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10:12 01.01.2019
Facebook steht 2019 vor Herausforderungen. Quelle: Thibault Camus/AP
Menlo Park

Schon wieder Facebook. Das Jahr 2018 ist quasi schon aus der Tür, da schafft es das soziale Netzwerk auf dem Weg nach draußen noch ein paar neue Skandale aufzusammeln. Da wird bekannt, dass Hunderte Apps im September weitreichenden Zugriff auf Fotos von mehreren Millionen Mitgliedern hatten. Möglich gemacht durch eine Datenpanne. Dann – nicht mal eine Woche später – berichtet die „New York Times“, wie Facebook Firmen wie zum Beispiel Microsoft Zugang zu Nutzerdaten gewährt hat. Netflix und Spotify sollen beispielsweise Zugriff auf private Nachrichten erhalten haben. Man möchte nur noch aufstöhnen und die Augen verdrehen. 2018 war ein furchtbares Jahr für Facebook. Das kann man so sagen, ohne Mitleid haben zu müssen. Wer immer bei Facebook nach 2017 gehofft hatte, dass 2018 problemlos über die Bühne gehen würde, der musste einsehen: Es sollte ein frommer Wunsch bleiben.

Tatsächlich ist es fast unmöglich, den Überblick über all die großen und kleinen Facebook-Skandale zu behalten – man weiß gar nicht, wo man anfangen soll. Oder erinnern Sie sich noch daran, dass durch eine Panne bei Facebook Millionen Nutzer ihre Inhalte ungewollt mit der ganzen Welt statt nur ihren Freunden teilten? Dass Facebook-Chef Mark Zuckerberg im Juli deutlich mehr schlecht als recht zu erklären versuchte, warum er die Posts von Holocaust-Leugnern nicht grundsätzlich löschen wolle? Dass ein britischer Parlamentsausschuss aus Frust über Facebook kurzerhand interne Facebook-Dokumente wie E-Mails veröffentlichte? Dass Facebook auf Schmutzkampagnen spezialisierte PR-Firmen anheuerte, um sie auf Kritiker anzusetzen?

Cambridge-Analytica Skandal bleibt in Erinnerung

Müsste man aber eine Affäre, einen Skandal, eine der Pannen zum Gewinner, zu dem Vorfall ernennen, der aus 2018 am besten im Gedächtnis geblieben ist, wäre es wohl der Cambridge-Analytica-Skandal. Facebooks Regeln erlaubten es einer Quiz-App nicht nur auf die Daten der 300 000 Umfrageteilnehmer zuzugreifen, sondern auch auf die ihrer Freunde – Millionen Menschen. Diese Daten wurden dann – unerlaubterweise – an eine Analysefirma mit dem Namen Cambridge Analytica weitergegeben, die später wiederum unter anderem den Wahlkampf von Donald Trump unterstützte. Dazu kommt die Rolle, die Facebook bei der Verbreitung von falschen Nachrichten bei Meinungsmanipulation spielt, einer Verantwortung, der sich das Netzwerk spätestens seit dem amerikanischen Wahlkampf 2016 stellen muss.

Das Erschütternde: Tatsächlich hat Facebook – oder zumindest Mark Zuckerberg – bisher wenig Konsequenzen aus all dem ziehen müssen. Zwar musste er nach dem Cambrigde-Analytica-Skandal stundenlang im US-Kongress aussagen, auch vor das Europaparlament wurde Zuckerberg zitiert. Aber der symbolische Versuch einiger Investoren Ende Oktober, ihn wenigstens ein bisschen zu entmachten, blieb wirkungslos. Von Zuckerberg prallt alles weiterhin ab. Zuckerberg ist Facebook, Facebook ist Zuckerberg.

Weltweit ist Facebook gewachsen

Aber was ist mit den Nutzern? Der Facebook-Hack, bei dem sich Kriminelle Zugang zu rund 30 Millionen Facebook-Konten verschafft haben – er scheint inzwischen fast schon wieder vergessen. Ein paar Nutzer, die nun endgültig genervt waren, zogen ihrem Account den Stecker, aber das große Aufbäumen blieb aus. Facebook stellt immer und immer wieder unter Beweis, dass es das Vertrauen der Nutzer eigentlich nicht mehr verdient hat – und die antworteten zu großen Teilen mit einem Schulterzucken. Oder nicht? In zwei aufeinanderfolgenden Quartalen hat Facebook jeweils eine Million monatlich aktiver Nutzer verloren – in Europa. Weltweit dagegen ist im dritten Quartal die Zahl der Facebook-Nutzer gewachsen: auf rund 2,27 Milliarden monatlich aktive Nutzer.

