Gäste ins Haus zu lassen, ohne dass vorab eine Schlüsselübergabe erfolgen muss. Die Besucher bekommen den zeitlich begrenzten Code einfach am Anreisetag per Mail oder SMS zugeschickt.

Welche Risiken gibt es?

Wie bei vielen Aspekten des Smart Home, wird auch dem Smart Lock erhöhte Aufmerksamkeit beim Thema Sicherheit geschenkt. Was, wenn die Technik einmal versagt oder man sich aus Versehen ausgesperrt hat? Wie hilft man sich, wenn das Smartphone oder andere zum Entsperren benötigte Geräte verloren wurden? Und letztlich: Wie gut ist das Smart Lock vor Einbrechern und Hackern geschützt?

Prinzipiell ist ein Smart Lock nicht sicherer oder unsicherer als ein gewöhnliches Türschloss. Zwar besteht das Grundrisiko des Missbrauchs durch Hacker, doch mit der richtigen Verschlüsselung durch die Hersteller und der nötigen Vorsicht durch die Besitzer lässt sich das Risiko gering halten.

Die meisten Modelle erlauben die Nutzung eines physischen Schlüssels parallel zur smarten Bedienung. Kein Problem also, wenn das Smartphone einmal nicht zur Hand ist oder der Akku leer ist. Bei Verlust des Smartphones lässt sich ein anderes Gerät zum Öffnen der Tür autorisieren.

Darüber hinaus lässt sich das System gut überwachen. So registriert das intelligente Türschloss sämtliche Zugriffe und kommuniziert mit anderen Systemen im Smart Home. Sollte das Smartphone verloren gehen oder gestohlen werden, kann der Code auf dem autorisierten Gerät einfach ungültig gemacht werden.

Doch was, wenn Hacker gezielt versuchen, die Verbindung zwischen Nutzer und Türschloss abzufangen? Zwar müsste sich der Angreifer bei dem Vorgang in Reichweite des Übertragungsradius befinden (bei Bluetooth sind das immerhin bis zu zehn Meter), aber unmöglich scheint das nicht.

In solchen Fällen kommt es darauf an, wie gut die Hersteller ihre Produkte vor solchen Attacken schützen. Eine Methode ist der sogenannte Challenge-Response-Ansatz. Dabei wird beim Entsperren eine Zufallszahl generiert, die Besitzer über die App an das Schloss senden. So wird bestätigt, dass sie die Tür rechtmäßig öffnen dürfen. Da diese Zahlen immer wieder neu vergeben werden, können Hacker diese nicht für spätere Einbrüche nutzen.

Lohnt sich ein Smart Lock?

Diese Frage muss jeder für sich selbst beantworten. Wer zu Hause ohnehin smart ausgestattet ist, wird beim Smart Lock nicht unbedingt die Grenze ziehen. Einen 2017 durchgeführten Test von AV-TEST hat die Merheit aller überprüften Modelle von deutschen und ausländischen Anbietern bestanden. Vor allem die deutschen Hersteller Noke und eQ-3 sowie der österreichische Anbieter Nuki überzeugten im Experten-Test.

Wenn man das gesamte Spektrum an Smart-Home-Produkten betrachtet, schneidet das Smart Lock also überdurchschnittlich gut ab. Wer hingegen auf den Komfort des schlüsselfreien Türaufschließens verzichten kann, ist auch weiterhin gut beraten, Haustürschlüssel nah bei sich zu tragen.

Von RND/pf

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