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Netzwelt Zuckerbergs Haltung ist falsch und gefährlich
Nachrichten Medien Netzwelt Zuckerbergs Haltung ist falsch und gefährlich
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21:43 19.07.2018
„Falsche und gefährliche Begründung“: Facebook-Chef Mark Zuckerberg. Quelle: AP
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Berlin

Mark Zuckerberg, CEO von Facebook und ohne Zweifel einer der mächtigsten Menschen der Welt, äußerte in einem Interview mit der Chefredakteurin der Webseite „Recode“, dass er die Leugnung des Holocausts zwar „extrem abstoßend“ finde, aber dennoch der Meinung sei, dass Menschen ihn auf Facebook leugnen dürfen sollten. Ergo: Holocaustleugnung wird auch weiterhin nur in Deutschland, Israel, Frankreich und Österreich gelöscht. Der Rest der Welt darf dieses abscheuliche Verbrechen fröhlich weiter leugnen.

Zuckerbergs Begründung, er glaube nicht, dass alle Holocaustleugner dies bewusst tun, ist falsch und gefährlich. Erstens ist der Holocaust wie wohl kein anderer Massenmord in der Geschichte der Menschheit bestens dokumentiert. Zweitens lässt die Behauptung, der Leugner wisse es möglicherweise nicht besser, auch den Schluss zu, dass der Holocaust tatsächlich nicht stattgefunden haben könnte.

Kommentieren andere die Unwahrheit, bringt das mehr Traffic

Zuckerbergs Haltung wird mit dem radikalen Verständnis von Meinungsfreiheit begründet, das in den USA herrscht. Doch muss man sich vergegenwärtigen, dass dieses Verständnis aus einer Zeit kommt, in der eben nicht jeder Volldepp mit seiner Lüge ein Millionenpublikum erreichen konnte. Zuckerberg will, dass die Community dagegen hält. Warum, ist klar: Kommentieren andere die Unwahrheit, erzeugt das mehr Verkehr auf Facebook, was wiederum Werbetreibende und Aktionäre und Aktionärinnen interessiert.

Denkt man diese Vorstellung der Gegenrede jedoch konsequent zu Ende, so muss auf einmal wieder alles diskutiert werden, was in den letzten 200 Jahren an Freiheiten und Menschenrechten erkämpft wurde. Anhand der momentanen Debatte über die Situation von Migrantinnen und Migranten in Europa sieht man, wie sehr diese entgleisen kann, wie sehr auf einmal selbstverständliche Menschenrechte zur Disposition gestellt werden, weil es halt irgendjemand irgendwo behaupten kann und natürlich jeder halbwegs vernünftige Mensch dagegen argumentieren will.

Die Moderation der Beiträge wäre zu teuer

Zuckerberg könnte natürlich, wie es jeder gute Club macht, der auf gesittetes Publikum wert legt, Verhaltensregeln vorschreiben, er will es aber nicht. Der Grund ist die kapitalistische Verwertungslogik hinter Internetplattformen: Mehr Nutzerinnen und Nutzer, mehr Geld. Eine Moderation der Millionen täglichen Beiträge wäre zu teuer. Doch vergiftet Facebook mit seiner „alles kann debattiert werden“-Haltung den öffentlichen Diskurs.

Es rächt sich, dass es noch immer keine Initiative der Politik gibt, ein Soziales Netzwerk als Form der öffentlichen Daseinsvorsorge zu betreiben. Es rächt sich, das Politik nicht konsequent in Frage stellt, ob so etwas wie ein Soziales Netzwerk überhaupt privatwirtschaftlich betrieben werden dürfen sollte.

Christopher Lauer, 34, ist Autor und Berater für Politik- und Netzthemen. Bis 2016 saß er im Berliner Abgeordnetenhaus.

Von Christopher Lauer

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