Gruselig wird es für Facebook eher, wenn man sich solche Statistiken anschaut: Fragt man Jugendliche, welche Internetangebote sie nutzen, dann hat sich die Beliebtheit von Facebook bei der spontanen Nennung in einem Jahr mehr als halbiert. Zu diesem Ergebnis kommt die JIM-Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest, die 1200 Jugendliche in Deutschland im Alter von zwölf bis 19 Jahren befragt hat. In der Liste der liebsten Internetangebote landet Facebook weit abgeschlagen hinter Youtube, Whatsapp oder Instagram. Auch bei den beliebtesten Apps schafft Facebook es nicht unter die Top 3. Dort folgt auf Whatsapp Instagram, dann Youtube. Facebook, so sieht es aus, fällt bei den Jugendlichen durch. Facebook ist out, Whatsapp und Instagram sind in.

Skandale fallen nicht auf Instagram zurück

Gut, dass die beiden Dienste auch Teil des Facebook-Imperiums sind. Nur: Vielen Menschen ist das nicht wirklich bewusst. So zeigte eine Umfrage unter mehr als tausend US-Amerikanern, dass rund 57 Prozent der Befragten nicht klar war, dass Instagram zu Facebook gehört. Tatsächlich fallen die Skandale von Facebook bisher nicht spürbar auf dessen andere Dienste zurück.

Im Gegenteil, gerade Instagram, das sein eher positives Image trotz Facebook bewahren konnte, wird für das Netzwerk zur Gelddruckmaschine. So erwartet beispielsweise der Analyst Andy Hargreaves laut dem Technikblog Recode, dass Instagram innerhalb von zwei Jahren 30 Prozent zu Facebooks Werbeeinnahmen beitragen wird und sich gleichzeitig zu einem extrem wichtigen Motor bei den neuen Umsätzen entwickelt. Seit die Instagram-Gründer Kevin Systrom und Mike Krieger Facebook im September verließen, ist die Fotoplattform sozusagen völlig unter Facebooks Kontrolle. Systrom und Krieger sollen unter anderem frustriert über die Einmischungen von Zuckerberg ins Tagesgeschäft gewesen sein.

Facebook erwartet Umbruch im Werbegeschäft

Auch bei Whatsapp ist jetzt Geldverdienen angesagt. Die werbelosen Zeiten sind 2019 vorbei, dann will Facebook im Whatsapp-„Status“-Bereich Anzeigen präsentieren. Konflikte um genau dieses Thema – und die Datennutzung sowie strikte Verschlüsselung bei Whatsapp – hatten Whatsapp-Mitgründer Jan Koum dieses Jahr dazu veranlasst, Facebook zu verlassen. Sein Mitgründer war schon früher ausgestiegen.

Auch Facebook selbst wird sich umstellen müssen. Denn im Werbegeschäft, das gab Zuckerberg selbst zu, erwartet Facebook einen Umbruch. Das liegt daran, dass Facebook-Nutzer ihre Beiträge verstärkt im kleineren Freundeskreis statt im Newsfeed teilen. Doch die aktuellen Facebook-Milliardengewinne generieren sich fast ausschließlich aus dem Newsfeed, wo es viel Platz für Anzeigen gibt. Wie man dagegen im Messenger oder bei den Storys Geld verdient, das muss Facebook nun herausfinden.

Kann sich Facebook von diesem Jahr erholen? Wird 2019 besser als 2018? In einem Interview mit der „New York Times“ sagte Mark Zuckerberg einmal: „Es ist wichtig für mich, dass wenn Max und August (Anm. der Redaktion: Zuckerbergs Kinder) aufwachsen, sie das Gefühl haben, dass das, was ihr Vater aufgebaut hat, gut für die Welt war.“ Das wird das Netzwerk unter Beweis stellen müssen.

Von Anna Schughart/RND

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